Scharfe Gegner

Hans Karl Hack: Aus der Liste gestrichen

Einer der 190 von ihrer eigenen Kirche disziplinierten Theologen: Hans Karl Hack (1908-1990). Erst ab 1946 konnte der spätere Superintendent des Kirchenkreises Jülich als Pfarrer der rheinischen Kirche arbeiten

Beleg für die kirchlichen Schikanen: Akte über Hans Karl Hack. Beleg für die kirchlichen Schikanen: Akte über Hans Karl Hack.

 

"Für einen zukünftigen Diener der Kirche unwürdiges Verhalten": Hans Karl Hack. "Für einen zukünftigen Diener der Kirche unwürdiges Verhalten": Hans Karl Hack.

Hans Karl Hack schloss sich nach seinem Ersten Theologischen Examen 1934 der Bekennenden Kirche an. Der Düsseldorfer Kirchenbehörde teilte er mit, dass er keine Weisungen mehr von ihr entgegennehmen werde. Weil er aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus keinen Hehl machte, geriet er in Konflikt mit der Gestapo. Mehrere Sonntage hintereinander predigte er über das Buch Daniel und verglich Hitler mit Nebukadnezar.

Sein Sohn Ulrich Hack, bis zu seiner Pensionierung in diesem Jahr Leiter des Amtes für Sozialethik, KDA und Ökologie der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), erinnert sich: "Vater hat später erzählt, wie er während der Predigten gesehen hat, dass es in den Sitzreihen Leute gab, die mitschrieben. Er wusste ganz genau: Das sind Leute der Gestapo. Er wusste, dass er ständig unter Aufsicht stand. Und er hat immer wieder davon erzählt, wie er die Texte aus dem Buch Daniel auf die aktuelle politische Situation übertragen hat".

Hans Karl Hack wurde im August 1939 vom Sondergericht in Dortmund zu einer Gefängnisstrafe von acht Monaten verurteilt. Als die Kirchenbehörde von der Verurteilung Hacks erfuhr, wurde Konsistorialpräsident Walter Koch, der Leiter der Behörde, persönlich aktiv. Er veranlasste, dass Hack aus dem Kandidatenstand der Evangelischen Kirche entfernt wurde.

In der Begründung heißt es: "Aus dem der Bestrafung zugrunde liegenden Sachverhalt sowie aus der Tatsache der Bestrafung selbst geht hervor, dass Sie für einen zukünftigen Diener der Kirche unwürdiges Verhalten gezeigt haben." Diese Maßnahme bedeutete für Hack, dass er auch in keiner anderen Landeskirche als Pfarrer angestellt werden konnte.

Zugleich setzte Koch das Presbyterium der Gemeinde Essen-Kray unter Druck - dort war Hack seit 1937 als Hilfsprediger der Bekennenden Kirche tätig. Er verlangte, dass das Presbyterium Hack aus dem Dienst der Gemeinde entlassen und ihm das Betreten der kirchlichen Räume untersagen solle. Bevor das Presbyterium zu einer Entscheidung kam, gab Hack nach. Er verließ Essen-Kray und übernahm auf Vermittlung des Rheinischen Bruderrates als Pfarrer der Bekennenden Kirche eine Gemeinde in Stuttgart.

bs

 

 

15.10.2003

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 15. Oktober 2003. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 17. Oktober 2003. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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