Namibia

Freude über die Entschuldigung

Und da ist sie: Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul hat sich am Samstag für den Völkermord an den Herero und Nama vor 100 Jahren entschuldigt. "Ich bitte Sie im Sinne des gemeinsamen ,Vater unser' um Vergebung unserer Schuld."

Hochachtung: Samuel Maharero (1856-1923) führte den antikolonialen Widerstand an. Hochachtung: Samuel Maharero (1856-1923) führte den antikolonialen Widerstand an.

Das sagte die Ministerin bei der Gedenkfeier am Fuße des Waterbergs in Namibia. "Wir Deutsche bekennen uns zu unserer historisch-politischen, moralisch-ethischen Verantwortung und zu der Schuld, die Deutsche damals auf sich geladen haben", so die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

"Schönes, wichtiges Zeichen"

Als "sehr schönes, wichtiges Zeichen" wertet Oberkirchenrat Wilfried Neusel, Leiter der Ökumene-Abteilung im Landeskirchenamt der Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR), die Entschuldigung. "Ich freue mich sehr."

In ihrer Rede erklärte die Ministerin weiter, sie gedenke "mit Hochachtung" der Herero und Nama, die im Kampf gegen ihre deutschen Unterdrücker gestorben sind. Außerdem versprach sie erneut, Namibia bei den "Entwicklungsherausforderungen" zu unterstützen, "vor allem" bei der notwendigen Landreform.

Bezug auf Bischof Kameeta

Ausführlich zitierte die Ministerin in ihrer Rede auch den Bischof der rheinischen Partnerkirche, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia, Dr. Zephania Kameeta. In der Zeit der "gesichtslosen Globalisierung" müsse die Weltbevölkerung gleichermaßen an den Ressourcen beteiligt werden, nicht nur in wenigen Ländern, so Kameeta.

In diesem Sinne, so die Ministerin zum Abschluss ihrer Rede, gelte die gemeinsame Verpflichtung für eine gerechtere Welt, für bessere Lebensverhältnisse überall auf der Welt.

Oppositionskritik: "teurer Gefühlsausbruch"

Scharfe Kritik an der Entschuldigung der Ministerin kommt von Seiten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die Rede sei ein "teurer Gefühlsausbruch", so der entwicklungspolitische Sprecher von CDU und CSU, Christian Ruck. Weiter heißt es in Rucks Erklärung: "Juristisch unhaltbare Klagen in Milliardenhöhe sollte vor US-Gerichten keine überflüssige Munition geliefert werden."

Staatsräson tritt hinter das Gebet

Auf die Entschuldigung, die noch vor knapp einem Jahr der deutsche Außenminister rundheraus abgelehnt hat, hatte nicht zuletzt die EKiR schon lange gedrungen. Zur Abreise der Ministerin zu den Gedenkfeiern in Namibia hatte Oberkirchenrat Neusel "große Hoffnung" auf eine Entschuldigung gesetzt.

Nun also ist sie ausgesprochen. Aus Neusels Sicht ist auch Wieczorek-Zeuls Bezug auf das "gemeinsame ,Vater unser'" ein wichtiges Zeichen. Die Staatsräson trete hinter das gemeinsame Gebet. Schließlich verbinde die christliche Tradition Deutschland und Namibia. Für die Menschen in Nambia sei die Entschuldigung von hohem symbolischen Wert.

 

 

 

neu; Foto: Archiv- und Museumsstiftung Wuppertal / 16.08.2004

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 16. August 2004. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 24. August 2004. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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