Friedensethik

Konflikte grundsätzlich zivil bearbeiten

Für einen grundsätzlichen Vorrang von ziviler Konfliktbearbeitung und das Leitbild des gerechten Friedens hat sich der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Nikolaus Schneider, in der Evangelischen Akademie im Rheinland in Bonn eingesetzt.

Studientag in der Akademie: Präses Nikolaus Schneider (l.) erläuterte die kirchliche Position zum Thema Frieden. Studientag in der Akademie: Präses Nikolaus Schneider (l.) erläuterte die kirchliche Position zum Thema Frieden.

„Friedensprojekt Europa“ lautet der Titel des Studientages mit Vertreterinnen und Vertretern von Gruppen aus dem Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Der Präses wandte sich gegen die historische „Pax Romana“ und die ihr ähnelnde heutige „Pax Americana“. Diese Konzepte bauten vor allem auf Soldaten, auf imperialer Waffengewalt, auf militärische Zwangsmittel. Dagegen laute der zentrale friedensethische Leitbegriff der christlichen Kirchen „gerechter Friede“. Und damit sei eine multilaterale, auf dem Völkerrecht  basierende Weltordnung gemeint. Dabei bezog sich der Präses auf die neue Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) „Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“.

„Ein starkes Recht braucht auch Mittel und Wege zur Rechtsdurchsetzung“, erklärte der Präses und räumte ein, dass ausnahmsweise von den Vereinten Nationen mandatierte militärische Hilfseinsätze nötig sind. Als Beispiele nannte Schneider Mazedonien 2000, Afghanistan 2001 sowie Kongo und Libanon 2006.

Biblische Merkmale

Allerdings werde Europa nur dann eine Friedensmacht sein, wenn es primär auf fünf Merkmale setze, die der Leitende Geistliche aus der Bibel herausfilterte, genauer gesagt aus der Missionsreise des Apostels Paulus nach Mazedonien, erzählt in der Apostelgeschichte des Lukas, Apg. 16,9-15. Die fünf Merkmale: Gastfreundschaft, Offenheit für Glauben und Religion, Friedensfähigkeit, Mobilität und Integrationsfähigkeit sowie Hilfsbereitschaft.

Christinnen und Christen, sagte Präses Schneider, glauben, „dass Friede auf Liebe, Gnade, Vergebung und Versöhnung beruht“. Zu den Pfeilern Politik und Recht müssten soziale, zivilgesellschaftliche und kulturelle Komponenten hinzukommen.

Vertrauen fördern

Im Blick auf sein Thema – die Konkretisierung und Verstärkung des kirchlichen Engagements für den Frieden – verwies der Präses auch auf die Erklärung „Aufrechterhaltung des Friedens, menschliche Sicherheit und Anwendung von bewaffneter Gewalt“ der Gemeinschaft Evangelischer Kirche in Europa (GEKE), unter anderem die Forderung nach internationalen Projekten und vertrauensbildenden Maßnahmen zur Kriegsverhütung.

Er sei dankbar für die Argumentationshilfe „Ein gerechter Friede ist möglich“ der rheinischen Landessynode 2005 sowie für die Stellungnahme der Landessynode 2007 zum Thema Folter „Nicht einen Spalt breit“. Auch die wichtigen Impulse der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung 2007 in Sibiu gelte es weiter zu tragen. In seinen weiteren Punkten warb der Präses auch für die Unterstützung der Anti-Landminen-Kampagne.

 

 

 

 

neu, Foto: EAiR /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 12. Dezember 2007. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 12. Dezember 2007. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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