Jahrespressegespräch

Präses: "Mehr zu Herzen gehen"

Christinnen und Christen müssten mehr davon erzählen, was sie glauben. Dazu hat Präses Nikolaus Schneider aufgerufen. „Vom eigenen Glauben zu sprechen, das erfordert Mut“, sagte der ranghöchste Repräsentant der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR).

Positive Entwicklung: Mehr Menschen besuchen die Gottesdienste. Positive Entwicklung: Mehr Menschen besuchen die Gottesdienste.

Heutzutage breiteten viele Menschen eher ihr Intimleben vor der nachmittäglich vor dem Fernseher versammelten Talkshow-Gemeinde aus, als im Restaurant bei Tisch ein Dankgebet oder im Freundes- und Kollegenkreis über Gott zu sprechen. Ermutigende Klarheit im persönlichen Zeugnis erwarte er auch vom eigenen Berufsstand: „Unsere Theologie muss zu Herzen gehen – im wahrsten Sinne des Wortes.“

Auch der Mut, im Alltag vom eigenen Glauben zu erzählen, sei „ein starkes und lebendiges Stück Kirche – ganz unabhängig von der Zahl unserer Kirchengebäude und der Höhe der Kirchensteuern“, sagte Schneider vor Journalistinnen und Journalisten.

 Vom eigenen Glauben erzählen: Präses Nikolaus Schneider.

 

Bemerkenswert positive Entwicklungen

Die aufgrund der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung sinkende Zahl der Kirchenmitglieder und der Rückgang der Kirchensteuereinnahmen gehe nicht spurlos an den 809 rheinischen Gemeinden vorbei, räumte der Präses ein. Doch schmerzhafte Veränderungen dürften den Blick auf bemerkenswert positive Entwicklungen nicht verstellen: „Viel mehr Menschen treten wieder in die Kirche ein."

Ermutigend sei auch die Entwicklung beim Gottesdienstbesuch. Schneider: „Sonn- wie feiertags zieht es wieder mehr Menschen in die Gottesdienste.“ Das sei eine gute Basis für eine zukunftsfähige Kirche, die mutig und mit Freude von Gottes Liebe reden mache.

Jüngste kirchliche Statistik

Dabei bezog sich der Präses auf die jetzt vorgelegte Jahresstatistik 2004. Sie belegt:  Wieder deutlich mehr Menschen besuchen sonn- und feiertags die Gottesdienste. Besonders deutlich die Zahlen von Heiligabend: Während vor dreißig Jahren nur 17 Prozent zur Kirche gingen, waren es voriges Jahr 27 Prozent.

Auch die Konfirmation ist im Leben der evangelischen Familien weiterhin fest verwurzelt. Schließlich zeigt die Statistik: Voriges Jahr wurden rund 30.000 Mädchen und Jungen konfirmiert. Und das entspricht ungefähr der Zahl der Taufen im Jahr 1990, also dem Geburtsjahr der meisten jetzt Konfirmierten.

Die Zahl der Austritte ist weiter hoch, vor allem wesentlich höher als die der Eintritte. Aber: Die Zahl der Austritte sank im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel. Und die Zahl der Eintritte stieg um fast ein Fünftel.

 

 

Kirchenmusik wirbt und bindet: Die nächste Landessynode hat die Kirchenmusik als Schwerpunktthema. Kirchenmusik wirbt und bindet: Die nächste Landessynode hat die Kirchenmusik als Schwerpunktthema.

Kirchenmusik: Das Niveau hoch halten

Musik öffnet Türen auch für Kirchenferne. Das unterstrich Petra Bosse-Huber, Vizepräses der rheinischen Kirche, beim Jahrespresseabend. „In ihrem werbenden und bindenden Charakter ist die Kirchenmusik nicht zu unterschätzen. Darin dient sie auch dem Gemeindeaufbau“, so die Vizepräses. Gerade deshalb sei es wichtig, die kirchenmusikalische Arbeit im Rheinland zu sichern. Qualität ja, allerdings sei ein mengenmäßiger Rückgang unvermeidlich.

Bosse-Huber, als Abteilungsleiterin im Landeskirchenamt für die Kirchenmusik zuständig, stellte das Positionspapier zum gegenwärtigen Stand und den zukünftigen Aufgaben der Kirchenmusik vor, mit dem sich die Landessynode im Januar beschäftigen wird. Die zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen hätten dazu geführt, dass in den vergangenen fünf Jahren rund 30 Prozent der hauptberuflichen Stellen in der Kirchenmusik abgebaut wurden, berichtete Bosse-Huber.

 Qualität der Kirchenmusik sichern: Vizepräses Petra Bosse-Huber.

 

Zurzeit gibt es in der EKiR 241 berufliche Kirchenmusikerinnen und -musiker. Vor fünf Jahren waren es noch hundert mehr. Das Positionspapier zeigt Beispiele auf, wie die niveauvolle Arbeit bei allem Finanzdruck auch in Zukunft geleistet werden kann. Nur ein Beispiel: Eine Gemeinde arbeitet mit der örtlichen Musikschule zusammen und refinanziert so einen Teil ihrer Kirchenmusik-Stelle.

 

 

Die rheinische Kirche verzeichnet sinkende Einnahmen. Die rheinische Kirche verzeichnet sinkende Einnahmen.

Kirchensteuereinnahmen bleiben in der Talsohle

Schlechte Arbeitsmarktsituation und Stellenabbau, fehlendes Wirtschaftswachstum und Steuerreformen, demografisch bedingter Rückgang an Mitgliedern: Das sind schon lange die Gründe für die zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen. Deshalb bleiben die Kirchensteuereinnahmen in der rheinischen Kirche in der Talsohle. Konkreter: Die Kirchensteuerprognosen für die Jahre 2005 und 2006 sind negativ. Die Schätzung für das Jahr 2005, vorgenommen im Herbst 2004, betrug 483,3 Millionen Euro. Das wären 16,4 Millionen Euro weniger als das Einnahmen-Volumen im Jahr 2004 gewesen.

Nur: Diesmal kam es anders. 2005 blieben die Kirchensteuereinnahmen stabil. Oberkirchenrat Georg Immel, Leiter der Abteilung VI für Finanzen und Diakonie: „Das ist allerdings nicht auf eine Stabilisierung des Steueraufkommens zurückzuführen.“ Ausschlaggebend seien vielmehr Rückzahlungen aus anderen Landeskirchen gewesen.

Genauer: Im so genannten Kirchensteuerverrechnungsverfahren erhielt die rheinische Kirche außerordentliche Einnahmen von 23 Millionen Euro. Ein solcher Zugewinn ist „nicht von Dauer“, betonte Immel. Im Kirchensteuerverrechnungsverfahren für das Jahr 2002 kämen auf die rheinische Kirche wahrscheinlich Zahlungsverpflichtungen zu. Die Schätzung von rund 500 Millionen Euro für das Jahr 2006 sei „äußerst optimistisch“, so der Finanzdezernent.

Von diesen Gesamteinnahmen gehen nur etwas mehr als zehn Prozent an die Landeskirche. Genauer: Die Umlage der Gemeinden – bei ihnen liegt ja die Kirchensteuerhoheit – beträgt 10,25 Prozent. Im Jahr 2005 entspricht das einer Summe von 49,5 Millionen Euro.

Zwei Landessynoden im Jahr 2006

Schon längst hat die Landessynode weitere einschneidende Sparmaßnahmen ab dem Jahr 2006 geplant. In den Jahren 2006 bis 2012 sollen im landeskirchlichen Haushalt 20 Prozent eingespart werden. Diese Einsparungen sollen mit geänderten Prioritäten erreicht werden. Sie werden zurzeit diskutiert. Die Entscheidung hat sich die Landessynode für eine außerordentliche Tagung am 8./9. Juni 2006 in Bad Neuenahr vorbehalten.

Seit Jahresbeginn bereitet ein Strukturausschuss die Entscheidung vor. In enger Abstimmung mit den Abteilungen im Landeskirchenamt und den landeskirchlichen Einrichtungen sammle und bewerte der Ausschuss Veränderungsvorschläge, berichtete Vizepräsident Christian Drägert. Der leitende Jurist der rheinischen Kirche erklärte, er sei "sehr zuversichtlich", dass das Sparziel erreicht werde.

 

 

neu/jpi/es / 06.12.2005

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 2. Dezember 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 14. Dezember 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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