Landeskirchenamt

"Wir reden über Liturgie und Konzeption, Personal- und Finanzfragen"

Die Architektin Gudrun Gotthardt, Leiterin der Zentralen Liegenschaftsverwaltung, ist von der Kirchenleitung zum 1. Dezember zur stellvertretenden Leiterin der Abteilung VI „Finanzen, Liegenschaften; Diakonie“ berufen worden: ein ekir.de-Interview

Die Abteilung VI hat zum 1. Dezember eine neue stellvertretende Abteilungsleiterin bekommen. Welche Aufgaben haben Sie damit übernommen?
Ich trete die Nachfolge von Herr Gutheil an, aber nur in formaler Hinsicht. Inhaltlich habe ich weiterhin das Gebiet des Bauens und der Liegenschaften zu betreuen. Die inhaltlichen Aufgaben von Herrn Gutheil werden in Zukunft andere übernehmen. Ich bin seit 1. Dezember stimmberechtigtes Mitglied im Kollegium. Außerdem werde jetzt das erste Mal an der Landessynode teilnehmen. Eine weitere neue Aufgabe wird für mich sein, Kirchenkreise zu begleiten – über die Bauberatung hinaus.

Was ist das praktisch?
Im Unterschied zum jetzigen Vorgehen ist in Zukunft nicht mehr ein theologischer und ein juristischer Dezernent je Kirchenkreis zuständig, um die Kirchenkreisangelegenheiten zu begleiten, sondern es soll immer einen Ansprechpartner hier im Landeskirchenamt geben. Das werden die Abteilungsleiter und die stellvertretenden Abteilungsleiter sein. Jeder wird etwa vier Kirchenkreise betreuen.

Das heißt, da sind Sie nicht als Architektin gefragt...
... genau! Da ist die Architektin überhaupt gar nicht gefragt, sondern ein Ansprechpartner im Landeskirchenamt. Natürlich wird man nicht alle Probleme, wenn sie theologisch oder juristisch sein sollten, selbst lösen können. Es geht dann darum, den richtigen Ansprechpartner hier im Haus zu vermitteln, Kontakte herzustellen.

Sie haben es eben gesagt, da verändert sich was, die Fachlichkeiten dehnen sich aus, nicht nur Juristen und Theologen sind am Zug. Was bringen Sie ein?
Ich komme ja ursprünglich aus dem Bereich der Bauberatung und ich denke: Das ist ein guter Einstieg auch in andere Themenbereiche. Immer, wenn man über Gebäude spricht, muss man auch über die Inhalte sprechen. Wenn wir über Umgestaltung von Kirchen sprechen, sprechen wir auch über Liturgie. Wenn Gemeinden mit mir darüber diskutieren, mit welchen Gebäuden sie in Zukunft weiter arbeiten können, geht es nicht ohne Gespräche über Gemeindekonzeption, über Personal- und über Finanzfragen. Insofern habe ich eine gute Basis bei diesen Themen. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich darüber hinaus Bereiche, mit denen ich mich in Zukunft beschäftigen muss, die ich noch nicht so gut kenne, wo ich mich werde einarbeiten müssen. Darauf bin ich sehr neugierig und freue mich auf die neuen Fachgebiete.

Bleiben wir noch mal beim Bauen: Kann man formulieren, welche Bedeutung das Thema Bauen für Gemeinden hat?
Ich finde: eine zunehmend immer größere. Wir haben in unserer Landeskirche circa 6.800 Gebäude, das ist eine sehr große Zahl und ein sehr großer materieller Schatz. In den Gemeinden wird dieser Schatz mit sehr viel ehrenamtlichem Engagement betreut. Allerdings fällt mir zunehmend auf, dass die Ehrenamtlichen, also im Wesentlichen die Baukirchmeisterinnen und Baukirchmeister, häufig zeitlich und fachlich an ihre Grenzen stoßen. Gerade in Zeiten knapper werdender Kassen, merken wir, ist der Beratungsbedarf tendenziell eher steigend. Die Menschen sind zusehends verunsichert, ob sie möglicherweise Geld für falsche Dinge ausgeben. Da müssen wir unterstützen. Deshalb qualifizieren wir Baukirchmeister, um professioneller zu werden. Wir haben in diesem Jahr erstmals eine Fachtagung für Baukirchmeister organisiert. Das werden wir fortsetzen. Mein Traum in dieser Richtung wäre, noch professioneller zu werden, indem man die Kirchenkreise mittelfristig davon überzeugt, dass wir auf dezentraler Ebene mehr Fachlichkeit brauchen. Architektenstellen sind auf Kirchenkreis-Ebene die absolute Ausnahme geworden. Ich fände es sehr hilfreich, wenn unterstützend zu unserer Bauberatung und vernetzt mit uns Fachleute vor Ort wären, die die Kirchengemeinden viel enger betreuen und bei ihrer Arbeit unterstützen könnten. Ich glaube nicht nur, dass das sinnvoll wäre, sondern letzten Endes sogar wirtschaftlich. Schließlich wird sehr viel Geld für Honorare von freien Architekten ausgegeben, das sehen wir ja an den Genehmigungen der Architektenverträge. Und ich denke, es wird auch an vielen Stellen mit für die kirchlichen Spezialthemen nicht so geeigneten Architekten und Ingenieuren zusammen gearbeitet, und dann passieren oftmals Dinge, die für die Gebäude eher schädlich sind und letzen Endes höhere Kosten verursachen. Es ist ja immer schwierig, zusätzliche Stellen einrichten zu wollen, aber ich glaube, dass man Kirchenkreise nach einiger Überzeugungsarbeit dazu bewegen könnte.

 

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 15. Dezember 2008. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 15. Dezember 2008. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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