Pfarrerinnen

Kerstin Janott: Entschieden für ihre Leidenschaft, die Theologie

Als Kind wollte Kerstin Janott Missionarin werden und armen Kindern helfen. „Mich interessierte der Glaube schon immer“, erklärt die junge Frau.

Vikarin in Bonn, in Zukunft hoffentlich Pfarrerin: Kerstin Janott. Vikarin in Bonn, in Zukunft hoffentlich Pfarrerin: Kerstin Janott.

Aufgewachsen in einem hessischen Dorf zwischen Brüdergemeine, Landeskirchlicher Gemeinschaft und evangelischer Kirche ist die 30-Jährige mittlerweile Vikarin. Engagiert arbeitete sie in der Jugendarbeit der landeskirchlichen Gemeinschaft mit, die stark verwoben war mit der Evangelischen Kirchengemeinde.

Nach dem Abitur fiel Kerstin Janotts Berufswahl zunächst auf etwas Handfestes, eine Banklehre. Nach dem Abschluss war ihr klar: Auch in dem Bereich kann man nur mit einem Studium weiterkommen. Dann entschied sie sich für ihre Leidenschaft, die Theologie. Sie sagt es am Beispiel einer Lehrveranstaltung zum Alten Testament: „Als ich im AT-Proseminar saß, hätte ich fast geheult, es war so toll.“

Pietistisch geprägter Glaube

Dass ihr pietistisch geformter Glaube sich durch das Studium ändern würde, wusste sie schon. Sie wusste aber auch, dass in der Gemeinde jeden Mittwochabend für „die Studierenden“ gebetet wurde. Für die junge Theologin gab es keine weiblichen Vorbilder, denn in der landeskirchlichen Gemeinschaft gab es keine Frauen im Predigtamt. Das Weib schweige in der Gemeinde.

Sie erinnert sich: „Kurzzeitig war eine Pfarrerin auf der Stelle, da gingen einige Leute extra deshalb nicht in den Gottesdienst.“
Zum Studienbeginn in Marburg wurde sie mit Feministischer Theologie konfrontiert, der Zugang fiel ihr schwer. „Durch mein Aufwachsen ist Gott der Herr.“ Für sie ist „Herr“ nicht ein primär männliches Prädikat, sondern drückt den Herrschaftsanspruch Gottes über die Menschen aus. Mittlerweile spürt sie, wo Menschen Probleme mit dem patriarchalen Gottesbild haben und versucht auch weibliche Anteile in Gebeten zu formulieren.

Im Team Gemeinde bilden

Kerstin Janott hat kein spezielles Pfarrerinnenbild, eher ein Bild vom Pfarramt: Sie sieht sich als Kontaktperson für unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und will im Team Gemeinde bilden. Vor allem kann sie sich nicht in einem Theologinnenbild wieder finden, in dem Frauen generell emotionaler sind als Männer. Der Unterschied sei eher im persönlichen Bereich. Aus ihrem Umfeld weiß sie: „Eine Pfarrerin mit Kindern hat es meist schwerer als ein Pfarrer, der häufig eine Pfarrfrau im Hintergrund hat.“

In der Bonner Trinitatiskirchengemeinde spürt sie keinen Unterschied im Umgang mit Pfarrerinnen und Pfarrer. Da sie aus Hessen-Nassau kommt, ist ihre Perspektive nach dem zweiten Examen zunächst die Arbeitslosigkeit, bis sie an einem Auswahlverfahren der hessen-nassauischen Landeskirche teilnehmen kann. Und so hofft sie, als Pfarrerin arbeiten zu können, wenigstens mit einer halben Stelle.

 

 

 

reh /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 28. Dezember 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 28. Dezember 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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