Kirchenmusik

Weil Pop zum Lebensgefühl gehört

Eine spezielle Ausbildung für Pop-Musik in der Kirche, die finanzielle Förderung der Pop-Musik in der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). Das waren Themen beim Symposium "Pop-Musik in der Kirche - was ist dran?" in Bonn

Beschwingter Auftakt: Die Gruppe Ruhama spielte zu Beginn der Bonner Tagung. Beschwingter Auftakt: Die Gruppe Ruhama spielte zu Beginn der Bonner Tagung.

 

Pop ruhig auch in der Kirche: Podiumsdiskussion während des Bonner Symposiums. Pop ruhig auch in der Kirche: Podiumsdiskussion während des Bonner Symposiums.

Der Star lockert sich, bindet noch mal die Schuhe und schreitet in die Arena. Die Kamera schwenkt über Massen von Publikum, Schnitt, zeigt den Star beim Händeschütteln, wiederholt Schwenks über das riesige Konzertpublikum. Der erste Song beginnt. „Große Gemeinde!“ Das sei der respektvolle Kommentar seines zweieinhalbjährigen Sohns zu den Aufnahmen von Herbert-Grönemeyers Konzerttournee „Mensch“ gewesen, berichtete Dr. Gotthard Fermor.

Der Sohn habe bereits eigene „erste Bühnenerfahrung“ – beim Krippenspiel in der Bonner Trinitatiskirche, erzählte Fermor launig. Mit dem Filmausschnitt startete der Theologe in sein Referat über „Religion und Pop-Musik“ bei dem Symposium „Pop-Musik in der Kirche“. Ein solches Popkonzert begleite die Menschen in ihrem Alltag, gebe den „Glauben an Tragendes“ zurück.

 

Regler mit dabei: Pop-Musik soll die Menschen allerdings auch nicht zudröhnen. Regler mit dabei: Pop-Musik soll die Menschen allerdings auch nicht zudröhnen.

„Der Geist Gottes befreit zum Leben – auch zu allem möglichem musikalischem Leben“, sagte Fermor, der über Religion und Pop-Musik seine Doktorarbeit geschrieben hat und als Pastor im Sonderdienst an der Evangelischen Akademie im Rheinland (Bonn) arbeitet.

Begonnen hatte der Tag mit Appetithappen der Kölner Band Ruhama. Und dann stellte sich ein Mann einem Interview, der sich selbst in „ungewöhnlicher Runde“ empfand: der aus dem Iran gebürtige Musiker und Musikproduzent Omid Pour Yousefi. Er berichtete vom heimlichen Musizieren in Kinderzeiten – im Iran, wo Popmusik verboten war. Dann die Übersiedlung nach Deutschland: „Das Erste, was ich damals gehört habe, war ,Modern Talking’, leider war auch damals Bohlen aktuell“, berichtete Yousefi – und die „ungewöhnliche Runde“ amüsierte sich.

Pop-Musik hat in der Kirche schon längst einen festen Platz. Damit sie aber auch richtig gut klingt, bietet die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche eine Pop-Musik-Ausbildung für nebenberufliche Kirchenmusikerinnnen und –musiker an. Diese so genannte C-Ausbildung – sie wird in diesem Jahr zehn Jahre alt – ist als Fernstudium organisiert, dauert eineinhalb Jahre und kostet die Teilnehmenden 990 Euro plus Kosten für Einzelunterricht. Vorgestellt wurde diese Ausbildung in der Reihe „Best Practice“.

Nötig sind beste Instrumente

Der hannoversche Kirchenmusikdirektor Wolfgang Teichmann stellte in einer weiteren „Best Practice“-Runde verschiedene Aspekte des Pop-Engagements der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers vor. Die Nachfrage nach Band-Workshops sei groß, berichtete Teichmann. Klassisch ausgebildete Kirchenmusiker hätten hier die Möglichkeit, Neues zu erproben – und das Neue nicht gleich vor der Gemeinde ausprobieren zu müssen. Teichmann warb für gute Keyboards, Schlagzeuge und andere Instrumente. „Sie wollen auch auf einer guten Orgel spielen.“

Güte – diese Forderung erhob auch der Remscheider Kantor Christoph Spengler. Er erläuterte die Aktivitäten zur Pop-Musik in der Evangelischen Johanneskirchengemeinde Remscheid – insbesondere zahlreiche Musical-Aufführungen. Sowohl gewohnte Kirchenmusik als auch Pop-Musik in der Kirche müssten eine „gute Pyramide“ bilden: mit guter „Spitze und breitem Unterbau“.

Nötig sind Profis für Pop

Allerdings: „Im Moment geht Pop-Musik immer noch für lau durch und das ärgert mich“, sagte in der abschließenden Podiumsdiskussion der hannoversche Kirchenmusikdirektor Teichmann. Der Rektor der Kirchenmusikhochschule Tübingen-Rottenburg, Ingo Bredenbach, sagte, heute seien keine Krummhornspezialisten mehr nötig, wohl aber Profis für Pop-Musik.

Wie schon der Theologe Fermor bezüglich des Grönemeyer-Konzerts, so betonte ähnlich der Kölner Pfarrer Gerold Vorländer: Die Lebenswirklichkeit der Menschen heute sei vielfach durch Pop-Musik geprägt und Kirche müsse das Lebensgefühl teilen und neu artikulieren. „Die Menschen sollen das Gefühl haben, hier sind wir richtig.“ Vizepräses Petra Bosse-Huber machte sich für eine große Breite in der Kirchenmusik stark. Schließlich sei ja das Evangelium „an alles Volk“ zu richten.

Text & Fotos: neu

 

02.02.2004

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 3. Februar 2004. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 12. Februar 2004. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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