Ehrenamtspreis

Ein Meer, dessen Wasser trägt

Präses Nikolaus Schneider hat erstmals den Ehrenamtspreis der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) vergeben. Ausgezeichnet sind drei Projekte. Sie erhalten je 1000 Euro.

Die Gottesdienstgruppe aus Essen erhielt den Ehrenamtspreis der Evangelischen Kirche im Rheinland - überreicht von Präses Nikolaus Schneider. LupeDie Gottesdienstgruppe aus Essen erhielt den Ehrenamtspreis der Evangelischen Kirche im Rheinland - überreicht von Präses Nikolaus Schneider.

Und das sind die Preisträger: Gottesdienst für und mit Menschen mit Behinderung in Essen, ein von Jugendlichen geführter Eine-Welt-Laden in Oberhausen-Osterfeld und die Begegnungsstätte im Haus der Senioren / Betreuungscafé für Demenzkranke in Velbert-Langenberg. Sie ließen rund 120 andere Projekte aus Gemeinden und Kirchenkreisen hinter sich. Der Ehrenamtspreis soll künftig alle zwei Jahre verliehen werden.

"Wir wollen Ihnen sagen, wie wichtig Sie sind", sagte Präses Schneider bei der Feier im Düsseldorfer FilmFunkFernsehZentrum zu den Geehrten. "Ohne Sie könnten wir nicht Kirche sein. Deshalb richten wir die Scheinwerfer heute auf Sie."

Mit Blick auf das biblische Motto des Ehrenamtspreises - "Ihr seid das Salz der Erde" - sagte die Vorsitzende der Jury, Pfarrerin Dr. Sabine Zoske, "das schönste Essen ohne Salz schmeckt fad". Und eine Kirche ohne Ehrenamtliche wäre "nicht nur fad, sondern ungenießbar". Weiter schlug sie den Bogen bis zum Toten Meer in Israel mit seinem "unglaublich salzigen Wasser". Da lesen die Leute im Wasser Zeitung. "Ehrenamtliche machen die Kirche zu einem Meer, das trägt und in dem man nicht einmal strampeln muss, um oben zu bleiben".

Zur Auswahl der drei Projekte sagte Landeskirchenrätin Katja Wäller von der für den Bereich Ehrenamt zuständigen Abteilung II: "Die Wahl war keine Qual. Einfach war sie auch nicht."

Gottesdienst mit Menschen mit Behinderung, Essen

Das Projekt "Gottesdienst mit Menschen mit Behinderung" in Essen hat die Jury als beeindruckendes Gottesdienstprojekt mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet. 30 ehrenamtliche Mitarbeitende bereiten die Gottesdienste vor, 25 von ihnen haben eine geistige Behinderung. Die kreiskirchliche Pfarrerin für Behindertenarbeit, Christine Stoppig, begleitet die Arbeit. Sie sorgt unter anderem für eine jährlich stattfindende einwöchige Fortbildung im Pädagogisch-Theologischen Institut der EKiR.

Die mitarbeitenden Menschen mit Behinderung haben ein hohes Bewusstsein der Verantwortung für den Gottesdienst, so die Jury weiter. Die beteiligten Menschen ohne Behinderung erarbeiten das jeweilige Jahresthema und legen es dem Team vor, das aber die Freiheit hat und sich auch nimmt, es zu verändern oder ganz neu festzulegen. "Das macht den emanzipatorischen Charakter des Projekts deutlich: Die Mitarbeitenden werden nicht im üblichen Sinne betreut, sondern gestalten selbst."

"Gehen sie nur den Stimmen nach" - diese Wegweisung empfahl Kirchenleitungsmitglied Ingrid Schaefer in ihrer Laudatio für die Gruppe weiter. In dem in jeder Hinsicht integrativen Kreis bringe sich jede und jeder mit ein. Die Sprachfähigkeit sei gewachsen, so übernehmen die Teilnehmenden mit Behinderung mittlerweile auch Fürbitten.

Bei der Feier gab die Gruppe eine kleinen Einblick in ihr Tun, zündete wie in ihrem gewohnten Eingangsritual für den Gottesdienst Kerzen für Leben, Liebe und Hoffnung an und lud zum Mitsingen ein.

 

 

Einen weiteren Ehrenamtspreis übergab der Präses an die Jugenlichen vom Eine-Welt-Laden in Oberhausen-Osterfeld. LupeEinen weiteren Ehrenamtspreis übergab der Präses an die Jugenlichen vom Eine-Welt-Laden in Oberhausen-Osterfeld.

Eine-Welt-Laden, geführt von Jugendlichen, Oberhausen-Osterfeld

Der Preis geht außerdem an "hoch motivierte jugendliche Mitarbeitende aller Schulformen", die "in großer Eigenverantwortung, Selbstständigkeit und Zuverlässigkeit den "sehr schön gestalteten" Eine-Welt-Laden in Oberhausen-Osterfeld führen. Die Jugendlichen werden dabei von einer beruflich arbeitenden Kraft begleitet, die auch für die Fortbildung der Mitarbeitenden sorgt. Besonders überzeugend findet die Jury, dass das Projekt nicht nur auf Verkaufserlös hin angelegt ist, sondern dass die Jugendlichen auch selbstständig Informationsmaterial zur Wissensvermittlung an Besucherinnen und Besucher, Gemeinde- und Konfirmandengruppen erarbeiten und so die zu vermittelnden Themen didaktisch aufbereiten.

Vom liebevoll gestalteten Schaufenster, den gut aufbereiteten Informationen über die Herkunftsländer der Produkte bis hin zum strengen Dienstplan - Sabine Zoske schilderte in ihrer Laudatio für die Osterfelder Gruppe den Eine-Welt-Laden. Wohin der Gewinn geht, entscheiden die Jugendlichen, berichtete sie über das Projekt, das seit bald zwanzig Jahren immer wieder neu Jugendliche anzieht.

 

 

Außerdem zeichnete der Präses das Team des Betreuungscafés für Demenzkranke in Velbert-Langenberg aus. LupeAußerdem zeichnete der Präses das Team des Betreuungscafés für Demenzkranke in Velbert-Langenberg aus.

Begegnungsstätte im Haus der Senioren/Betreuungscafé für Demenzkranke, Velbert-Langenberg

Den Preis erhält schließlich ein Team von elf ehrenamtlich Mitarbeitenden, das von einer hauptamtlichen Kraft begleitet und fortgebildet wird. Es bietet zweimal in der Woche ein Betreuungscafé für Demenzkranke an. Außerdem gibt es einmal im Monat ein Nachtcafé mit dem Ziel, Angehörigen einen freien Abend zu verschaffen. Für diese werden auch persönliche Beratung und ein Gesprächskreis angeboten. Außerdem werden Hausbesuche zur stundenweisen Betreuung gemacht.

Das Projekt ist gekennzeichnet "von großer Zuverlässigkeit der Mitarbeitenden", so die Jury. Die ehrenamtliche Arbeit geschieht in "großer Souveränität und Eigenständigkeit, mit denen eine ebenso gründliche und souveräne Begleitung durch die hauptamtliche Kraft (und bei Bedarf das Team im Haus der Senioren) korrespondiert". Der Betreuungscharakter des Projekts ergebe sich aus der Klientel. Soweit irgend möglich, werde die Selbstständigkeit der Erkrankten gefördert. "Das Projekt ist insofern innovativ, als es gegen den Trend der Zeit steht: Die ehrenamtliche Arbeit in Hospizen hat Hochkonjunktur, die mit Demenzkranken dagegen nicht."

Die Wuppertaler Pfarrerin Bärbel Krah als Laudatorin sprach von Demenz als Klippe - und zitierte genüsslich-amüsiert die Adresse des Betreuungscafés: Klippe 2. Cornelia Kleine-Kleffmann, die das Ehrenamtlichen-Team hauptberuflich begleitet, sagte: "Demenz geht uns alle an" und berichtete darüber, wie die Betroffenen auf emotionaler Ebene erreicht werden können. Krah erwähnte das Singen von Volksliedern und Schlagern. Kleine-Kleffmann verriet: Betreuerinnen brauchen Liederbücher, die Betroffenen können auch sieben oder acht Strophen auswendig.

 

 

neu / 08.12.2007

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 7. Dezember 2007. Die letzte Aktualierung erfolgte am Samstag, 8. Dezember 2007. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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