Kirchliche Hochschule Wuppertal

Ehrendoktorwürde für Ilse Härter

Die Theologin Ilse Härter ist mit der Ehrendoktorwürde der Kirchlichen Hochschule (KiHo) Wuppertal ausgezeichnet worden. "Ihr Weg hat viele Frauen ermutigt", sagte Professor Dr. Johannes von Lüpke von der KiHo, der die Urkunde überreichte.

Festakt zur Verleihung der Ehrendoktorwürde in der Kirchlichen Hochschule Wuppertal: Ilse Härter erhielt die Urkunde aus den Händen von Prof. Johannes von Lüpke. LupeFestakt zur Verleihung der Ehrendoktorwürde in der Kirchlichen Hochschule Wuppertal: Ilse Härter erhielt die Urkunde aus den Händen von Prof. Johannes von Lüpke.

Der Grund der Auszeichnung: Ilse Härters Engagement im Kirchenkampf und um den gleichberechtigten Zugang der Frauen ins Pfarramt sowie ihre wissenschaftliche Arbeit zu diesen beiden Themen seit ihrer Pensionierung.

 

 

Lange Kämpfe und Krämpfe: Dr. h.c. Ilse Härter. LupeLange Kämpfe und Krämpfe: Dr. h.c. Ilse Härter.

Sie werte die Ehrendoktorverleihung als "positives Zeichen für uns Frauen", sagte Ilse Härter bei dem Festakt in der KiHo. "Nach vielen Kämpfen und Krämpfen" habe sich doch einiges bewegen lassen. In ihrer eigenen Kirche, der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) habe die Gleichberechtigung der Frauen im Blick aufs Pfarramt allerdings "etwas reichlich lange gedauert".

Das räumte auch Vizepräses Petra Bosse-Huber ein. In ihrem Grußwort sprach sie von einem "unrühmlichen Teil der Geschichte der rheinischen Kirche". Dass heute den Frauen nicht nur der Weg ins Pfarramt, sondern auch in kirchenleitende Ämter geöffnet sei, "ist zum großen Teil Ihr Verdienst", so Bosse-Huber.

 

 

Emanzipatorischer Schritt: Dr. Christine Globig. LupeEmanzipatorischer Schritt: Dr. Christine Globig.

Die Berufswahl Pfarrerin sei bei Ilse Härter ein "unbedingt emanzipatorischer Schritt" gewesen, sagte Dr. Christine Globig in der Laudatio auf Dr. h.c. Ilse Härter. Ausführlich schilderte Globig, Dozentin für Feministische Theologie und theologische Frauenforschung an der KiHo, wie Härter sich nicht mit einer Einsegnung abspeisen ließ und auf der Ordination bestand.

Genüsslich zitierte Globig den "berühmten Satz", den Härter ihrem Mentor entgegen setzte: Er möge dem Presbyterium mitteilen, "dass ich bei meiner Einsegnung nicht anwesend sein würde". Indem eine "kleine Vikarin" so zu einem "großen Herrn" sprach, habe Härter "Unmögliches möglich gemacht", so Globig. 

Allerdings dauerte das Unmögliche noch eine ganze Weile: Erst 1943 wurde Ilse Härter dann ordiniert, vom späteren Bischof Kurt Scharf. So fand an Härters 31. Geburtstag die erste uneingeschränkte pfarramtliche Ordination von Frauen in der brandenburgischen Bekennenden Kirche (BK) statt.

Und dann habe Ilse Härter die Diskussion um die Rolle der Frauen "minutiös aufgearbeitet", berichtete Globig weiter. Härter habe außerdem einen wesentlichen Platz in der Forschung über die Bekennende Kirche.

Geboren am Niederrhein

1912 in Asperden am Niederrhein geboren, studierte Ilse Härter Theologie in Göttingen, Tübingen, Königsberg und Bonn. Die beiden theologischen Examina legte sie vor dem Prüfungsausschuss der BK ab, 1936 das erste, 1939 das zweite. Nicht folgenlos: Nach dem Himmler-Erlass 1937 war der BK jegliche Prüfungstätigkeit verboten. Dass sie es dennoch tat, kam irgendwie raus - und die junge Theologin wurde in die Gestapo-Zentrale zum Verhör vorgeladen. Und mit einem Prozess bedroht.

Härters berufliche Stationen führten sie nach Berlin-Wannsee und Fehrbellin, Württemberg und in die Mark Brandenburg. Nach Ende von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg arbeitete die Theologin als Schul- und Berufsschulpfarrerin in Leverkusen und Elberfeld. Ilse Härter ist seit 1972 pensioniert, lebt am Niederrhein.

Ich bin eine voll qualifizierte Theologin!" entgegnete sie 1941 Gestapo-Leuten, die die Pfarrerin bei ihrem Dienst in Fehrbellin beobachteten. Wie Ilse Härter weiter in einem im Frühjahr erscheinenden Buch über widerständige Protestantinnen und Protestanten aus dem Rheinland berichtet, kam die Antwort "einfach so aus mir heraus. Wenn die wüssten, dass ich völlig ,illegal' bin!"

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 31. Januar 2006. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 25. September 2007. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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