Landessynode 2007

Einbringung AG I + II

Achtung, Sperrfrist: Montag, 8. Januar 2007, 16 Uhr! Es gilt das gesprochene Wort. Einbringung AG I + II. Vizepräsident Christian Drägert aus Anlass der 57. ordentlichen Tagung der Landessynode.

Hohe Synode,liebe Schwestern und Brüder,
Im Rahmen der Prioritätendiskussion sind Ihnen für diese Synode zwei Drucksachen zur Entscheidung vorgelegt worden, die Teile eines langjährigen Anpassungsprozesses in der Evangelischen Kirche im Rheinland sind. Diesen möchte ich zu Beginn kurz skizzieren.

Zumindest seit den neunziger Jahren fand dieser Prozess umfassend in Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und auf der landeskirchlichen Ebene statt. 1994 wurde dafür zum ersten Mal eine Sondersynode einberufen. Das war damals sehr ungewöhnlich. Aufgrund der Beratungen und Beschlussfassung auf dieser Synode wurde dann eine Perspektivkommission unter Leitung des damaligen Kölner Stadtsuperintendenten, späteren Präses und Ratsvorsitzenden, Manfred Kock, einberufen. Diese Kommission hat bereits 1997 im Rahmen ihres Abschlussberichtes die enge Verzahnung von Spardebatte und Profilentwicklung breit entfaltet. Es sollte ein Kernprogramm entwickelt werden. „Dabei sollte der Auftrag der Kirche mit dem heutigen Grundbedarf der Gemeinden und ihren finanziellen Möglichkeiten ins Verhältnis gesetzt werden.“, so das Protokoll der Landessynode 1997, Seite 86. Mitgliederorientierung war von Anfang an wesentlich für die Überlegungen, außerdem die Stärkung von Kompetenz und Verantwortung der Mitarbeitenden in den Gemeinden.

1997 wurde durch Beschluss der Landessynode auch die innere Struktur des Landeskirchenamtes einschneidend neu gestaltet. Es wurden sechs Abteilungen eingerichtet. Die Wahl der hauptamtlichen Mitglieder der Kirchenleitung außer dem Präses wurde jeweils für eine konkrete Abteilung vorgenommen. Die hauptamtlichen Mitglieder der Kirchenleitung sollten im Hinblick auf ihren künftigen Arbeitsbereich gewählt , es sollte u.a. eine Entlastung des Präsesamtes erreicht werden.
Die Kirchenordnung wurde entsprechend neu gefasst.

Insbesondere auch auf Anregung der Evangelischen Kirche im Rheinland wurden Ende der neunziger Jahre Veränderungen überregional eingeleitet. Die Evangelische Kirche der Union (EKU) wurde in einem mehrjährigen Prozess in die Union Evangelischer Kirchen (UEK) überführt. Diese Strukturveränderungen ersparen der Evangelischen Kirche im Rheinland heute schon ca. 850.000 Euro gegenüber dem Jahr 2000. Diese Veränderungen sind aber nicht auf finanzielle Gesichtspunkte zu reduzieren.

Im weiteren Verlauf wurde eine stärkere strukturelle und admistrative Verzahnung mit der Evangelischen Kirche in Deutschland verwirklicht. Dies alles ist der Landessynode laufend berichtet worden und wird hoffentlich die Kraft der Evangelischen Kirche in den nächsten Jahren in Deutschland weiterhin stärken.

Auf der Landessynode 2003 wurden dann für die landeskirchliche Ebene grundlegende Entscheidungen unter der Überschrift „Konzentration landeskirchliche Einrichtungen“ getroffen. Ich darf kurz daran erinnern: Dies betraf unter anderem die Zusammenführung der Kirchlichen Hochschulen Bethel und Wuppertal, die Konzentration der Predigerseminare in Wuppertal, Verlagerung der Akademie nach Godesberg ins Pädagogisch-Theologische Institut, Aufgabe der Immobilie in Mülheim und der Immobilie des Hauses Landeskirchlicher Dienste in der Rochusstraße in Düsseldorf, die Verlagerung des Pastoralkollegs nach Wuppertal und die Aufgabe der entsprechenden Immobilie in Rengsdorf, die Einstellung der Kirchenzeitung „der Weg“.

Gleichzeitig hat die Synode im Januar 2003 nach umfangreicher Überarbeitung eine Neufassung der Kirchenordnung beschlossen. Für die jetzige Diskussion ist insbesondere der neue Text des Artikel 2 Absatz 1 von Bedeutung. Dort heißt es, dass der Erfüllung der Aufgaben der Evangelischen Kirche im Rheinland alle Mitarbeit sowohl in Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und der Landeskirche sowie ihren jeweiligen Einrichtungen dient. Dieser Artikel berührt in besonderem Maße auch das Verhältnis von Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und Landeskirche.

Unmittelbar nach diesen einschneidenden Entscheidungen im Jahre 2003 wurden Schritte zur Vorbereitung einer Prioritätendiskussion eingeleitet. Der Auftrag und das Verfahren dieser Prioritätendiskussion wurde 2005  durch die Landessynode beschlossen.  In dieser Prioritätendiskussion befinden wir uns heute noch. Sie besteht aus mehreren Abschnitten.

Nach grundlegenden Vorbereitungen durch einen Strukturausschuss wurde zunächst in einem ersten Abschnitt auf der Sommersynode 2006 über umfassende Einsparungsmaßnahmen für die landeskirchliche Ebene entschieden, die bis zum Jahre 2012 umgesetzt werden sollen. Dies ist Ihnen gewiss noch in guter Erinnerung.

Die beiden jetzt zur Entscheidung vorliegenden Drucksachen als weitere Abschnitte dieser Prioritätendiskussion betreffen nicht mehr primär die landeskirchliche Ebene, sondern alle Ebenen der Evangelischen Kirche im Rheinland. Dabei hat sich im Januar 2007 die Ausgangslage gegenüber 2005 und 2006 grundsätzlich nicht verändert. Die demografische Entwicklung der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland in den nächsten Jahrzehnten ist relativ klar. Wir werden weniger Mitglieder haben. Und wir werden weniger Finanzkraft besitzen. Daher müssen wir auch weiterhin diesen umfassenden Profilierungsprozess unter der Prämisse dringender Sparmaßnahmen durchführen. Dazu gehört auch die notwendige Sicherung unserer Versorgungslasten. Hierzu verweise ich auf den Finanzbericht und die Drucksache 5.
Ich möchte noch einmal ausdrücklich unterstreichen:
Die zurzeit finanziell etwas entspanntere Situation ändert an diesen Rahmenbedingungen gar nichts.

Dies - kurz skizziert - bildet den Kontext für unsere Entscheidungen auf dieser Landessynode.
Ich möchte nun auf die beiden zu behandelnden Drucksachen 3 und 4 eingehen.

Zunächst zur Drucksache 3 Mit der Landessynode 2005 wurde die Arbeitsgruppe I gebildet, die den Auftrag hatte zu prüfen, ob und wenn ja, welche Veränderungen innerhalb unserer presbyterial-synodalen Ordnung erforderlich sind, um die Leistungs- und Funktionsfähigkeit von Kirchengemeinden, Kirchenkreisen und Landeskirche künftig sicherzustellen. Nach der Vorlage der Ergebnisse der AG I auf der Landessynode Januar 2006 waren Kirchengemeinden und Kirchenkreise aufgerufen, hierzu Stellung zu nehmen. Bis zum November 2006 sind insgesamt Stellungnahmen von 43 Kreissynoden und 434 Kirchengemeinden eingegangen. In den oft sehr ausführlichen Stellungnahmen wurde sich engagiert mit den Vorschlägen der AG I auseinandergesetzt und vielfach auch weitergehende und andere Vorschläge gemacht. Dies zeigt einen intensiven Beratungsprozess, für den ich mich recht herzlich bedanken möchte.

In der Drucksache 3 der diesjährigen Synode soll in dem ersten Beschluss aufgegriffen werden, was mit dem Leitmotiv „missionarisch Volkskirche sein“ bereits in früheren Synoden angesprochen und diskutiert worden ist. Hierbei geht es nicht allein darum, darauf zu achten, welche Defizite auch in der Gestaltung unserer Ordnung behoben werden müssen. Es soll vielmehr über den Tellerrand hinaus geblickt werden. Wie sind Strukturen zu schaffen, die ein möglichst lebendiges und einladendes Profil unserer Kirche garantieren?

Dabei wird deutlich: Die Beschäftigung mit den Strukturfragen und Fragen der Ausgestaltung der prebyterial-synodalen Ordnung ist kein Selbstzweck. Sie muss sich dem Ziel unterordnen, der Verkündigung des Evangeliums und dem Aufbau der Kirche zu dienen.

Eine zentrale Aufgabe wird es in Zukunft sein, den Gemeindebegriff zu überdenken. Ich bin mir der schwierigen Problematik bewusst. Aber inzwischen gibt es vielfältige andere Gemeindeformen neben der herkömmlichen wohnortabhängigen Parochialgemeinde. Ich möchte hier nur beispielhaft die Citygemeinden erwähnen. Es geht dabei nicht um das Ausspielen von Alternativen, sondern es geht um die Ergänzung zur Ortsgemeinde, durch die wir zusätzlich Menschen für unsere Kirche gewinnen können. „Wir brauchen eine echte Binnendifferenzierung und ein neues Verstehen von Pluralität“, so Michael Herbst auf der Synode 2005.

Kernstück der Vorlage der AG I war eine Aufgaben- und Strukturkonzeption, die gerade für gefährdete Arbeitsbereiche wie Kirchenmusik und Jugendarbeit, aber auch für Kindertagesstätten und Verwaltung Lösungen enthalten sollte. Lösungen, die eine kooperative oder stellvertretende Wahrnehmung dieser Bereiche durch ein oder mehrere Gemeinden vorsehen sollte, ohne diese Arbeitsbereiche auf Kirchenkreisebene anzusiedeln. Dies sollte durch Beschluss der Kreissynode für die zuvor am Erstellungsprozess beteiligten Kirchengemeinden verbindlich sein. Diesem Vorschlag konnte sich zwar eine knappe Mehrheit der Kreissynoden anschließen, aber nur ein Drittel der Presbyterien. Die Ablehnung erfolgte vor allen Dingen vor dem Hintergrund, dass darin eine Beeinträchtigung der Eigenständigkeit und Gestaltungsmöglichkeiten der einzelnen Kirchengemeinden gesehen wurde. Darüber hinaus scheint der Gedanke an die Erarbeitung einer erneuten Konzeption im Blick auf Kapazitäten Skepsis geweckt zu haben.

Da die Auswertung ergeben hat, dass die großen Mehrheit der Presbyterien eine solche verbindliche Konzeption ablehnt, findet sich die Aufgaben- und Strukturkonzeption in der von der AG I vorgeschlagen Weise in dieser Drucksache nicht wieder. Dennoch sind Elemente dieses Vorschlages aufgenommen worden.

Die Verantwortlichkeit von Kirchengemeinden, stärker in den Regionen zusammen zuarbeiten, soll betont werden.

Die Kreissynode soll zwar nicht die Verpflichtung haben, eine umfassende Aufgaben- und Strukturkonzeption für den Bereich ihres Kirchenkreises zu erarbeiten, sie soll aber das Instrument erhalten, zumindest für die Arbeitsbereiche, die auf kirchengemeindlicher Ebene nicht mehr abgedeckt werden, Lösungen zu entwickeln und auch Gemeinden zu verpflichten, in Zusammenarbeit mit anderen diese Aufgabengebiete abzudecken.

Ähnliche Überlegungen treffen für die landeskirchliche Ebene zu. Es ist unter anderem zu bestimmen, welche Arbeitsbereiche durch Kirchenkreise nicht mehr abgedeckt werden können. Mit diesem Punkt wird ein zentraler Arbeitsauftrag der Sondersynode Juni 2006 aufgegriffen, der lautet: „Was kann und soll die landeskirchliche Ebene in Zukunft leisten und anbieten, um die gemeindliche und kreiskirchliche Arbeit zu unterstützen, zu stabilisieren und zu stärken.“

Alle diese Fragen und Aufträge kreisen um ein zentrales Thema, wie wir in einer Kirche von morgen und übermorgen mit wesentlich weniger Ressourcen auskommen und trotzdem ein effektives und attraktives kirchliches Leben gestalten, das sich für viele Menschen als ansprechend und für ihr Leben als relevant erweist.

Gegenwärtig sind unsere rechtlichen Strukturen so ausgebildet, dass die Gestaltungsintrumente grundsätzlich bei den Gemeinden liegen. Das ist auch gut so. Aber es stellt sich ein Problem. Denn die übergemeindlichen Gesichtspunkte sind wahrlich nicht immer deckungsgleich mit den Interessen einzelner Gemeinden. Haben die Interessen einer Ortsgemeinde immer auch Vorrang vor übergemeindlichen Zusammenhängen und Verpflichtungen? Ist dieser Ansatz, diese rechtliche Struktur insbesondere in Konfliktfällen tragfähig für die Zukunft unserer Kirche? Dieser Diskussion müssen wir uns dringend stellen. Die Selbständigkeit einer Gemeinde kann kein Selbstzweck sein. Es geht dabei nicht um die Frage von Machtverlust und Machtgewinn. Es geht um die Gestaltung eines gemeinsamen verantwortlichen Handelns, um auch in Zukunft den Auftrag der Kirche sicher erfüllen zu können. Es geht um die Stärkung und Stabilisierung der gemeinsamen kirchlichen Arbeit in einer Solidargemeinschaft. Und es geht dabei letztlich um eine Stärkung der Gemeinden selbst.

Das Leben in unserer Kirche wird u.a. geprägt und gestaltet durch die Arbeit der ca. zehntausend Menschen in Presbyterien, Kreissynoden, Kreissynodalvorständen, Landessynode und in den vielen Ausschüssen. Wir werden auf jeden Fall aufgefordert sein, in der Gewinnung, der Begleitung, der Unterstützung und der Zurüstung von Ehrenamtlichen erheblich zu investieren. Die Vorlage gibt daher den Auftrag zur Erarbeitung eines umfassenden Fortbildungskonzeptes zur Unterstützung der Arbeit der Leitungsorgane. Vergleichbares gilt auch für Pfarrerinnen und Pfarrer, Superintendentinnen und Superintendenten und hauptamtlichen Mitglieder der Kirchenleitung insbesondere für ihre Leitungsaufgaben.

Andere Rahmenbedingungen für eine Förderung und Entwicklung in unserer Kirche müssen überarbeitet werden. Dies betrifft die Regelungen zur Delegation, die es ermöglichen sollen, Aufgaben auch breiter verteilen zu können. Das betrifft auch eine effektive Verwaltungsstruktur, die als qualifiziertes Instrument der Zuarbeit dazu dienen soll, qualitätvoll und effizient die kirchlichen Aufgaben erledigen zu können. Dazu gehört auch eine Stärkung und Differenzierung von Aufsichtsinstrumenten. Der Vorschlag der Einführung eines Haushaltssicherungskonzeptes hat große Zustimmung gefunden und soll durch die Kirchenleitung so schnell wie möglich umgesetzt werden. Weitere differenzierte Aufsichtsinstrumente sollen auf der nächsten Synode in die Kirchenordnung eingefügt werden. Ziel ist nicht die Ausweitung von  Reglementierungen oder eine weitere Vorschriftenflut, sondern die Schaffung von Möglichkeiten gezielter und wirkungsvoller Eingriffe an den Stellen, wo Missstände und Defizite kirchlicher Arbeit zu verzeichnen sind.

Und nun zur Drucksache 4

a) Personalplanung und –steuerung im Pfarrdienst
Um die Zukunft unserer Kirche, aber zugleich und nicht zuletzt um die Zukunft von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Landeskirche geht es auch bei allen Überlegungen zur Personalplanung und –steuerung im Pfarrdienst und bei den Vorschlägen zum Zugang zum pfarramtlichen Dienst. Die Arbeitsgruppe II hat dazu ein in sich stringentes und weiterführendes Papier erarbeitet, das in 43 Kirchenkreisen, 423 Kirchengemeinden (Stand: 7.9.2006) sowie in allen Ständigen Ausschüssen beraten wurde und dessen Ergebnisse nun in modifizierter Form Ihnen, liebe Synodale vorgelegt werden.

Angesichts sich ändernder demografischer Rahmenbedingungen  mit den entsprechenden Konsequenzen für  Mitgliederzahl, Altersstruktur und Finanzkraft unserer Landeskirche brauchen wir – anders als in der Vergangenheit -  ein differenzierteres Instrumentarium zur Planung und Steuerung des Pfarrdienstes. Was wir haben, ist das Instrument der Freigabe bzw. der Nicht-Freigabe einer Pfarrstelle und das des Vorschlags- und Besetzungsrechtes der Kirchenleitung. Das reicht nicht aus, um auf der einen Seite den unumgänglichen Abbau von Pfarrstellen durchzuführen und andererseits eine weitestgehend flächendeckende pfarramtliche Versorgung und die dafür notwendige Nähe zu den Menschen zu gewährleisten. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es der Kooperation aller Ebenen unserer Landeskirche, einer Zusammenarbeit, die auf Einsicht und Überzeugung beruht, und auch bereit ist, eigene Interessen dem zu erreichenden Ziel nachzuordnen.

Wichtigstes Element der geplanten Steuerung ist die jährlich stattfindende Planungskonferenz für den pfarramtlichen Dienst, in der die zuvor in den Kirchenkreisen erhobenen aktuellen Personaldaten und fortgeschriebenen Prognosedaten des Pfarrdienstes zusammengetragen und beraten sowie die von der Kirchenleitung zu beschließenden Rahmendaten zur Planung und Steuerung vorbereitet werden.

An die Stelle des „Punktekatalogs“ zur Bewertung von Pfarrstellen wird – so der Vorschlag – ein noch zu entwickelndes Verfahren treten, das regelt, wie die Zahl der Pfarrstellen berechnet und wie die Verteilung der Pfarrstellen auf die Kirchenkreise vorgenommen werden soll.

Als drittes Planungs- und Steuerungselement nenne ich die Änderung des Vorschlags- und Besetzungsrechts, das der Kirchenleitung in jedem zweiten Besetzungsfall übertragen werden soll und nicht wie bislang bei jeder dritten Besetzung einer Pfarrstelle. Eine in der Tat gravierende Änderung! Deshalb ihre Befristung auf fünf Jahre! Doch nur mit dieser Änderung, liebe Schwestern und Brüder, haben wir die Chance, die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer im Wartestand zu minimieren (Eine schematische Darstellung des Verfahrens zum Abbau der Wartestandszahlen und zur Regelung des Zugangs zum Pfarrdienst für den theologischen Nachwuchs finden Sie als Anlage.).

b) Wartestand

Alle Versuche, die Wartestandszahlen mit den bisherigen Möglichkeiten zu verringern, sind nicht gelungen. Angesichts der geringen Zahl  zu besetzender Pfarrstellen – in den letzten drei Jahren ca. 50 Stellen pro Jahr, davon durchschnittlich 19 auf Vorschlag der Kirchenleitung zu besetzen, bei knapp 2.000 Pfarrstellen insgesamt – konnte lediglich der Anstieg der Wartestandszahlen gebremst werden (2004: 104; 2005: 118; 2006; 115).

Die zur Finanzierung des Wartestandes nötigen Mittel (2007: 9,5 Mio.) werden in eine im Grunde nicht geplante kirchliche Arbeit investiert. Durch die Reduzierung der Wartestandszahlen könnten Finanzmittel in erheblichem Umfang eingespart werden und – was mindestens genauso wichtig ist – Pfarrerinnen und Pfarrer wieder in regulären Stellen ihren Dienst tun.

Das Vorschlags- und Besetzungsrecht der Kirchenleitung in jedem zweiten Besetzungsfall würde im Zeitraum von 2008 bis 2012 allein 95 durch Ruhestandsversetzung und Altersteildienst freiwerdende Pfarrstellen betreffen
– vorausgesetzt, alle Stellen werden zur Wiederbesetzung freigegeben.

c) Zugang zum Pfarrdienst
Wenn die Kirchenleitung in jedem zweiten Besetzungsfall das Vorschlags- und Besetzungsrecht ausübt, so verringert das die Zahl der durch Trägerwahl zu besetzenden Pfarrstellen. Das wirkt sich auf den Zugang des theologischen Nachwuchses zum Pfarrdienst negativ aus.
Zurzeit (Stand: 01.10.2006) sind 86 Vikarinnen/Vikare, 194 Pfarrerinnen/Pfarrer zur Anstellung, 145 Pastorinnen/Pastoren im Sonderdienst in unserer Landeskirche tätig. Ca. 300 aus dem Dienst entlassene Theologinnen/Theologen wurden die Ordinationsrechte belassen; sie besitzen damit weiterhin die Anstellungsfähigkeit, auch wenn es schwierig ist, verlässlich festzustellen, ob viele von  ihnen in den Pfarrdienst zurückkehren möchten.

Ich benenne drei Gründe für diese Entwicklung:

Es war die bewusste Entscheidung der Landessynode 1984, den theologischen Nachwuchs nicht nach dem 1. oder dem 2. Theologischen Examen vom weiteren Dienst auszuschließen, sondern alle jungen Theologinnen und Theologen bis zur Anstellungsfähigkeit auszubilden und ihnen damit bei Eignung die Bewerbung auf Pfarrstellen zu ermöglichen.

Im 1984 von der Landessynode beschlossenen Sonderdienst haben insgesamt 796 Pastorinnen und Pastoren Arbeit gefunden und sind nicht nach dem Probedienst entlassen worden. Von den bislang 657 aus dem Sonderdienst Ausgeschiedenen sind 499 in Pfarrstellen gewählt worden (76%). Damit ist die Erfolgsquote höher als in der Personalplanung vorgesehen. 24 % wurden aus dem kirchlichen Dienst entlassen, behielten jedoch meistens mit den Ordinationsrechten die Anstellungsfähigkeit.

Das Frühpensionierungsprogramm (58er-Regelung) nahmen 108 Pfarrstellen­­inhaberinnen und –inhaber von 1998 bis 2001 in Anspruch. Das hat in dieser Zeit zu einer leichten Entspannung auf dem Pfarrstellenmarkt geführt, aber auch dazu, dass wir zurzeit einen deutlichen Rückgang der regulären Ruhestandsversetzungen haben und eine dadurch bedingte Minderung freiwerdender Stellen. Hinzu kommt, dass die gleichzeitig steigende Zahl von Pfarrstellenaufhebungen die Situation verschärft hat.

Wir könnten, liebe Synodale, aufgrund des hohen Personalbestandes im Pfarrdienst in den nächsten Jahren auf Neueinstellungen verzichten. Wir können es nicht, weil sich dadurch die ohnehin ungünstige Altersstruktur im Pfarrdienst weiter verschlechtern würde. Wir brauchen junge Theologinnen und Theologen, um allen Altersgruppen in den Gemeinden gerecht werden zu können. Die Frage ist, wie viele wir jährlich einstellen können.

Die Modellrechnung der Arbeitsgruppe II ging von zunächst fünf Neueinstellungen pro Jahr aus. Diese Zahl steht nicht mehr zur Diskussion; das haben die Beratungen des vergangenen Jahres ergeben.

Ich nenne keine neue Zahl, sondern verweise auf das Verfahren und die Kriterien, die in der Drucksache 4 aufgeführt werden: Die Zahl „ist im Rahmen einer mittelfristigen Personalplanung unter Beteiligung des Ständigen Finanzausschusses und des Ständigen Innerkirchlichen Ausschusses durch die Kirchenleitung festzulegen. Bei der Festlegung muss das Ergebnis der Planungskonferenz für den pfarramtlichen Dienst, der zu erwartende Bedarf an Pfarrerinnen und Pfarrern, die Altersstruktur der Pfarrerschaft, die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer sowie die zu erwartende Finanzkraft der Evangelischen Kirche im Rheinland berücksichtigt werden.“ (S. 5).

Bei den Neueinstellungen nach diesem Verfahren, sollte die Gruppe der zurzeit Wahlfähigen aus Probedienst, Sonderdienst und entlassenen Theologinnen und Theologen gesondert berücksichtigt werden.
Entstehen müsste ein Personalpool, um den aus den in zwölf Jahren beginnenden hohen Pensionierungszahlen resultierenden Personalbedarf im Pfarrdienst decken zu können (von 2019 bis 2029 ca. 1.250 Pensionierungen) und um  eine angemessene Altersstruktur im Pfarrdienst zu gewährleisten.
Die Aussicht, dass ab 2008 die Zahl der Pfarrerinnen und Pfarrer im Probedienst pro Jahr nur noch zwischen 20 und 25 liegen wird, unterstreicht die Notwendigkeit der Bildung eines Personalpools.

d) Alternative Arbeitsformen
Hinweisen möchte ich noch auf Überlegungen, die im Beschlussantrag der Vorlage zu „Dienst- und Arbeitsrecht“ unter „IX. Weiterarbeit“ kurz erwähnt und in der Begründung (S. 28 f) erläutert werden: alternative Formen des Pfarrdienstes. Wir werden an diesem Punkt kreativ werden müssen, um Theologinnen und Theologen neben dem öffentlich-rechtlichen Pfarrdienst Möglichkeiten zu eröffnen, in anderen Arbeitsformen ihrer Berufung entsprechen und ihre Kompetenzen und Fähigkeiten in den pastoralen Dienst einbringen zu können.
Zum Abschluss möchte ich den Mitgliederinnen und Mitgliedern der Arbeitsgruppen für ihre intensive Mitarbeit danken, insbesondere den beiden Vorsitzenden, Pfarrerin Dr. Werner für die AG I und Superintendent Riesenbeck für die AG II.

Mit den in dieser Landessynode zu beschließenden Vorlagen der Kirchenleitung zu AG I und AG II soll nun die personelle, strukturelle und finanzielle Konsolidierung weitergeführt werden.

Wir haben im Vorfeld der Sondersynode und auch bei der Arbeit an AG I und AG II immer wieder das induktive und pragmatische Vorgehen verteidigt unter dem Druck der Sachzwänge. Die Erinnerung an eine theologisch-ekklesiologische Leitvorstellung hat uns aber auf dem ganzen Weg bis heute begleitet – eigentlich schon seit der ersten Sparsynode 1994.

Unausweichlich und drängend ist jetzt wohl die Weiterarbeit an den theologischen Perspektiven. Wieviel theologische Fragen zur Zukunft der Volkskirche auf dem Tisch liegen, aber auch wieviel Lösungsansätze schon gedacht werden, das zeigte ein Hearing am 24.08.2006, das der Arbeitskreis „Missionarische Kirche“ im Theologischen Zentrum in Wuppertal veranstaltet hat und dessen Ergebnis gedruckt vorliegt.
Bei diesem Hearing fragte Superintendent Dr. Dröge eindrücklich, ob nicht nach Abschluß der dringenden Strukturprozesse eine Zeit der spirituellen Selbstbesinnung für unsere Kirche angemessen wäre, in der gemeinschaftlich auf allen Ebenen grundlegende Fragen des Glaubenswissens und der gelebten Spiritualität behandelt werden. Ferner möchte ich auf den Bericht aus der laufenden Arbeit des Rheinischen Konventes zur AG II hinweisen, der in der Zeitschrift „Transparent“ (83/206) dokumentiert ist.

Auch das Impulspapier der Evangelischen Kirche in Deutschland „Kirche der Freiheit “ möchte ich für die Weiterarbeit einbeziehen.
Trotz aller Kritik, die auch wir an einzelnen Punkten vorzutragen haben, sehen wir, dass dieser Impuls der Evangelischen Kirche in Deutschland auch uns inspirieren kann und sollte.
Die vier grundlegenden und biblisch hergeleiteten Motive des Impulspapiers der Evangelischen Kirche in Deutschland, die ich zitieren möchte, öffnen für unser theologisches Weiterarbeiten Perspektiven.:

1. Geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität.
2. Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit.
3. Beweglichkeit in den Formen statt Klammern an Strukturen.
4. Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit.

Für mich geht es im Kern darum, die Fragen der Strukturen und der theologischen Inhalte weiterhin aufeinander zu beziehen und in Komplementarität zu behandeln. Das muss auch die Intention sein für die Weiterarbeit an dem Leitbegriff „Missionarisch Volkskirche sein“
Gemeinsam verantwortetes Handeln in einer Solidargemeinschaft wird uns aber dem Ziel näher bringen.

In den Materialien vom oben erwähnten Hearing in Wuppertal fand ich einen Satz unseres ehemaligen Kollegen Klaus Teschner, der auf die ihm eigene anschauliche Art diese Perspektive der Weiterarbeit benennt:

„Wir können nicht auf breiter Front reduzieren, kürzen, stutzen, wenn wir nicht auch an einigen Stellen stürmen, innovieren, investieren. Nicht nur die Bewahrung des Bestehenden, sondern auch die Entdeckung bisher noch nicht erkannten Neulands sind Zeichen unseres Gehorsams und Lebenswillens.“
Solch eine Perspektive wünsche ich unseren Beratungen.

Vielen Dank

 

 

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 8. Januar 2007. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 8. Januar 2007. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.