Praktischer Leitfaden

Die »goldene Regel« gibt es für die Kirche nicht

Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern, die Dämmung alter Gebäude als beste Heizung und erfolgreiche Umweltbildung: In Kirchengemeinden lässt sich vieles für Energie und Umwelt realisieren. Ein Ratgeber hilft jetzt dabei.

Lupe

Umwelt schonen und Kosten sparen - diese Forderungen gelten nicht nur für Privathaushalte oder Firmen. Die "Energieagentur.NRW" hat einen praktischen Leitfaden zum "Energiesparen in Kirchengemeinden" herausgegeben. Der Ratgeber gibt auf 152 Seiten Tipps von A wie Abgasverlust bei Heizungen bis Z wie Zimmerfeuchtigkeit. Dabei hat Autor Christian Dahm generelle Regeln ebenso im Blick wie den "Sonderfall jeder Gemeinde": das Kirchengebäude.

Was die Energiekosten angeht sind die Kirchen durchaus eine respektable Größe. Auf 175 Millionen Euro schätzt die Energieagentur allein den jährlichen Verbrauch der rund 5.000 Kirchengemeinden in Nordrhein-Westfalen. Für die durchschnittliche Gemeinde sind das 35.000 Euro für Strom und Wärme - ein Posten mit einschneidenden Wirkungen nicht nur für die Umwelt.

Der Leitfaden zeigt immer wieder an Praxisbeispielen, was Gemeinden tun können, um durch niedrigeren CO2-Ausstoß das Klima zu schonen und die eigenen Kosten zu senken. So wird der Kirchenkreis Jülich in der Evangelischen Kirche im Rheinland angeführt, um die beflügelnde Wirkung von Konkurrenz aufzuzeigen.

Ein effizienter Mix für Gemeinden

Auf Anregung von Ehrenamtlichen forderte 2007 der Jülicher Superintendent die Gemeinden auf, ihren Energieverbrauch zu erfassen. Der Vergleich der Werte sei nicht allen gelegen gekommen, berichtet Hanns Bodewein vom Mitweltausschuss des Kirchenkreises. Doch viele Gemeinden hätten sofort Abhilfe versprochen. In einigen Gemeinden habe man Glühbirnen ausgetauscht, in anderen sogar Heizungsanlagen. In acht Gemeinden gebe es inzwischen Blockheizkraftwerke.

Bei den Möglichkeiten zur Senkung des Energieverbrauchs, setzt Autor Dahm auf einen inzwischen klassischen Mix aus Verhaltensänderungen, Schulungen und Investitionen für Dämmung sowie effizienteren Einsatz von Strom und Wärme. Da geht es um offene Fenster und defekte Türen, Umweltbildung im Kindergarten und die richtig eingestellten Elektrogeräte.

Um größere Summen handelt es sich zum Beispiel beim Austausch von Heizungsanlagen oder bei der Sanierung älterer Gebäude. Einige Gemeinden haben auch mit Solarenergie den Sprung vom Stromverbraucher zum Produzenten geschafft. Der Ratgeber zeigt zudem, welche Möglichkeiten der Förderungen es für welche Investitionen gibt.

Ethisch, ökologisch und wirtschaftlich

Seit Mitte 2009 gilt auch für Gebäude der Kirchengemeinden eine Energieausweis-Pflicht. Ausgenommen sind allerdings Kirchen und bestimmte andere denkmalgeschützte Gebäude. Für den Leitfaden wurde das Muster eines kompletten Ausweises erarbeitet.

Der Ratgeber betrachtet Energienutzung unter anderem unter ethischen, ökologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten. An einigen Stellen wird es eine Entscheidung der Gemeinde sein, welchen Punkten sie den Vorrang gibt. Denn selbstverständlich muss die vermeintlich wirtschaftlichste Energieversorgung nicht die ökologisch beste sein.

Bleibt der "Sonderfall" Kirchengebäude: "Eine »goldene Regel«, wie eine Kirche beheizt werden kann oder eine optimale Beleuchtungsanlage auszusehen hat, gibt es nicht", schreibt Christian Dahm, Mitarbeiter der Energieagentur und nebenberuflicher Kirchenmusiker. Für jede einzelne Kirche müsse die optimale Lösung gesucht werden. Die meisten Kirchen wurden ohne Heizungssysteme erbaut. Und so heißt es heute nach Antworten suchen, die der Orgel und dem Bauwerk, den Gästen des Gottesdienstes, der Kunst und dem gemeindlichen Geldbeutel gerecht werden.

Der Leitfaden hilft auch bei Kirchengebäuden, alles in den Blick zu bekommen. Wie in den anderen Kapiteln überzeugt die Publikation durch die Verbindung von Rechtsgrundlagen, technischen Möglichkeiten und praktischen Tipps.

Energiesparen in Kirchengemeinden
Ein praktischer Leitfaden
Herausgegeben von der EnergieAgentur.NRW
Autor Christian Dahm
oekom verlag, München 2009
ISBN 978-386581-135-6
Preis: 18,90 Euro

 

 

 

Ralf Thomas Müller / ekir.de / 09.12.2009

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 1. Dezember 2009. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 10. Dezember 2009. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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