Landeskirche

Andere und eigene Sparpläne

Kritik an Sparplänen der Landesregierungen, Umgang mit den sinkenden Kirchensteuern, Motivation für die Weiterarbeit aus der Kirchenmitgliedschaftsstudie: Beim Jahrespressegespräch informierten Kirchenleitungsmitglieder über die Themen der EKiR

Ermutigung: Präses Nikolaus Schneider. Ermutigung: Präses Nikolaus Schneider.

 

Verlorenes Vertrauen: Oberkirchenrat Harald Bewersdorff. Verlorenes Vertrauen: Oberkirchenrat Harald Bewersdorff.

Kritik an den Sparplänen der NRW-Landesregierung übte Oberkirchenrat Harald Bewersdorff, Leiter der Abteilung 4 für Bildung und Erziehung. Über die Art und Weise, wie die Kürzungen vorgenommen würden, fühle sich die Kirche "verprellt". Die soeben angelaufene "Volksinitiative" gegen die Kürzungen im Jugendbereich in Nordrhein-Westfalen unterstützt die Kirche. Denn: "Qualifizierte Jugendarbeit ist präventiv." Kritik auch bezüglich der Kindertagesstätten: Die Einsparungen in diesem Bereich träfen die Kirchen hart.

Die evangelischen Kirchengemeinden in Nordrhein-Westfalen betreiben rund 1800 Tageseinrichtungen für Kinder in rund 4000 Gruppen. Zusammen geben die drei evangelischen Landeskirchen in NRW rund 90 Millionen Euro jährlich für die Kindertageseinrichtungen aus - also einen "ganz erheblichen Anteil", So Bewersdorff. Rund 30 Millionen Euro wolle das Land in den Jahren 2004 und 2005 "herausziehen". Aber: "Die haben wir nicht." Sorgen bereiten dem zuständigen Oberkirchenrat im Einzelnen die geplanten Streichungen des Landes bei Zuschüssen für Erneuerungen - sprich, wenn einmal die Fensterscheiben ausgetauscht werden müssen, aber außerdem die Kürzungen bei den Fortbildungen für die Erzieherinnen.

435.000 Euro drohen den kirchlichen Schulen künftig zu fehlen, wenn das Land NRW seine Haushaltspläne wirklich realisiert. Auch in der Erwachsenenbildung gingen möglicherweise mehrere Millionen Euro an Zuschüssen verloren. "Die Landesregierung kürzt in allen wichtigen Bildungsbereichen." Für Kirchengemeinden und Landeskirche sei das eine erhebliche Zumutung. Insbesondere im Bereich der Schulen "haben wir das Vertrauen in die Politik nicht mehr".

Herausforderung Mission

Als "Herausforderung zum weiteren missionarischen Engagement" hat der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Nikolaus Schneider, die Ergebnisse der vierten Kirchenmitgliedschaftsstudie bezeichnet. Die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) herausgegebene Untersuchung über die Mitglieder der evangelischen Kirche "ermutigt uns, von unserem Glauben in verständlichem Alltagsdeutsch zu reden", so der Präses beim Jahrespressegespräch am Montagabend in Düsseldorf. Allerdings erlaubten die Befunde nicht, zufrieden die Hände in den Schoß zu legen.

Sinkendes Kirchensteueraufkommen

Die rückgehenden Kirchensteuereinnahmen waren ein weiteres Thema des Gesprächs mit Journalistinnen und Journalisten. "Die Konjunktur lahmt immer noch. Und wenn es anders wäre, hätten wir trotzdem nichts davon", so Oberkirchenrat Georg Immel, Leiter der Abteilung 6 für Finanzen und Diakonie im Landeskirchenamt. "Wir sind im Sinkflug."

Schlechte Arbeitsmarktsituation, Mitgliederrückgang und Minderung der Einkommensteuereinnahmen sind die Gründe für die sinkenden Kirchensteuereinnahmen - trotz der Verschiebung der zweiten Stufe der Steuerreform auf das Jahr 2004. Für das kommende Jahr erwartet die EKiR rund 473,4 Millionen Euro Kirchensteueraufkommen. Das sind rund 13 Prozent weniger als die Erwartung für 2003. Der Landessynode - sie tagt Anfang Januar in Bad Neuenahr - wird ein kleinerer Haushalt für die landeskirchlichen Aufgaben vorlegt.

Kooperationen und Fusionen

Nach der Konzentration landeskirchlicher Aufgaben geht die Suche nach Kooperationen und Zusammenlegungen weiter - nicht zuletzt aus finanziellen Gründen. Zur Zeit diskutieren oder erarbeiten Kirchenkreise in vier Städten Fusionen: Duisburg, Wuppertal, Düsseldorf und Essen.

Die Konzentration landeskirchlicher Aufgaben - zu Jahresbeginn von der Landessynode beschlossen - ist auf den Weg gebracht. Die Evangelische Akademie Mülheim an der Ruhr feiert am 4. Dezember Abschied von Mülheim und zieht nach Bonn - mit dem neuen Namen Evangelische Akademie im Rheinland. Die Arbeitsstelle für Kriegsdienstverweigerung, Zivildienst und Freiwillige Friedensdienste hat als erste der betroffenen Einrichtungen ihren Umzug schon vollzogen. In Wuppertal wird im Sommer nächsten Jahres das bisher in Rengsdorf angesiedelt Pastoralkolleg auf dem "Heiligen Berg" angesiedelt. Die Medieneinrichtungen fusionieren am Ort des FilmFunkFernsehZentrums in Düsseldorf.

"Wir sparen nicht nur - wir sparen auch so, dass wir zukünftigen Generationen in der Kirche keinen Schuldenberg hinterlassen", so Oberkirchenrat Immel. Ähnlich der oberste Jurist der EKiR, Vizepräsident Christian Drägert: "Die Herausforderung besteht darin, gemeinsam neue Verbindlichkeiten festzulegen, die neue Entfaltungsmöglichkeiten schaffen."

 

Pläne und Erfolgsgeschichten: Oberkirchenrat Dembek und Vizepräses Bosse-Huber. Pläne und Erfolgsgeschichten: Oberkirchenrat Dembek und Vizepräses Bosse-Huber.

Im Blick auf die Wahlen zu den Presbyterien, den gewählten Gemeindeleitungen, am 15. Februar 2004, ist Vizepräses Petra Bosse-Huber überzeugt: "Es gibt kaum ein Ehrenamt, in dem so vielfältige Aufgaben und so viel Verantwortung zusammen kommen." Die Leiterin der Abteilung 2 (Dienst von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern; Innerkirchliche Dienste) weiter: "Wir brauchen diese ehrenamtliche Basis, in der ganz unterschiedliche Sichtweisen und Fähigkeiten zusammenwirken und mitbestimmen." Am 15. Februar wird die Hälfte der Mitglieder der Presbyterien in den gut 800 Kirchengemeinden neu gewählt.

Das Ehrenamt gehört zu den "Erfolgsgeschichten unserer Kirche", sagte Petra Bosse-Huber. In den vergangenen Jahren seien die Zahlen gestiegen - obwohl das "klassische Ehrenamt - man kommt, man bleibt, und das vierzig Jahre -" abnimmt. So gebe es mehr Ältere, die ihre Kompetenzen einbringen, und außerdem übernehmen mehr Jugendliche ehrenamtlich Verantwortung.

Trotz Schrumpfens der Kirche machte Oberkirchenrat Jürgen Dembek "Werbung" für das Theologiestudium und das Pfarramt. Schließlich würden in Zukunft wieder Theologinnen und Theologen gebraucht.

Namibia 2004

Ökumene-Dezernent Oberkirchenrat Wilfried Neusel blickte ebenfalls voraus - auf die Erinnerung an den Kolonialkrieg im heutigen Namibia, der vor 100 Jahren begann. Außerdem wies er auf das "Aktionsbündnis gegen Aids" hin, dem die EKiR soeben beigetreten ist. Neusel: "Aids ist kein individuelles Problem, es trifft die Kirche als Ganzes."

 

 

01.12.2003

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 1. Dezember 2003. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 5. Dezember 2003. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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