Weihnachten

Nahost – einfach eine festgefahrene Lage

Sie arbeiten als Freiwillige in Nes Ammim – beim Gästeempfang, beim Servieren, beim Zimmerservice. Im Begleitprogramm lernen sie Israel und Palästina kennen. Drei Freiwillige aus Nes Ammim berichten.

Maya Scharfstein LupeMaya Scharfstein

„Ich wollte immer schon mal Israel kennen lernen“, sagt Maya Scharfstein. Und nun ist ihr dreimonatiger Freiwilligendienst in Nes Ammim genau die richtige Möglichkeit, in Israel und „trotzdem ein bisschen behütet“ zu sein. Die 22-Jährige genießt die organisierten Ausflüge und den Aufenthalt an einem kleinen, sicheren Ort. „Man ist nicht Einwohner, aber ein bisschen mehr als Tourist.“

Die junge Frau, die aus dem Sauerland stammt und in den Niederlanden studiert und deren Vater aus Israel kommt, ist damit groß geworden, dass in ihrer Familie sowohl Chanukka als auch Weihnachten gefeiert wird. „Ich habe schon immer beides mitbekommen.“

Sie ist zum ersten Mal in Israel, einem Land, in dem Soldatinnen und Soldaten zum Alltagsbild gehören. „Man gewöhnt sich daran unheimlich schnell. Das einzige ist, dass Menschen wirklich Waffen tragen“, sagt Maya Scharfstein. Gleichzeitig zeigt ihr die Präsenz der Militärs, dass für die Sicherheit gesorgt ist.

Gefragt nach ihrer Sicht auf den Nahostkonflikt, sagt sie: „Lösungsvorschläge sind schwierig, weil es einfach eine festgefahrene Situation ist.“

 

 

Christian Schnick LupeChristian Schnick

Christian Schnick ist 19, stammt aus Heiligenhaus in der Nähe Düsseldorfs und macht ein Jahr in Nes Ammim den „Anderen Dienst im Ausland“. Er trifft jüdische und arabische Angestellte von Nes Ammim – auch bei ihnen zuhause.  „Die benachbarte jüdische Siedlung sieht aus wie ein amerikanischer Vorort“, das benachbarte arabische Dorf „ist eher der Mittlere Osten, den man hier erwartet: bisschen dreckig, zugebaut, verwinkelte Gassen, teilweise Ziegen auf der Straße“.
 
Eine Lösung des Nahostkonflikts – so seine Befürchtung – wird auch die nächsten zehn bis zwanzig Jahre auf sich warten lassen. Damit aber die „Integration“ der beiden Bevölkerungsgruppen überhaupt irgendwann gelingen kann, müsse schon jetzt in den Schulen begonnen werden, „den Hass, der seit Generationen geschürt wird, abzustellen“, sagt Christian Schnick. Er stellt klar, dass es von ihm „natürlich vermessen“ wäre, eine Lösung des Konflikts zu benennen.

Sicherheitsfragen waren ein Thema vor seiner Abfahrt: „Von der Seite meiner Eltern: Sie waren eigentlich strikt dagegen, dass ich hierhin gehe. Aber sie haben gesagt, ich bin volljährig und kann machen, was ich will. Dementsprechend habe ich gesagt, dann nutze ich die Chance, solange es hier einigermaßen ruhig ist, und das ist es hier im Moment.“

Weihnachten verbringt er zusammen mit den anderen Volontärinnen und Volontären in Nes Ammim, wobei er in diesem Jahr die jüdischen Bräuche, insbesondere Chanukka miterleben und mit „Weihnachten ein Jahr aussetzen“ will.

 

 

Roman Barkow LupeRoman Barkow

Roman Barkow ist 20, stammt aus Hamburg und verbringt ebenfalls ein ganzes Jahr in Nes Ammim. „Die Kultur kennen lernen, mit Leuten zusammen wohnen auf engem Raum, das Wetter und auch das Interesse an der Kirche, an Religion – das ist die Motivation.“

Angesprochen auf den Nahostkonflikt, gehen auch seine Überlegungen in Richtung Erziehung und Bildung. „Eine Lösung für den Konflikt kann ich nicht formulieren, aber ich denke, das Problem liegt größtenteils in der Schule.“ Ausgebildet werde in zwei verschiedenen Sprachen, im Endeffekt fehle jegliche Integrationsarbeit in den Schulen. „Die Schulbücher sind einseitig geschrieben, das ist ein riesengroßes Problem.“

Weihnachten feiert Roman Barkow in Nes Ammim, nimmt dort am Gottesdienst teil.

 

eir.de / neu / 24.12.2009

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 24. Dezember 2009. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 23. Februar 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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