Jahrespressegespräch 2004

Vom sozialen Frieden bis zu offenen Kirchen

Gegen "Basta-Reformen" und für nötige, kurzfristige Korrekturen im Sinne des sozialen Friedens hat sich der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Nikolaus Schneider, beim Jahrespressegespräch eingesetzt.

Kultur des Aufwachsens, die Wissen, soziale Kompetenz und Toleranz fördert: Die rheinische Kirche macht sich für die Kinder stark. Kultur des Aufwachsens, die Wissen, soziale Kompetenz und Toleranz fördert: Die rheinische Kirche macht sich für die Kinder stark.

Schließlich dürften Reformen nicht bloß "der Untermauerung der Regierungsfähigkeit" dienen, erklärte der Präses in Düsseldorf vor Journalistinnen und Journalisten. Außerdem wandte Schneider sich gegen jegliche Tendenzen zu einer Umverteilung "von unten nach oben".

Vor dem Hintergrund der Diskussion um die Integration setzte sich der Präses für einen geregelten islamischen Religionsunterricht ein. "Geregelt" bedeute: festgelegter, staatlich kontrollierter Lehrplan und Unterricht durch an deutschen Universitäten ausgebildete Lehrkräfte. Außerdem müsse der Unterricht in deutscher Sprache erteilt werden. Ein solcher Unterricht, der das Wesen des eigenen Glaubens ebenso vermittle wie Kenntnisse über andere Religionen, sei ein "wichtiger Baustein zur Integration".

Im Blick auf die geplante Prioritätendiskussion 2005 über die landeskirchlichen Aufgaben und das Motto "Vom offenen Himmel erzählen" auf der kommenden Landessynode im Januar sprach sich der Präses für eine "missionarische Volkskirche" aus. Dieses Konzept trete den drei größten Problemen der "Volkskirche" entgegen: der Selbstsäkularisierung durch die Frage nach der Freude an Gott, der Selbstbanalisierung durch eine klarere Identität und dem fehlenden Kirchengefühl durch die Einladung zum Glauben in die Gemeinde.

Kindergärten in dramatischer Lage

Als dramatisch hat Oberkirchenrat Harald Bewersdorff die Lage bei den Kindergärten bezeichnet. Angesichts sinkender Kirchensteuereinnahmen drohe den evangelischen Trägern die Luft auszugehen. In Nordrhein-Westfalen tragen dem für Erziehung und Bildung zuständigen Oberkirchenrat zufolge die Träger bis zu zwanzig Prozent der Kosten der Kindertageseinrichtungen. Andere Träger dagegen  würden als arm eingestuft und komplett refinanziert. Der Eigenbetrag dürfe nicht über zehn Prozent liegen, forderte Bewersdorff.

Nötig sei eine "Kultur des Aufwachsens". Kindergärten, die Wissen, soziale Kompetenz und Toleranz fördern, seien ein Baustein dazu, so Bewersdorff. Die rheinischen Kirchengemeinden und andere evangelische Träger unterhalten im Gebiet der EKiR rund 55.000 Kindergartenplätze.

 

 

 

Jenseits der sonntäglichen Kollekten: Die rheinische Kirche rechnet mit sinkenden Kirchensteuereinnahmen. Jenseits der sonntäglichen Kollekten: Die rheinische Kirche rechnet mit sinkenden Kirchensteuereinnahmen.

Stichwort sinkende Kirchensteuern: Der für Finanzen zuständige Oberkirchenrat Georg Immel bekräftigte, dass die EKiR mittelfristig mit einem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen um mindestens ein Prozent pro Jahr rechnet. "Wir bleiben im Sinkflug." Die Gründe: fehlendes Wirtschaftswachstum und schlechte Arbeitsmarktsituation, demografisch bedingter Mitgliederrückgang und die Auswirkungen der Steuerreform.

Einen "Ausgleich" nach dem Völkermord für die Menschen im heutigen Namibia hat Oberkirchenrat Wilfried Neusel, Leiter der Abteilung Ökumene-Mission-Religionen, gefordert. Ein Ausgleich gehöre zur Versöhnung, erklärte er. Wie eine für die Herereo, Damara und Nama akzeptable Kompensation aussehen könnte, müsse in einem Dialog zwischen den Regierungen Deutschlands und Namibias geklärt werden.

 

 

Übergabe mit Vize-Präses Petra Bosse-Huber und Gemeindepfarrer Dietmar Pistorius: Das erste Signet Offene Kirche im Rheinland erhielt die Troisdorfer Stadtkirche. Übergabe mit Vize-Präses Petra Bosse-Huber und Gemeindepfarrer Dietmar Pistorius: Das erste Signet Offene Kirche im Rheinland erhielt die Troisdorfer Stadtkirche.

"Jede dieser Kirchen lädt zu etwas Besonderem ein", sagte Vize-Präses Petra Bosse-Huber über die Aktion Offene Kirchen, die an Pfingsten gestartet war. Seitdem erhielten 26 rheinische Kirchen das Signet Offene Kirche. Dieses Signet verbürgt, dass die entsprechende Kirche mindestens fünf Tage die Woche geöffnet ist. In der Kirche könne das "Heilige" die Menschen ergreifen, nicht nur während eines Gottesdienstes, erläuterte Bosse-Huber. ",Heiliges' geschieht immer dann, wenn wir etwas von Gottes Lebenskraft spüren können."

 

Beim Jahrespressegespräch fotografierte Sergej Lepke:

 Präses Nikolaus Schneider (r.) mit Pressesprecher Jens Peter Iven

 Vize-Präses Petra Bosse-Huber, Pressesprecher Jens Peter Iven und Vizepräsident Christian Drägert

 Oberkirchenrat Harald Bewersdorff

  Oberkirchenrat Wilfried Neusel

 Oberkirchenrat Georg Immel

 

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 1. Dezember 2004. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 14. Dezember 2004. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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