Asyl

Wie ein Weihnachtsgeschenk

Erst war das Kirchenasyl der Evangelischen Kirchengemeinde Hochdahl erfolgreich. Und jetzt ist die afghanische Familie Sharifi auch als Flüchtlinge anerkannt. "Für uns ist das ein echtes Weihnachtsgeschenk", kommentiert Gemeindepfarrer Volker Horlitz.

Mari Sharifi (l.) mit Tochter Sameera und Mann Nahidullah Yusufi; zur Familie gehören noch die Kinder Sonya und Soheil. LupeMari Sharifi (l.) mit Tochter Sameera und Mann Nahidullah Yusufi; zur Familie gehören noch die Kinder Sonya und Soheil.

Das vierwöchige Kirchenasyl der afghanischen Familie Sharifi in der Evangelischen Kirchengemeinde Hochdahl war im Februar diesen Jahres erfolgreich zuende gegangen. Durch den „Selbsteintritt“ (Dublin II Verordnung) der Bundesrepublik konnte das Asylverfahren für die Familie in Deutschland beginnen. Jetzt wurde die Familie nach § 60, Absatz 1 des Aufenthaltgesetzes als Flüchtlinge anerkannt.

„Wir sind überglücklich und bedanken uns von Herzen bei allen, die uns unterstützt haben“, sagt Mari Sharifi (33). Sie ist froh, nicht wieder nach Afghanistan zu ihren Peinigern zurückkehren zu müssen. Auch die 11-jährige Sameera freut sich, in Deutschland in die Schule gehen zu können. „In Afghanistan dürfen Mädchen nicht soviel lernen“. Die drei Kinder der Sharifis sind inzwischen gut integriert. Die älteste Tochter Sonya (17) möchte gerne später Medizin studieren.

Relativ kurzer Zeitraum

Als anerkannte Flüchtlinge kann die Familie Sharifi/Yusufi nun endgültig in Deutschland bleiben. Die Eltern erhalten ab sofort eine Arbeitserlaubnis, die Familie genießt innerhalb der Bundesrepublik Freizügigkeit und hat Anspruch auf Leistungen wie etwa Kindergeld. Die Kinder können die begonnene Schulausbildung abschließen.

Rechtsanwalt Peter Knitsch: "Ich bin froh, dass wir diese Entscheidung innerhalb eines für Asylanerkennungsverfahren immer noch relativ kurzen Zeitraums von rund zehn Monaten erwirken konnten." Die verübten Gewalttaten insbesondere gegenüber Mari und Sonya Sharifi aufgrund ihres Geschlechts und ihrer pro-westlichen Einstellung in Afghanistan waren "sehr massiv".

Endlich das zukünftige Leben planen

Die Familie habe nun endlich die Sicherheit, in Deutschland bleiben zu können und nicht wieder abgeschoben zu werden. Knitsch: "Mit dieser Sicherheit können Eltern und Kinder zum ersten Mal seit langer Zeit ihr zukünftiges Leben längerfristig planen." Die Entscheidung zeige auch" wie richtig es war, sich der seinerzeit drohenden Abschiebung mit Hilfe des Kirchenasyls zu widersetzen und auf ein Asylverfahren in Deutschland zu drängen".

Auch Pfarrer Volker Horlitz und das Presbyterium der Kirchengemeinde Hochdahl sehen sich bestätigt, der Familie Schutz im Kirchenasyl gewährt zu haben. „Wir freuen uns, dass die Hilfe der viele Helfer und Helferinnen zu einem guten Ende geführt hat. Nun hoffen wir, dass sich die Familie in unserem Land gut einlebt.“ Die Familie wird nach wie vor vom Freundeskreis Flüchtlinge Hochdahl betreut.

Über Italien eingereist

Die Anerkennung beruht auf § 60 Abs.1 des Aufenthaltsgesetzes und ist von den Wirkungen her identisch mit einer Anerkennung nach Art. 16a des Grundgesetzes.
Letztere wurde nur deshalb nicht ausgesprochen, weil die Familie über Italien und damit über einen sogenannten "sicheren Drittstaat" im Sinne des Art. 16a Abs.2 Grundgesetz nach Deutschland eingereist ist.

Das Kirchenasyl der afghanischen Flüchtlingsfamilie war am 20. Februar in Erkrath erfolgreich zu Ende gegangen. Die Eltern und ihre drei Kinder hatten seit dem 25. Januar bei der Evangelischen Kirchengemeinde Hochdahl Schutz gesucht, da sie eine Abschiebung nach Italien befürchten mussten. Die Kirchengemeinde Hochdahl gehört zu den elf Kirchengemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf-Mettmann.

Schwer misshandelt

Die fünfköpfige Familie war im Sommer 2008 aus Afghanistan geflohen, wo die 33-jährige Mutter und ihre Tochter von den Taliban schwer misshandelt worden waren. Der Mutter, einer Schauspielerin, hatten die Taliban den Arm gebrochen, sie mit Benzin übergossen und angezündet, da sie in „westlicher“ Kleidung in einem Film aufgetreten war.

Auf ihrem Weg durch Europa waren die Flüchtlinge zunächst bei einem Zwischenstopp in Italien von der dortigen Polizei erkennungsdienstlich behandelt worden, bevor sie nach Deutschland weiterreisen konnten. Damit wäre Italien für das Asylverfahren zuständig gewesen.

Nach Aussage mehrerer ärztlicher und psychologischer Gutachten war die Familie jedoch nicht in der Lage, nach Italien zurückzureisen. Die Bundesrepublik machte von ihrem Selbsteintritt Gebrauch, so dass die Familie ein Asylverfahren in Deutschland bekommen konnte.

 

 

 

ekir.de / Diemut Meyer /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 17. Dezember 2009. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 18. Dezember 2009. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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