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Armut darf nicht die Kinder treffen

Die Armen werden mehr, und der Reichtum der Reichen steigt. Zwar wird der Armutsbericht der Bundesregierung offiziell erst im Januar veröffentlicht, doch die Zahlen sind schon bekannt. Die Fakten: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer.

Petra Anna Siebert, freie Journalistin Petra Anna Siebert, freie Journalistin

Immer mehr Haushalte sind überschuldet. Am stärksten von Armut betroffen sind Familien mit Kindern und Ausländer. Und nichts deutet darauf hin, dass ihre Situation besser wird.

Immer mehr Menschen sind von Sozialhilfe abhängig, darunter immer häufiger Kinder. Das belegt der gerade vom Kinderhilfswerk veröffentlichte Kinderreport 2004. Auch hier Tendenz steigend. Im EU-Vergleich hat Deutschland die zweithöchste Armutsquote bei Kindern und wird nur noch von Irland übertroffen,

"Arme Kinder sind schon von Geburt an einem höheren Alltagsrisiko ausgesetzt", schreibt Gerda Holz vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (Frankfurt/Main) in der im September von der rheinischen Kirche herausgegebenen Arbeitshilfe "Reichtum braucht ein Maß - Armut eine Grenze". Diese Kinder würden oft verspätet eingeschult, hätten früh Probleme in der Schule und spürten Ausgrenzung.

Ihre Chance, ein Studium aufzunehmen, ist um ein Vielfaches geringer als bei Kindern aus so genanntem guten Hause. Auch ein Grund, warum sich Armut "vererbt". Der Sozialforscher Rolf Roman spricht in der Süddeutschen Zeitung von einer gesellschaftlichen Spaltung in "reiche Kinderarme und arme Kinderreiche".

Da gilt es zu fragen: Wie viel Armut ertragen wir, ohne dass wir unseren sozialen Frieden zerstören ? Und wie viele Kinder können wir uns leisten, deren Fähigkeiten nicht ausgeschöpft werden, zu ihrem und zu unserem Nachteil?

Vor allem aber gilt es, heute die Weichen für eine bessere Zukunft zu stellen. Denn die armen Kinder von heute sind die armen Erwachsenen, die armen Mütter und Väter, von morgen. Und nicht nur finanziell arm, sondern auch arm an Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe.

Diese Spirale muss durchbrochen werden. Auch in Zeiten leerer Kassen darf gerade daran nicht gespart werden. Damit alle, die heute Kinder sind, unabhängig von ihrer Herkunft wenigstens in Zukunft eine Chance haben, an einer friedlichen und gerechten Gesellschaft mitzuwirken.

 

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03.12.2004

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 2. Dezember 2004. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 2. Dezember 2004. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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