Scharfe Gegner

Kurt Essen: Vom Konsistorium im Stich gelassen

Einer der 190 von ihrer eigenen Kirche disziplinierten Theologen: Kurt Essen (1904-1993)

 

Kein Hitlergruß vor dem Konfirmandenunterricht: Kurt Essen. Kein Hitlergruß vor dem Konfirmandenunterricht: Kurt Essen.

Pfarrer Kurt Essen galt in den Augen des nationalsozialistischen Regimes als "Staatsfeind". Er war Pfarrer der Evangelischen Gemeinde in Volpertshausen bei Wetzlar, der hessischen Exklave der Rheinischen Provinzialkirche. Essen schloss sich der Bekennenden Kirche an.

Essen war zahlreichen Anzeigen, Verhören und Hausdurchsuchungen durch die Gestapo ausgesetzt. Man warf ihm unter anderem vor, den Konfirmandenunterricht nicht mit dem Hitlergruß zu beginnen und beim Singen des Horst-Wessel-Liedes den Hut nicht abgenommen zu haben. Seine Konflikte mit dem NS-Staat gipfelten 1939 in seiner Verhaftung und einer einmonatigen "politischen Haft".

Seine Familie bat die Düsseldorfer Kirchenbehörde um Hilfe. Die Antwort lautete: "Es ist unendlich schwer, für die Brüder, die wegen ihrer Billigung des extremen Bruderratskurses durch Wort und Tat bekannt sind, etwas zu tun."

Zur gleichen Zeit verhandelte die Kirchenbehörde, das so genannte Konsistorium, mit der Regierung in Wiesbaden darüber, welche Pfarrer aus dem Kirchenkreis Wetzlar in den Wartestand versetzt werden sollten - einer der Namen: Kurt Essen. Nach seiner Freilassung aus der Haft wurde Kurt Essen zu einem Gespräch mit Konsistorialpräsident Walter Koch gebeten.

Wenige Tage nach dem Treffen schrieb Kurt Essen an die Behörde: „Durch dieses Gespräch ist mir erneut klar geworden, dass heute ein evangelischer Pfarrer nirgends bei amtlichen Stellen, auch nicht bei dem Evangelischen Konsistorium Hilfe findet, wenn er für den Glauben an den Herrn Jesus Christus kämpft und kämpfen will, obgleich er einmal selbst im Auftrage dieses Konsistoriums auf diesen christlichen Glauben ordiniert worden ist." Weiter notiert der Theologe: "Mir scheint jedoch, dass Sie Ihr Amt nicht mit Ernst betreiben, jedenfalls was das Wort „evangelisch“ anlangt. Denn wenn Sie dieses Wort ernsthaft meinten, dann hätten Sie folgendes tun müssen: Dann hätten Sie mir die Hand drücken müssen und sagen: Sie sind im Gefängnis gewesen an unserer Statt; denn sie sind einst in unserem Auftrag ordiniert worden."

Bei der Düsseldorfer Kirchenbehörde war man sich nicht sicher, ob die Vorwürfe gegen Essen ausreichten, um ihn aus kirchlicher Sicht zu disziplinieren. Auf Anraten des Evangelischen Oberkirchenrates in Berlin sah das Konsistorium von einer Versetzung Essens in den Wartestand ab.

bs

 

 

15.10.2003

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 15. Oktober 2003. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 17. Oktober 2003. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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