Pfarrerinnen

Hannelore Häusler: Heirat beendete zunächst die Karriere

Die Superintendentin Pfarrerin i. R. Hannelore Häusler schaut auf ein erfülltes Berufsleben zurück. Eigentlich war es ihr nicht in die Wiege gelegt, Pfarrerin und sogar Superintendentin zu werden.

Es öffnen sich Türen, die man selber vorher gar nicht gesehen hat: Hannelore Häusler, einstige Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Süd. Es öffnen sich Türen, die man selber vorher gar nicht gesehen hat: Hannelore Häusler, einstige Superintendentin des Kirchenkreises Köln-Süd.

Sie stammt aus einer Beamtenfamilie und begann 1956 mit dem Theologiestudium. Zu dieser Zeit war das Vikarinnengesetz fünf Jahre alt und bestand noch in seiner Urform. Vier Wochen vor dem Ersten Theologischen Examen heiratete die Studentin, damit war rein formal ihre Karriere als Theologin beendet und aufs Ehrenamt beschränkt.

Weiter erzählt die 70-Jährige: „Ich wollte meine Ausbildung beenden, das heißt Vikariat machen." Der damalige Superintendent in Mülheim habe ihr das ermöglicht. Sie habe durch das Synodalvikariat viel mehr Erfahrungen sammeln können als im Gemeindevikariat. „Aus Nichts ist was geworden. Dieser rote Faden zieht sich durch mein Berufsleben“, sagt die Ruheständlerin im Rückblick.

1975 sofort zugegriffen

Mit Hartnäckigkeit und Unterstützung schaffte sie es, als Lehrerin in einem kirchlichen Gymnasium in Niedersachsen zu arbeiten. 1968 wurde ihr Mann nach Bonn versetzt und sie fragte wieder vergeblich beim Landeskirchenamt wegen einer Stelle nach. Der damalige Leverkusener Schulreferent suchte händeringend eine ausgebildete Theologin für die Berufsbildenden Schulen und fand sie in Hannelore Häusler.

Doch als sich ihr 1975 die Möglichkeit bot, in die Gemeinde zu gehen, griff sie sofort zu. „Mein Wunsch war immer, in die Gemeinde zu gehen. Für mich als Pfarrerin gab es keine Vorbilder, mich reizte dieses weite, unbeackerte Feld“, beschreibt Häusler ihre damalige Situation.

In der Gemeinde akzeptiert

Sie habe im Dialog mit Kollegen ihre eigenen Vorstellungen einer Pfarrerin entwickeln können. Ihr Gottesbegriff sei nicht männlich geprägt. Nach ihrer Einschätzung wird die Feministische Theologie dort Bestand haben, wo sie Frauen in der Bibel ins Blickfeld nimmt.

Ablehnung als Pfarrerin durch Kollegen habe sie nie erfahren, sagt Hannelore Häusler. Allerdings: Als sie in die Gemeindepfarrstelle in Brüggen/Erft gewählt wurde, trat ein Presbyter aus diesem Grund aus der Kirche aus. Doch im Laufe der Zeit habe sie viel Akzeptanz in der Gemeinde erfahren. Dort hat sie nie einen Titel beansprucht: „Im Raum Kirche war ich bekannt. Wenn man in vorderster Front gestanden hat wie ich, da wussten die Männer, wer ich bin.“

Beim Dom-Jubiläum im Kreis der Kollegen im Talar

Als Superintendentin im katholischen Köln war es manchmal schwierig, berichtet die Theologin. Doch Kollegialität half. Bei der 800-Jahr-Feier des Kölner Domes waren alle Geistlichen im Talar eingeladen, auch die Theologin. In aller Selbstverständlichkeit saß sie im Kreis der Kollegen im Chorgestühl. Die drei Superintendenten wären ohne sie der Einladung auch nicht gefolgt.

Auch jetzt im Ruhestand ist sie in verschiedenen landeskirchlichen Gremien und in Kölner Kirchen ehrenamtlich aktiv. Den jungen Theologinnen, deren Berufsaussichten nicht rosig sind, gibt Hannelore Häusler den Rat: „Auf keinen Fall aufgeben, auch wenn es noch so aussichtslos ist. Es öffnen sich Türen, die man selber vorher gar nicht gesehen hat.“

 

 

 

reh /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 28. Dezember 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 28. Dezember 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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