Flutkatastrophe in Thailand

Rheinischer Notfallseelsorger begleitet Überlebende auf Rückflug

Der Düsseldorfer Pfarrer Carsten Körber begleitete 125 Menschen auf dem Rückflug von Bangkok nach Düsseldorf. Von seinen Erfahrungen berichtete er kurz nach der Landung auf der Pressekonferenz auf dem Düsseldorfer Flughafen.

Airport-Seelsorgerin Antje Reichow und Norfallseelsorger Carsten Körber auf der Pressekonferenz LupeAirport-Seelsorgerin Antje Reichow und Norfallseelsorger Carsten Körber auf der Pressekonferenz

„Dramatische Schicksale habe ich erlebt“, sagt Körber, „Menschen wurden im Wortsinne aus heiterem Himmel von der Flutwelle auseinandergerissen.“ Zwanzig Passagiere in Körbers Maschine haben nahe Angehörige verloren oder vermissen sie. Um sie kümmerte sich der Seelsorger auf dem Rückflug besonders. Auf diesen Schicksalsschlag reagieren Menschen unterschiedlich, einige stehen noch so unter Schock, dass sie wie im Traum wirken. Je mehr sich der LTU-Flieger Deutschland näherte, um so mehr wurde den Heimkehrern die Wirklichkeit bewusst: Sie haben einen geliebten Menschen in Thailand zurückgelassen.

Eine möglichst umfassende Betreuung der Überlebenden ist wichtig. Deshalb flog Pfarrer Carsten Körber (44), zusammen mit einem Arzt und einem Rettungsassistenten auf der im Auftrag des Auswärtigen Amtes gecharterten Maschine nach Bangkok. Innerhalb von zwei Stunden fiel die Entscheidung, dass er mitfliegen würde. Sinnvoll wäre es gewesen, wenn  noch ein zweiter Seelsorger mitgeflogen wäre, aber der Flieger sollte möglichst viel Platz für Rückkehrer aus dem Krisengebiet haben. Nach zehn Stunden Hinflug hatte das Team aus Arzt, Sanitäter und Seelsorger vierzehn Stunden in Bangkok Zeit, den Rückflug vorzubereiten. Eine Frau konnte aus medizinischen Gründen nicht an Bord und wurde in ein Bangkoker Krankenhaus gebracht. Die Überlebenden – sie waren aus Phuket mit Bussen und Militärmaschinen nach Bangkok gebracht worden – waren von Strapazen gekennzeichnet. Einige waren schlecht ernährt und machten auf den Seelsorger einen apathischen Eindruck. Nach einer medizinischen Erstbetreuung hatte Körber die Gelegenheit, sich noch am Boden in Bangkok um die Heimkehrer zu kümmern. Neben Verzweiflung begegneten dem Seelsorger auch  Selbstvorwürfe und Wut. Dankbar wurde daher sein Seelsorgeangebot angenommen, berichtet der Pfarrer: „Wichtig ist, dass jemand da ist, der zuhört und menschliche Nähe zeigt.“

 

Ankunftstafel auf dem Düsseldorfer Flughafen mit Flügen aus Thailand LupeAnkunftstafel auf dem Düsseldorfer Flughafen mit Flügen aus Thailand

Im Bangkoker Flughafen traf Körber auch auf Menschen, die am Ort des Geschehens verharren wollen, um weiter nach Verwandten oder Freunden zu suchen. Es braucht Zeit, dass Unfassbare zu begreifen, denn „die Hoffnung stirbt zuletzt“, weiß Körber. Andere rheinische Notfallseelsorger werden dann auch für die Heimkehrer bereitstehen, die erst in einigen Tagen enttäuscht die Heimreise antreten.

Ob eine derartige Flugreise ein Seelsorger alleine nicht sowohl körperlich als auch seelisch überfordere, darauf antworte Körber: „Angestrengt war ich schon, aber überfordert nicht.“ Während Körber sich von seiner 34-stündigen Reise erholt, versehen seine Kolleginnen und Kollegen weiter ihren Dienst unter der Leitung der Düsseldorfer Airportseelsorgerin Antje Reichow und warten am Gate auf die nächste Maschine.

 

 

 

rei /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 30. Dezember 2004. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 30. Dezember 2004. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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