Pfarrerinnen

Wibke Janssen: Nach 100 Jahren die erste Studieninspektorin

„Ich komme aus keiner frommen Familie. Aber bei Krisen in der Großfamilie haben mich gläubige Verwandte immer beeindruckt.“ So zeichnet Wibke Janssen ihren Weg zur Theologie nach. Ihr Interesse für religiöse Fragen sei ihr wohl angeboren.

Studieninspektorin im Bonner Goebenstift, jetzt in Elternzeit und in der Promotion: Wibke Janssen. Studieninspektorin im Bonner Goebenstift, jetzt in Elternzeit und in der Promotion: Wibke Janssen.

Prägend war ein Schulgottesdienstkreis mit seiner Suche nach Spiritualität im Alltag. In dieser Zeit wurde auch das politische Fundament gelegt. Für die 40-Jährige war die Entscheidung zum Theologiestudium nur konsequent. Der Beruf wurde für sie interessant durch die intellektuelle Herausforderung der Themen, die Bandbreite an Menschen und die soziale Komponente für den Einzelnen und die Gesellschaft.

Lachend erzählt sie: „ Es gab wohl Frauen, die mich beeindruckt haben, aber eine Pfarrerin hatte ich bis zu meinem Studium nicht gesehen, ich kannte auch keine Religionslehrerin.“ Vom ersten Semester an beteiligte sie sich an einem Feministischen Arbeitskreis, aus dem eine Frauengruppe entstand. Theologische Vorbilder waren bis dahin zwangsläufig Männer.

Inzwischen kennt sie viele Pfarrerinnen

Längst kennt Wibke Janssen viele Pfarrerinnen, entsprechend differenziert ist ihr Berufsbild. Vor allem mag sie, wenn Frauen hohe Kompetenz ausstrahlen. Die Theologin wurde nach 100 Jahren die erste Studieninspektorin im Bonner Goebenstift, einem Wohnheim für Theologiestudierende.

Ihr Gottesbild wandelt sich, entwickelt sich – in ihren Augen vielleicht ein weiblicher Zug. Je älter sie werde, desto wichtiger würden "die bergenden und anwaltlichen Aspekte des Gottesbildes", erzählt sie. "Jetzt wird Gott auch als Gegenüber wichtig. Zur Hinterfragung und Auseinandersetzung darüber, was ich tue.“ Im Vikariat hätte sie bei einer Beerdigung das Wort „Gericht“ nicht in den Mund genommen, heute ist das – in angemessener theologischer und seelsorglicher Weise – vorstellbar.

Keine nennenswerte Behinderung

Als Frau ist sie bisher nie auf „nennenswerte Behinderung bei der Ausübung meines Berufes gestoßen. Aber…“, dann nennt sie ein Beispiel, das für viele andere steht. Auf der Bescheinigung der Ausbildung zur Notfallseelsorgerin stand bei den Männern „Pfarrer….“, bei ihr „Frau Wibke Janssen“. Sie protestierte mit Erfolg.

Ihre eigene Perspektive sieht sie gespalten. Einerseits erlebt sie anerkennende Rückmeldung, zum Beispiel zu Gottesdiensten, Vorträgen oder nach Einsätzen in der Notfallseelsorge. Es gibt Angebote wie die Mitarbeit bei den Predigtstudien, die sie bestätigen. Andererseits weiß sie: Es gibt nicht viele Pfarrstellen. „Mein Beruf ist eine Berufung für mich“, setzt sie ernsthaft hinzu. Im Moment nutzt Wibke Janssen die Elternzeit mit ihrem dritten Kind für die Fertigstellung ihrer Dissertation.

 

 

 

reh /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 28. Dezember 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 28. Dezember 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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