5. Jahrestag Tsunami

Erinnerung mit Kerzen und Gebeten

Mit einem zentralen Gottesdienst in Düsseldorf haben Angehörige der 552 deutschen Opfer des Tsunami vom 2. Weihnachtstag 2004 an die rund 230.000 Menschen erinnert, die bei der Flutkatastrophe vor fünf Jahren am Indischen Ozean ihr Leben verloren.

Tsunami-Gedenkgottesdienst in der Düsseldorfer Johanneskirche. Foto: epd-bild Tsunami-Gedenkgottesdienst in der Düsseldorfer Johanneskirche. Foto: epd-bild

Bei der Gedenkfeier in der Johanneskirche wurden Namen getöteter oder vermisster Deutscher verlesen und Kerzen zur Erinnerung entzündet. Die Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), die das Angehörigen-Begleitungsprojekt „hoffen bis zuletzt“ seit viereinhalb Jahren betreut, hatte zum Gottesdienst und einem Angehörigentreffen eingeladen.

Petra Bosse-Huber, Vizepräses der rheinischen Kirche, die den Gottesdienst leitete, brachte die Klage der Hinterbliebenen in ein Gebet vor Gott: „Wir legen vor Dich die Trauer und die Leere der Menschen, die seit dem Seebeben vor fünf Jahren ihre Liebsten vermissen. An den verwüsteten Küsten des Ozeans wächst neues Grün. Viele äußere Wunden sind vernarbt und geheilt. Das Leben setzt sich fort. Aber innere Verletzungen und Verluste schmerzen weiter.“

In seiner Predigt sagte der Leiter der rheinischen Notfallseelsorge, Landespfarrer Joachim Müller-Lange, mit Blick auf die rund 70 Angehörigen, die nach Düsseldorf gereist waren: „Trauer kann verblassen und vielleicht ganz in Dankbarkeit gewandelt sein. Die Erfahrung, selbst der Welle entronnen zu sein und überlebt zu haben, wird  Sie dauerhaft begleiten. Da können wir nur gemeinsam hoffen, dass die Erinnerungsspuren barmherziger mit Ihnen umgehen und weniger Leid mit hochgespült wird.“ Dazu sollten das Angehörigentreffen am Vortag und der Gottesdienst beitragen.

Pfarrer Müller-Lange erinnerte die Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes an die Bedeutung des Weihnachtstages: „Das ist das Ziel der Weihnachtsbotschaft, dass schließlich Jesus Christus selbst einziehen kann in unsere Herzen, dass er Raum bekommt in unserem Leben und unser Leben sich verwandeln darf. Und es ist sicher auch unser Wunsch, dass wir wieder froh werden können über unser Leben, wir uns mit unserer eigenen Biographie versöhnen können, auch wenn wir wissen: Das ist ein harter und steiniger Weg.“

Gegenüber ekir.de erklärt Vizepräses Petra Bosse-Huber zum 5. Jahrestag des Tsunamis: „Zunächst einmal gibt es die Tendenz, sich auf die Menschen zu konzentrieren, die einem nahe sind. In dieser Katastrophe sind das die Menschen unserer eigenen Nationalität. Zugleich dürfen wir aber nicht aus dem Blick verlieren, dass Angehörige in aller Welt an diesem Tag trauern.“

In den vom Tsunami betroffenen Ländern sind die Spuren der Verwüstung bis heute sichtbar. „An einem Tag wie Weihnachten fühlen wir uns mit christlichen Gemeinden auch in Thailand, Sri Lanka, Indonesien und anderen Ländern verbunden. Zugleich wissen wir, dass das Licht der Liebe Gottes auf alle Menschen scheint - viele betroffene Gebiete sind ja muslimisch geprägt - und beten für sie“. Sie halte es für sehr wichtig, dass Angehörige die Möglichkeit haben, gemeinsam ihren Trauerweg zu gehen und sich in der Verarbeitung des Verlustes zu unterstützen. Die Notfallseelsorge und der Verein „hoffen bis zuletzt“ hätten insofern unschätzbare Arbeit geleistet.

Der Gedenkgottesdienst zum fünften Jahrestag ist Bosse-Huber zufolge „eine wichtige Zäsur, die den Angehörigen ermöglicht, Rückschau zu halten und festzustellen, welche Wunden nur vernarbt sind und wo auch Heilung geschehen ist trotz eines völlig veränderten Lebens. Ich halte kontinuierliche und längerfristige Begleitung von Katastrophen- und Trauma-Opfern für sehr wünschenswert. Kirchliche Arbeit in der Notfallseelsorge, aber auch mit anderen Beratungsangeboten in Kirchenkreisen und Kirchengemeinden trägt dazu bei, Menschen durch die dunklen Täler des Lebens zu begleiten und damit Gottes Gegenwart spürbar zu machen.“

 

 

 

ekir.de / neu, jpi / 26.12.2009

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 25. Dezember 2009. Die letzte Aktualierung erfolgte am Samstag, 26. Dezember 2009. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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