„Gut, preiswert und sicher wohnen“
Guido Stephan, Geschäftsführer der Antoniter Siedlungsgesellschaft in Köln
Herr Stephan, die ASG ist ein evangelischer Akteur auf dem Immobilienmarkt. Was ist an dem Unternehmen evangelisch?
Nun, zuerst natürlich, dass wir zu 100 Prozent der evangelischen Kirche gehören. Der Evangelische Kirchenverband Köln und Region hält 83 Prozent unseres Stammkapitals, das 6,5 Millionen Euro beträgt. Der Rest ist Eigentum der vier Kölner Kirchenkreise. Im Evangelischen Siedlungswerk Deutschland sind wir Mitglied neben sieben anderen evangelischen Wohnungsbauunternehmen, eine hundertprozentige Kirchentochter sind aber nur wir. Evangelisch sind wir auch deshalb, weil wir uns zu unserer sozialen Verantwortung im Bereich der Wohnungsversorgung bekennen. Wir wollen, dass die Menschen gut, preiswert und sicher wohnen.
Sind Ihre Mieter alle evangelisch?
Nein, die Religion spielt bei der Vermietung keine Rolle. Wer bei uns eine Wohnung mieten möchte, muss einen Fragebogen ausfüllen. Nach der Religionszugehörigkeit wird aber nicht gefragt.
Kann sich jeder bei Ihnen für eine Wohnung bewerben?
Prinzipiell ja. Unsere Wohnungen werden ja auch im Internet auf der Plattform Immobilienscout 24 angeboten. Es gibt aber auch Interessenten, die uns im Telefonbuch gefunden haben oder die in ihren Kirchengemeinden auf uns aufmerksam gemacht werden. Viele Mieter und Mieterinnen, die staatliche Unterstützungsleistungen beziehen, werden von der Stadt an uns verwiesen.
Welche Leistungen bietet die ASG an?
Da ist natürlich in erster Linie die Bereitstellung von Wohnraum zu nennen. Wir vermieten 1.657 Wohnungen, davon 390 Sozialwohnungen, 676 Seniorenwohnungen und 559 frei finanzierte Wohnungen. Mitte der 90er Jahre betrug der Anteil an Sozialwohnungen 90 Prozent. In denen hatte die Stadt ein Belegungsrecht. Deren Anteil ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Viele der öffentlich geförderten Wohnungen sind aus der Mietpreisbindung gefallen, da die öffentlichen Darlehn zwischenzeitlich getilgt sind. Wir sind aber nicht nur Vermieter. Wir sind auch ein Planungs- und Architektenbüro, seit wir 2002 die Bauabteilung des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region integriert haben.
Fassadengestaltung: Die Antoniter Siedlungsgesellschaft ließ Garagen durch das Jugendkunstprojekt "MittwochsMaler" verschönern.
Können Sie Beispiele ihrer Tätigkeit nennen?
In Lindlar betreuen wir den Bau des Mehrgenerationenhauses der Evangelischen Kirchengemeinde Lindlar. Die Gemeinde wollte ein neues Gemeindezentrum. Doch dann stellte sich heraus, dass die Gemeindeglieder im Schnitt immer älter werden. Also entschied man sich für ein Mehrgenerationenhaus als Begegnungsstätte. Die Gemeinde hatte allerdings nicht genug Geld, um ihr Vorhaben zu verwirklichen. Die ASG hat ihr dafür das neben der Jubilate-Kirche liegende 3300 Quadratmeter große Grundstück abgekauft. Auf dem errichten wir Eigentumswohnungen und eine Demenzwohngruppe. Überhaupt ist "Wohnen im Alter" für uns ein großes Thema. Wir haben beispielsweise eine Demenz-Wohngruppe in Köln-Bayenthal an einer Seniorenwohnanlage angebaut, die sich etabliert hat. Darüber hinaus denken wir auch über andere Wohnformen für ältere Menschen nach. Integration von Tagespflege ist da ein Stichwort.
Engagieren Sie sich in den Gemeinden vor Ort?
Natürlich. Die Anfragen aus den Gemeinden nehmen spürbar zu. Schließlich verfügen sie über einen großen Immobilienbestand. Wir übernehmen die technische Planung von Umbauten, begutachten kirchliche Gebäude, bereiten Ausschreibungen vor und übernehmen auch die Bauleitung. Im Moment begleiten wir viele Gemeinden beim Umbau ihrer Kindergärten. Mit den Mitteln aus dem Konjunkturprogramm des Bundes sollen dort mehr Plätze für Kinder unter drei Jahren eingerichtet werden. Es gibt auch Gemeinden, die Probleme mit ihren Immobilien haben und sich von ihnen trennen wollen. Wir haben auch schon Pfarrhäuser und Küsterhäuser übernommen und vermietet. Die Diakonie Michaelshoven beispielsweise hat in solchen Häusern Jugend- und Behindertengruppen untergebracht. Allerdings können wir nicht alle Immobilien übernehmen. Bei Pfarrzentren ist es schwierig. Oft ist für die im Bebauungsplan die Nutzung für gemeindliche Belange festgeschrieben. Bei Übernahmen von Immobilien müssen wir 75 Prozent Fremdkapital aufnehmen. Wir dürfen also auch die Wirtschaftlichkeit der Objekte nicht aus dem Blick verlieren. Wir verwalten auch kirchliche Gebäude, die im Besitz von Gemeinden sind.
Erwirtschaftet die ASG Gewinne?
Ja. Wir sind eine Wohnungsbaugesellschaft des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region, ein Wirtschaftsunternehmen des sozialen Wohnungsbaus. In 2009 haben wir einen Jahresüberschuss von 370.000 Euro erzielt. Wir sind wie jedes andere Unternehmen natürlich bestrebt, schwarze Zahlen zu schreiben. Seit 2004 schütten wir in jedem Jahr eine Dividende von vier Prozent auf das Stammkapital an unsere Gesellschafter aus, also den Evangelischen Kirchenverband Köln und Region sowie die vier Kirchenkreise. Das war 2009 256.000 Euro, die den entsprechenden Haushalten zugute kamen.
Welches ist die nächste große Herausforderung?
Das Diakonische Werk Köln und Region wird sein Bürogebäude an der Brandenburger Straße hinter dem Kölner Hauptbahnhof verlassen und mit auf das Gelände des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region ziehen. Dafür wird unter anderem ein komplett barrierefreier Neubau an der Kartäusergasse errichtet. Diesen Bau planen wir gerade. Für den Neubau wird die ehemalige Bibliothek abgerissen. Damit beginnen wir in Kürze. Unsere Planungen sehen vor, dass das neue Gebäude Ende 2012 fertig ist.
ekir.de / Stefan Rahmann / 10.02.2011
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