25 Jahre Aids

Gemeinsamer Kampf von Kirche und Wirtschaft

Wenn Pfarrerin Kornelia Schauf beim Trauerbesuch in ihrer Gemeinde Midrand zwischen Johannesburg und Pretoria nach der Todesursache des Verstorbenen fragt, dann bekommt sie meist eine lapidare Antwort: „Er war sehr krank.“

Pastor Imms Mberira (links) bereitet im kirchlichen Gesundheitszentrum von Otjiwarongo einen Aidstest vor. LupePastor Imms Mberira (links) bereitet im kirchlichen Gesundheitszentrum von Otjiwarongo einen Aidstest vor.

Im Klartext heißt das: Der Mensch ist an den Folgen von Aids gestorben. „Beerdigungen finden hier traditionell samstags statt“, sagt die rerformierte lippische Pfarrerin, die seit fünf Jahren in der lutherischen südafrikanischen Gemeinde Dienst tut. „Inzwischen gibt es keinen Samstag mehr ohne Bestattung. Manchmal tue ich samstags nichts anderes als Leute zu beerdigen.“ Und fast immer ist die durch das HIV-Virus ausgelöste Immunschwächekrankheit die Todesursache – aber darüber zu reden, ist noch immer ein Tabu in den traditionellen Gesellschaften im südlichen Afrika.

 

 

Hinter jeder Testnummer verbirgt sich ein Mensch: Das Buch, in das die Testergebnisse eingetragen werden, erzählt Schicksale. LupeHinter jeder Testnummer verbirgt sich ein Mensch: Das Buch, in das die Testergebnisse eingetragen werden, erzählt Schicksale.

Ein europäischer Diplomat, der ohne Zustimmung seines heimatlichen Außenministeriums nicht namentlich zitiert werden darf, hält nichts von vornehmer Zurückhaltung: „25 Jahre, nachdem Aids offiziell ausgebrochen ist, hat hier in Afrika das große Sterben begonnen." Die Infektionsraten sprechen eine deutliche Sprache: Jede vierte Frau, die zur Schwangerschaftsvorsorge in ein Krankenhaus geht, ist HIV-positiv, und in der südafrikanischen Armee ist ein Viertel der Rekruten infiziert. „Es muss also dringend etwas im Kampf gegen HIV und Aids getan werden“, so der Diplomat.

Tochterfirmen aus NRW

Dass inzwischen manches im Kampf gegen die Krankheit getan wird, liegt auch an den drei nordrhein-westfälischen Landeskirchen: Gemeinsam mit Partnern im südlichen Afrika haben sie die Initiative „Kirche und Wirtschaft gegen HIV & Aids“ ins Leben gerufen. Das im Jahr 2003 begonnene Programm aus Beratung, freiwilligem Test und Hilfsangeboten ist u.a. anderem in den südafrikanischen Werken des sauerländischen Strumpfherstellers Falke und bei der Tochter der Deutschen Bergbau Technik (DBT) nahe Johannesburg, die zum Essener Ruhrkohle-Konzern gehört, mit Erfolg in Gang gesetzt worden.

Landeskirchenrätin Elke Wieja, die in der rheinischen Kirche für das Projekt zuständig ist, sieht nicht nur in diesen beiden Beispielen gute Gründe, „Kirche und Wirtschaft gegen HIV & Aids“ nun aus der Pilotphase hinauszuführen: „Der Ansatz hat sich bewährt und unsere afrikanischen Partnerorganisationen und -kirchen leisten gute Arbeit.“ Dies müsse man nun „verstetigen“.

In Namibia vor allem im Tourismus und in der Landwirtschaft

Auch in Südafrikas Nachbarland Namibia ist das Projekt der NRW-Landeskirchen inzwischen beheimatet. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in der Republik Namibia (ELCRN) trägt das Aids-Programm. Hier allerdings richtet es sich hauptsächlich an die Tourismusindustrie und landwirtschaftliche Betriebe, da es kaum produzierendes Gewerbe gibt. So hat zum Beispiel das staatliche Resort Okaukuejo, eine Oase für Touristinnen und Touristen im Etosha-Nationalpark, seine 80 Mitarbeitenden zu Test und Training eingeladen. 50 von ihnen haben sich testen lassen.

Eine zweite „Runde“ würde Pastor Imms Mberira von der ELCRN dort gerne organisieren, doch nun hat sich die Regierung quergestellt: HIV-Tests dürfen nur noch in Gesundheitszentren gemacht werden. Das nächstgelegene ist in Otjiwarongo – 170 Kilometer weit entfernt. „Das schwächt unsere Arbeit natürlich“, sagt Pastor Mberira, der das kirchliche Gesundheitszentrum leitet. „Es wäre doch effektiver, den Test zu den Menschen zu bringen, denn eine solch weite Fahrt kann sich kaum jemand leisten.“

 

 

 

Jens Peter Iven /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 1. Dezember 2006. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 1. Dezember 2006. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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