Nach der Flutkatastrophe

Notfallseelsorger leisten Beistand

Seit Tagen sind Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger der EKiR im Einsatz und betreuen Opfer der Flutkatastrophe in Südoastasien und deren Angehörige. Ziel ihres Einsatzes: Betroffenen Beistand und Seelsorge anzubieten.

Airport-Seelsorgerin Antje Reichow, Notfallseelsorge-Pfarrer Joachim Müller-Lange und Hans-Dieter Hahn, Leiter des Bereiches Betreuung bei der LTU im Gespräch Airport-Seelsorgerin Antje Reichow, Notfallseelsorge-Pfarrer Joachim Müller-Lange und Hans-Dieter Hahn, Leiter des Bereiches Betreuung bei der LTU im Gespräch

Am Montag kamen die ersten Flüge aus den Krisenregionen am Düsseldorfer Airport an, bis jetzt sind mehr als Tausend Urlauber aus Südostasien in Düsseldorf gelandet. Unter den Heimkehrern befanden sich auch Österreicher und Schweizer, für die Düsseldorf ein Zwischenstopp in ihre Heimat ist, sechzig Rückkehrer mussten zur weiteren Behandlung in Krankenhäuser überführt werden. Aber auch wer körperlich unversehrt ist, braucht häufig eine seelsorgliche oder psychologische Betreuung.

 

 

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Düsseldorfer Flughafen stellten Torsten Hiermann, Pressesprecher des Flughafens, Hans-Dieter Hahn, Leiter des Bereiches Betreuung bei der LTU, und Vertreter der EKiR die Hilfsmaßnahmen für Heimkehrer dar. Da Seelsorge vertraulich ist und in einem geschützten Raum geschieht, wurde die Öffentlichkeit sachlich über die Hilfsmaßnahmen und Notfallseelsorge am Flughafen informiert. An der Pressekonferenz nahm auch Pfarrer Carsten Körber, der kurz vor Beginn der Pressekonferenz auf dem Flughafen gelandet ist: Er hat 120 Heimkehrer auf dem Rückflug aus Thailand seelsorglich begleitet.

 

Ankunftstafel auf dem Düsseldorfer Flughafen mit Flügen aus Thailand LupeAnkunftstafel auf dem Düsseldorfer Flughafen mit Flügen aus Thailand

Zurzeit leisten zehn Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger aus dem Rheinland Dienst am Düsseldorfer Flughafen. Die Arbeit auf dem Airport koordiniert die Flughafenseelsorgerin Antje Reichow. Da sie den Flughafenbetrieb seit drei Jahren kennt, weiß sie am besten, wo die Hilfe der Notfallseelsorger gebraucht wird. Landespfarrer Joachim Müller-Lange hat zusätzlich zu den Düsseldorfer Seelsorgerinnen und Seelsorgern auch Notfallseelsorger aus Essen, Mülheim, Duisburg und Wuppertal aktiviert. Sie verstärken das Team des Düsseldorfer Notfallseelsorgers Olaf Schaper, das seit Montag im Einsatz ist. Bei Bedarf kann das Seelsorgeteam noch aus anderen Städten verstärkt werden. Rotation unter den Seelsorgern ist wichtig, damit die Pfarrerinnen und Pfarrer auch selber Zeit dafür haben, sich zu erholen und wieder Kraft für den nächsten Dienst zu finden.

 

Damit die Hilfe gut und professionell geleistet werden kann, arbeiten viele Stellen Hand in Hand. Torsten Hiermann erläuterte, wie die Hilfsmaßnahmen koordiniert werden.  Noch vor dem Abflug der Maschine in Asien werden Informationen an den Koordinierungsstab am Düsseldorfer Flughafen übermittelt. Der Koordinierungsstab aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Polizei, Bundesgrenzschutz, Feuerwehr, Fluggesellschaften – vor allem des Ferienfliegers LTU --  und Notfallseelsorge kann so die Hilfe schon vor Ankunft des Flugzeuges planen. Dabei geht es auch um praktische Hilfe, so kommen einige Rückkehrer nur in Badekleidung an und haben alles andere verloren. Hiermann weiß aus Erfahrung, dass traumatisierte Menschen das Gefühl brauchen, dass jemand für sie da ist und sich um sie kümmert: „Dabei zählen auch kleinen Gesten, wenn ein Mitarbeiter aus dem Betreuungsteam einem Heimkehrer die Tasche trägt oder ein Getränk anbietet.“ Mitarbeitende des so genannten Special Assistance Teams (SAT) der Fluggesellschaft nehmen die Reisenden an einem Betreuungsgate in Empfang und leisten zunächst praktische Hilfe und vermitteln bei Bedarf Kontakt zu den Notfallsorgerinnen und -seelsorgern. Diese hören zunächst zu, und bieten Beistand an. Wer weitere Begleitung benötigt, für den endet die Seelsorge am Flughafen nicht, es kann zu Seelsorge- und Therapieangeboten am Wohnort weitervermittelt werden. Hans-Dieter Hahn leitet das SAT-Team der LTU, die fünfzig besonders ausgebildete Mitarbeitende in Düsseldorf im Einsatz hat. Wenn eine Maschine aus den Unglücksgebieten landet, stehen vierzig Helfer einschließlich der Notfallseelsorger am Gate bereit. Hahn betont: „Wichtig ist, dass wir alle Hand in Hand arbeiten.“ Denn nur gemeinsam können die   verschiedenen Helfer den Rückkehrern umfassend an Leib und Seele helfen. Nach dieser ersten Hilfe passieren die Heimkehrer die Grenzkontrolle und werden erfasst, damit der Krisenstab des Auswärtigen Amtes einen Überblick hat, wer bereits nach Deutschland zurückgereist ist. Die Heimreisenden können sich dann entscheiden, ob sie zur Gepäckausgabe weitergehen oder über einen separaten Ausgang den Flughafen unbehelligt von den Medien verlassen wollen.

Neben den Rückkehren sind die Notfallseelsorger auch für Angehörige und Mitarbeitende auf dem Flughafen da. Seit Tagen warten schon Menschen oft vergeblich auf die Landung von Angehörigen, einige halten die Fotos von Vermissten in den Händen und hoffen, dass sich unten den Ankommenden ihre Angehörigen befinden. Auch sie werden von den Notfallseelsorgern angesprochen, die Beistand anbieten und zuhören.

Notfallseelsorge ist ökumenisch ausgerichtet, dies gilt für die Seelsorgenden und auch für die Menschen, denen das Angebot der Notfallseelsorge gemacht wird. Unabhängig von Konfession und Religion bieten die Seelsorger ihre Hilfe an. „Sie leisten Beistand im wahrsten Sinne des Wortes“ fasst Müller-Lange die Bemühungen der Seelsorger zusammen, denn nur so gelingt es, „ein Raum des Vertrauens zu schaffen, der weitere Hilfe erst möglich macht.“ Auch wenn der Schwerpunkt der Notfallseelsorge zurzeit auf dem Düsseldorfer Flughafen liegt, stehen auch 600 speziell ausgebildete Seelsorger im Rheinland zur Verfügung, so dass auch eine Betreuung vor Ort möglich ist.

 

 

rei /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 30. Dezember 2004. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 30. Dezember 2004. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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