Weihnachten heute

Ideologische Vereinnahmung des Weihnachtsfestes

Kaum ein Feiertag ist emotional so stark besetzt wie das Weihnachtsfest. Unabhängig davon, was persönlich damit verbunden wird - ob Familientreffen oder Geschenke-Rummel, ob der besinnliche Gottesdienst oder das besondere Festtagsmenü im Mittelpunkt steht

Angesichts der Säkularisierung gerät der Ursprung dieses Festes - die Geburt des Gottessohnes Jesus von Nazareth - zunehmend in den Hintergrund, wenn nicht gar in Vergessenheit. Seit einiger Zeit nutzen weltanschauliche Randgruppen diese inhaltliche Aushöhlung, um ihre eigenen Botschaften zu vermitteln. Die inzwischen fast ausschließlich konsumfixierte Weihnachtszeit schafft für diese Bewegungen neue Zielgruppen. Denn entgegen diesem Trend zur Veräußerlichung gibt es auch immer mehr Menschen, die nach Sinn und Orientierung suchen. Gerade Menschen aus den neuen Bundesländern sind häufig mit den Inhalten und Ritualen des christlichen Weihnachtsfestes kaum mehr vertraut und fragen nach dessen eigentlicher Bedeutung.

In einer Broschüre des Projekts "Weihnachten in der politischen Propaganda" wurden von der Autorin Judith Breuer nun Thesen, Quellen und Internet-Links zum Thema "Weihnachten und Rechtsextremismus" zusammengestellt und auch im Internet verfügbar gemacht. Die Grundthese der Autorin lautet: Das Weihnachtsfest lässt sich unverdächtig und deshalb geradezu ideal instrumentalisieren: "Wer vermutet schon rechtsextremistische und verfassungsfeindliche Inhalte in 'Hausbüchern für die Weihnachtszeit'?"
 
Nach einer historisch-lexikalischen Orientierung machen Beispiele rechtsextremistischer Weihnachtspropaganda deutlich, wie dort gezielt nationalsozialistisches und völkisches Gedankengut verbreitet wird. Die bekannte Geschichtslüge der Nationalsozialisten, Weihnachten und alle damit verbundenen Inhalte und Symbole wie der "Julleuchter" werde, so Breuer, von vielen Autoren aufgegriffen und wiederbelebt. Unmissverständliche Zitate belegen, dass eine "rechte" Weihnachtsideologie, über den dafür berüchtigten Marktplatz des Internet hinaus, Kinderbücher, Schulen und Volkshochschulen und auch die Naturmedizin erreicht haben. Die Broschüre besticht durch ihren knappen, prägnanten Text und die zahlreichen Internet-Verweise, über die man sofort entsprechende Quellen auffinden kann, um sich von dem beachtlichen Ausmaß der "Weihnachtslügen" zu überzeugen. Abschließend wird auf  kritische Hintergrundinformationen zu den Themen "Neuheidentum", "Naturreligion" und "Hexen" hingewiesen. Weil es der Autorin gelingt, die Weihnachts-Propaganda der "Neuen Rechten" zu entlarven, ist der Broschüre eine weite Verbreitung zu wünschen.

Quelle: EZW Materialdienst 12/03

 

 

 

Michael Utsch, EZW Berlin /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 22. Dezember 2003. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 22. Dezember 2003. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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