Weihnachten

Wege nach Weihnachten

Pfarrer Karl-Heinz Iffland ist Gemeindepfarrer der Kirchengemeinde Ehrenfeld und Diplom-Psychologe sowie Ev. Obdachlosenseelsorger in Köln. Und auf die Fußball-WM im nächsten Jahr freut er sich besonders.

Der Stern weist den Weg zum Weihnachtsgeschehen. Der Stern weist den Weg zum Weihnachtsgeschehen.

Denn er ist der landeskirchliche Beauftragte für den Spielort Köln. „Die Spielpaarungen in Köln versprechen tolle Spiele“, so Iffland nach der Auslosung. „Und auf die afrikanischen Mannschaften und ihre Fans sind wir Rheinländer ganz gespannt. Wir werden alles unternehmen, um gute Gastgeber zu sein.“

„Viele Wege führen nach Rom“, sagen wir. Und nach Weihnachten?

Am Anfang aller Wege steht der Aufbruch. Für viele Menschen, die sich alle Jahre wieder nach Weihnachten aufmachen, ist die Zeit des Aufbruchs, die Adventszeit, durch Hektik und Stress geprägt Am Ziel, an Weihnachten, soll doch alles schön sein. Alle Jahre wieder aber vergessen Menschen auf diesem Weg, sich für den Weg vorzubereiten und sich mit dem Ziel auseinander zu setzen.

Um ans Ziel, nach Weihnachten zu gelangen, müssen wir unsere Weihnachtsinszenierungen jedes Jahr neu überprüfen. „Gefühle wie an Weihnachten“ – häufig verklärte Kindheitserinnerungen und unsere Versuche, die Rituale von einst zu wiederholen, führen uns vom Ziel weg. Auch die unreflektierte Übernahme von Bräuchen führt uns nicht ans Ziel.

Da muss vordergründig wie in jedem Jahr Stress und Hektik sein. Da müssen zahlreiche Geschenke gekauft werden, auch wenn sich die finanzielle Lage verändert hat. Da müssen Essensgewohnheiten eingehalten werden, auch wenn sie mit der gesundheitlichen Situation nicht mehr zusammenpassen. Wir laufen Gefahr, das Ziel zu verpassen und geraten außer Atem.

Zurücklassen und mitnehmen
 
Wir können auf dem Weg nach Weihnachten von den Hirten der Weihnachtsgeschichte des Lukas (Lukas 2,1-20) lernen. Sie brechen auf – und lassen zurück. Was können wir auf dem Weg nach Weihnachten zurücklassen, und was müssen wir mitnehmen? Was war in meiner Kindheit an Weihnachten schön? Was hat mich gestört? Was war und ist mir an Weihnachten wichtig? Was soll wirklich so sein wie früher, und was möchte ich verändern?

Die Hirten ziehen los – und haben ein deutliches Ziel vor Augen: „Die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.“
 
Was ist unser Weihnachtsziel? Was passt aus der Kinderzeit noch zu meinem heutigen Leben? Was passt zu meiner veränderten Rolle (Eltern geworden, Großeltern, getrennt)?

Die Hirten damals gelangen ans Ziel: „Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.“

"Bis Samstag!" - ein wohltuender Zuruf
 
Auch wir möchten ankommen. Für Viele ist der Gottesdienst an Heiligabend das Ziel – zur Ruhe kommen, beschenkt werden, gemeinsam feiern – Gottes Menschwerdung, die Erdung des Himmels spüren. Ich freue mich jedes Jahr über die vielen Gottesdienstbesucherinnen und –besucher. Und als eine heute 20-jährige ehemalige Konfirmandin mir vor einigen Tagen an der Kasse eines großen Kölner Kaufhauses zurief: „Bis Samstag !“ – ich sehe sie sonst sehr selten – empfand ich dieses „Bis Samstag!“ als einen wohltuenden Zuruf auf einem gemeinsamen Weg, dem Weg nach Weihnachten.
 
Und wenn Willi N. beim weihnachtlichen Mittagessen im LObby-REstaurant des KALZ e.V., dem etwas anderen Restaurant für Berber und Banker, mitten in der Innenstadt von Köln, sagt: „Ich fühle mich hier wohl. Das Essen schmeckt. Der einzige Ort, an dem es keinen stört, dass du stinkst.“

Und wenn er dann alle drei Strophen von „O du fröhliche“ ohne Textblatt mitsingt, sich über das kleine Geschenk mit Tabak und Wärmendem freut, dann bin ich auch mit ihm auf dem Weg nach Weihnachten. Gott ist in diesem Kind Jesus Mensch geworden. Er gibt damit jedem Menschen ein Gesicht und eine unverwechselbare Würde. Das ist das Ziel von Weihnachten.

„Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.“
 
Beim Zieldurchlauf

Wer am Ziel angelangt ist, der darf sich freuen, der wird sich freuen. Die Bilder von Sporttreibenden beim Zieldurchlauf sprechen für sich. Und die Rückkehr in den Alltag gehört auch dazu.

Und die Veränderung, die das Erreichen eines Ziels bewirkt.
 
Die Hirten können nichts Anderes tun als Gott zu preisen und zu loben.

Fröhlich feiern

Auch Fußballfans können nichts Anderes als den Sieg ihrer Mannschaft zu bejubeln und zu feiern.
Und die, die ans Weihnachtsziel gelangt sind? Die dürfen und sollen fröhlich feiern.
 
Und auch das können wir von den Hirten und den vielen fairen Fans lernen – sie bekennen sich laut und vernehmlich – zu der Erfahrung mit Gott, zu ihrem Verein.
 
Und dazu, zu solchem Bekennen, zum Bekennen unseres Glaubens, möchten Sie Weihnachten und ich einladen.

 

 

 

23.12.2005

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 22. Dezember 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 23. Dezember 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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