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Köln Köln im April 1945, einen Monat vor der Kapitulation des Deutschen Reiches

8. Mai 1945

Der Schuld stellen und Verantwortung übernehmen

Evangelische Landeskirchen in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz erinnern angesichts des 70. Jahrestages des Kriegsendes am 8. Mai 1945 an die Verbrechen des Nationalsozialismus und fordern aktuell zu Engagement für Verfolgte auf.

„Das Erinnern und Gedenken an das Unrecht, das von Deutschland ausging, sind Aufgaben, denen sich jede Generation neu stellen muss.“ Das erklären die leitenden Theologen der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Lippischen Landeskirche 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Menschen, die heute unter Hunger, Armut und Gewalt leiden

Das Erinnern und Gedenken sei „eingezeichnet in unser Alltagsleben, in die täglichen Herausforderungen, vor denen unser Land, unsere Kirchen, vor denen wir alle persönlich stehen. Die aktuellen Gesichter dieser Herausforderungen sind die Flüchtlinge an den Grenzen Europas, die Menschen, die heute unter Hunger, Armut und Gewalt leiden, die Kinder, die rechtlos, heimat- und elternlos aufwachsen müssen“, schreiben Präses Manfred Rekowski (Rheinland), Präses Annette Kurschus (Westfalen) und Landessuperintendent Dietmar Arends (Lippe): „Diese Menschen legt Gott uns ans Herz. Sie brauchen unsere Solidarität, unsere Hilfe, unsere Liebe.“

Deutschland habe nach 1945 lernen müssen, sich der Frage nach seiner Schuld zu stellen und für die Verbrechen unter dem Nationalsozialismus Verantwortung zu übernehmen. „Auch die evangelischen Kirchen, die in großen Teilen dem Nationalsozialismus gefolgt waren und den Krieg befürworteten, fanden nur mühsam aus einer Haltung der Selbstrechtfertigung heraus. Im Oktober 1945 waren es Vertreter der Ökumenischen Bewegung, die sie an Dietrich Bonhoeffer erinnerten und zu einem deutlichen Zeichen der Einsicht und Umkehr einluden“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.
Die Befreiung vom Nationalsozialismus als Verpflichtung.

Dauerhafte Lehren aus dem "Dammbruch der Zivilisation" angemahnt

Heute seien sich die Kirchen einig in ihrem Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. „Krieg als Mittel der Politik lehnen wir ab. Unser Leitbild ist der Gerechte Friede, der in dem biblischen Zeugnis von Gottes kommendem Reich gründet. Er umfasst Leben in Würde, Freiheit und kultureller Vielfalt, den Abbau von Not, das Vermeiden jeglicher Gewalt, den beharrlichen Einsatz für Gerechtigkeit“.

Die Leitenden Geistlichen der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz und Hessen haben angesichts des Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren „dauerhafte Lehren aus dem Dammbruch der Zivilisation in Europa“ angemahnt. So sei die „Befreiung vom Nationalsozialismus zugleich mit der Verpflichtung verknüpft, auch in Zukunft für die Freiheit und den Frieden sowie gegen Rassismus und radikalen Nationalismus einzutreten“, erklärten der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung, der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche der Pfalz, Christian Schad, der rheinische Präses Manfred Rekowski, und der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein gemeinsam.

Präses Rekowski: Jüdisches Leben fördern

Rekowski verwies zudem auf den zuletzt in Anschlägen und Angriffen erschreckend offen zu Tage getretenen Rassismus gegen Juden in Deutschland. „Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um die Heimat zu bewahren, die Jüdinnen und Juden nach den Schrecken der Shoa bei uns gefunden haben“, sagte Rekowski. Es sei wichtig, weiter „Projekte der Hoffnung und Verständigung zu fördern, denn jüdisches Leben in Deutschland, Europa und unserer Nachbarschaft ist ein Segen“.

Ein wichtiges Datum im Rheinland war 1945 bereits der 17. April. Damals zogen die Amerikaner in Düsseldorf ein. Wenig später konnten dann die Weichen für die kirchliche Neuordnung gestellt werden. Bereits am 15. Mai wurde eine „Vereinbarung zur Wiederherstellung einer bekenntnisgebundenen Ordnung und Leitung der Evangelischen Kirche der Rheinprovinz“ unterzeichnet. Im Blog des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland geht es in einem Beitrag um die ganz alltäglichen Dinge jener Zeit. Am 8. Mai beantragte der spätere Präses Dr. Joachim Beckmann eine Fahrerlaubnis bei den britischen Militärbehörden.

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ekir.de / jpi, rtm / Foto: public domain / 08.05.2015



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