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Integration: im Alltag gut zusammen leben

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind, sondern auch die Wertedebatte der Unionsparteien. Kürzlich das Stichwort Leitkultur, diese Woche der Begriff Patriotismus. Worum es eigentlich geht: Integration.

Petra Anna Siebert, freie Journalistin Petra Anna Siebert, freie Journalistin

So fordert Edmund Stoiber, dass Migrantinnen und Migranten Deutsch lernen sollen. Dem stimmen sicher alle zu. Denn dass Spracherwerb Integration fördert, bestreitet sowieso niemand . Eine weitere Forderung ist, dass sich die Einwanderer an die Gesetze halten müssen. Was für eine Aussage. Wer in der Bundesrepublik gegen Gesetze verstößt, wird bestraft. Das gilt schon immer für jede und jeden, egal, wo er oder sie herkommt.

Bleibt die Gleichberechtigung von Frauen, um die Edmund Stoiber in muslimischen Familien fürchtet. Seine Sicht, dass die Unterdrückung von Frauen und Mädchen eine speziell muslimische Eigenheit ist, scheint dabei allerdings reichlich einseitig.

Letztlich soll es der Eid auf die Verfassung bei der Einbürgerung bringen. Möge auf die Verfassung schwören, wer will, aber verlangen oder gar zwingen kann man niemanden dazu. Und mehr als fraglich bleibt, ob oder wie ein ritualisierter Eid zur Integration beitragen kann.

Bei der ganzen Diskussion fällt eines auf. Nämlich, dass Schwierigkeiten im Zusammenleben hauptsächlich den unwilligen Fremden angelastet werden. Aber Integration ist keine Einbahnstraße. Es ist das gute Recht der Menschen, die in Deutschland leben, darüber zu diskutieren, was sie von Migrantinnen und Migranten erwarten.

Aber die Menschen haben auch die Pflicht, darüber zu diskutieren, was sie zu einer gelungenen Integration beitragen können. Dabei ist auch Toleranz gefragt, wenn auch nicht Toleranz als Synonym für unkritischen Umgang miteinander, wie der Präses gerade gesagt hat. So verstanden brächte ein ehrlicher, offener und konstruktiver Dialog alle weiter.

Noch schöner wäre, wenn’s nicht nur beim Reden bleibt und sich die Menschen trauen, ihre Nachbarn als Bereicherung zu sehen und mit ihnen ihren Alltag zu leben. Angekommen sind wir, wenn Deutsche nicht über Grammatikfehler die Nase rümpfen, sondern die Mehrsprachigkeit junger Migrantinnen und Migranten anerkennen. Oder wenn zwei Frauen, die eine in Izmir, die andere in Bonn geboren, zusammen zur Geburtsparty einladen – einfach, weil sie sich mögen und in der selben Woche geboren sind.

 

 

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10.12.2004

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 9. Dezember 2004. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 9. Dezember 2004. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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