Namibia

Gedenken an Genozid vor 100 Jahren

Anfang Januar jährt sich der Beginn des Kolonialkriegs im heutigen Namibia zum 100. Mal. Der Beginn dieses Kriegs wird die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) beschäftigen

Namibia heute - 100 Jahre nach dem Genozid und 13 Jahre in Unabhängigkeit. Namibia heute - 100 Jahre nach dem Genozid und 13 Jahre in Unabhängigkeit.

Rheinische Partnerkirchenkreise der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia (ELCRN) haben einen Antrag zum Thema Namibia 1904 gestellt. Außerdem sind bereits Gedenkgottesdienste und Veranstaltungen geplant, unter anderem eine Gedenkveranstaltung am 30. Januar in Wuppertal mit dem Titel „100 Jahre Beginn des antikolonialen Befreiungskrieges in Namibia – An Verbrechen und Schuld erinnern, um Zukunft gemeinsam zu gestalten“.

"Kolonialer Völkermord"

Am 12. Januar 1904 begann der Kolonialkrieg im damaligen Deutsch-Südwestafrika, an dessen Ende 1908 große Teile des Volkes der Herero wie auch der Nama, Damara und Tswana vernichtet waren. Historiker sprechen heute von einem kolonialen Völkermord, einem Genozid in der Reihe der Völkervernichtungen im 20. Jahrhundert.

Die frühere Rheinische Missions-Gesellschaft, eine der Vorgängerinstitutionen der VEM, deren Mitglied die EKiR ist, hatte seit 1842 in Namibia gearbeitet und sich in den Krieg verstrickt. Sie war „in einem doppelten Loyalitätsverhältnis gefangen“, heißt es in den Anträgen an die Landessynode.

Denn die Rheinische Missions-Gesellschaft, eigentlich in Diensten der Gemeinden der einheimischen Bevölkerung, arbeitete mit den deutschen Kolonialbehörden zusammen. So sammelte sie zum Beispiel Überlebende, die dann in Konzentrationslagern der Kolonialregierung interniert wurden. Ein großer Teil der Gefangenen starb in den Lagern.

Mitschuld bekannt

1990, zur Unabhängigkeit Namibias, haben die VEM und ihre deutschen Mitgliedskirchen in einer Erklärung ihre Mitschuld an Kolonialismus, Rassismus und Apartheid in Namibia bekannt. Die jetzigen Anträge zur Landessynode beinhalten Forderungen an die Bundesregierung, sich zu ihrer historischen Verantwortung zu bekennen, im Rahmen der Entwicklungsarbeit einen Beitrag der Wiedergutmachung zu leisten und außerdem die Landreform zu unterstützen, die die kolonialgeschichtlich verursachte ungleiche Landverteilung zwischen weißen und schwarzen Farmern korrigieren soll.

Die Stellungnahme, angeregt von der Abteilung 3 für Ökumene, Mission und Religionen im Landeskirchenamt sowie dem Gemeindedienst für Mission und Ökumene, haben zahlreiche rheinische Kirchenkreise angenommen, darunter der Kirchenkreis Düsseldorf-Ost, der seit über zwanzig Jahren eine Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Mariental in Namibia pflegt, und der Kirchenkreis Elberfeld in Wuppertal, der mit dem Kirchenkreis Keetmanshoop partnerschaftlich verbunden ist, der Kirchenkreis An Sieg und Rhein, verbunden mit dem Kirchenkreis Tsumeb, und der Kirchenkreis Wetzlar, der mit Windhoek in Partnerschaft steht.

Gedenkfeier am 30. Januar

An der Gedenkveranstaltung am 30. Januar, zu der die Vereinte Evangelische Mission (VEM), die EKiR und die Archiv- und Museumsstiftung Wuppertal einladen, wird Präses Nikolaus Schneider im Gottesdienst predigen und auch an einer Podiumsdiskussion teilnehmen. Die Historikerin Dr. Gesine Krüger wird erläutern, „Was damals geschah“, und der Bischof der Partnerkirche der EKiR, der ELCRN, und Moderator der VEM, Dr. Zephania Kameeta, wird darüber sprechen, „Was uns bis heute bewegt“.

An diesem Tag wird auch die Ausstellung „Erinnert Namibia! Mission, Kolonialismus und Freiheitskampf“ in der Ökumenischen Werkstatt in Wuppertal eröffnet. Diese Wanderausstellung wird danach durch das Rheinland und Westfalen ziehen. Für das Jahr 2004 ist sie bereits ausgebucht. Außerdem wird der Dokumentarfilm „Waterberg. Der Kolonialkrieg in Namibia 1904 bis 1908“ von Gisela und Udo Kilimann vorgeführt.

Materialsammlung schon bestellbar

Für Konfirmanden- und Religionsunterricht sowie Erwachsenenbildung liegt eine 185 Seiten starke Materialsammlung unter dem Titel „Uns gehört Herero-Land“ vor, einschließlich CD-Rom. Unter dem Titel „Die Nacht endet, wenn du deinen Mitmenschen als Bruder oder Schwester erkennst“ wird ab Anfang Januar außerdem Gottesdienstmaterial bereit stehen.

Zu den weiteren geplanten Veranstaltungen gehören ein Studientag am 31. Januar in der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, zwei Studienreisen nach Namibia und ein Seminar vor allem zu theologischen Fragen im Juli in der Nähe von Koblenz.

Die Materialsammlung „Uns gehört Herero-Land“ kostet 10 Euro und ist erhältlich bei der VEM, Telefon 0202/890 04-125, Email medien@vemission.org. Der Dokumentarfilm Waterberg ist ab Ende Januar bei der VEM bestellbar. Auch für die Verleihung der Wanderausstellung ist die VEM die Ansprechpartnerin, Telefon 0202/890 04-151, Email besten-j@vemission.org. Das Gottesdienstmaterial ist zu beziehen über den Gemeindedienst für Mission und Ökumene, Telefon 021 91/96 81-31, Email bergisches-land@oikoumene.de.

 

 

 

01.12.2003

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 1. Dezember 2003. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 1. Dezember 2003. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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