EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr

Pastor Larry Smith in seinem Austauschjahr alles gemacht, was ein rheinischer Gemeindepfarrer auch macht. Pastor Larry Smith in seinem Austauschjahr alles gemacht, was ein rheinischer Gemeindepfarrer auch macht.

Austausch

Ein Amerikaner in Oberhausen

Pastor Larry Smith aus Pennsylvania hat ein Jahr lang als Gastpfarrer in der Gemeinde Königshardt-Schmachtendorf verbracht. Im EKiR.de-Interview erzählt er, wie es war, ganz tief ins deutsche Kirchenleben einzusteigen. 

Herr Smith, Sie waren jetzt ein Jahr lang in Deutschland. Was werden Sie am meisten vermissen, wenn Sie in die USA zurückkehren?

Die Menschen, die ich hier kennengelernt habe. Ich bin von meinen Kollegen und Kolleginnen im Pfarrteam sehr freundlich aufgenommen worden und wir haben eng zusammengearbeitet. Auch in der Gemeinde haben wir uns mit Menschen angefreundet. Die werde ich alle vermissen!  

Mit welchen Erwartungen haben Sie Ihre Zeit in Deutschland begonnen?

Ich hatte keine besonderen Erwartungen und ich wusste auch nicht, was von mir erwartet wurde. Von der rheinischen Kirche kommen immer wieder mal Pfarrer zur United Church of Christ (UCC), umgekehrt ist das selten – auch weil wenige Amerikaner Fremdsprachen können. Aber ich habe mir gewünscht, mehr über die rheinische Kirche zu erfahren und die tagtägliche Arbeit eines Pfarrers hier kennenzulernen.  

Und? Ist die anders als in den USA?

Zum größten Teil, ja. Es wird hier viel mehr Zeit mit offiziellen Amtshandlungen verbracht. Vor allem mit Beerdigungen. Ich habe hier in dem einen Jahr mehr Beerdigungen gemacht als in den letzten acht Jahren in meiner Gemeinde. Die Gemeindeverhältnisse sind aber auch ganz anders. Meine Gemeinde zu Hause hat etwa 225 Gemeindeglieder und diese Gemeinde in Oberhausen hat fast 9.000 Mitglieder. Das heißt, es gibt schon aufgrund dieser Anzahl viele Beerdigungen und Taufen. Zu Hause kenne ich fast alle persönlich, hier sind mir – und ich glaube, auch meinen Kollegen – die meisten Familien eines Verstorbenen oder eines Täuflings unbekannt. Ich finde es schwierig für uns Pfarrer, wenn die Familie als Erstes vermittelt: „Wir haben eigentlich nichts mit der Kirche zu tun.“ Man muss als Seelsorger, als Tröster, ganz von vorne anfangen. Das war für mich eine neue, etwas unbequeme Erfahrung. Aber man gewöhnt sich dran.  

Was hat Ihnen das Jahr in Deutschland gebracht?

Die Einsicht in ein verhältnismäßig anderes Kirchenleben.  Die Gemeinde hier hat viele Zweige: Männerwerk, Frauenhilfe und so weiter. Aber sie sind alle relativ unabhängig. Die Leute, die man in diesen Gruppen kennenlernt, sieht man nicht im Gottesdienst. Das finde ich ein bisschen merkwürdig, denn für mich ist der Gottesdienst der Mittelpunkt des Kirchenlebens. Und hier ist der Gottesdienst leider nicht besonders gut besucht. Übrigens: Ich sage auch immer wieder, dass ich sehr ungern von „Gottesdienstbesuchern“ rede. Ich meine, es sollte nur Teilnehmer geben!  

Wenn Sie jetzt in die USA zurückkehren, wie geht es da für Sie weiter?

Ich gehe wieder in meine Heimatgemeinde zurück. Am 31. Januar feiern wir hier in Oberhausen einen Abschiedsgottesdienst und am 7. Februar stehe ich wieder zu Hause auf der Kanzel. Es gibt keine Pause. Aber meine Frau und ich haben auch die Hoffnung, noch einmal nach Deutschland zurückzukommen. Wir können unseren jetzigen Aufenthalt leider nicht verlängern, weil wir während unserer Abwesenheit einen großen Heizungs-und Wasserschaden an unserem Haus hatten. Den müssen wir beheben. Danach sehen wir weiter.  

Sie hatten bei Ihrem ersten Aufenthalt in Deutschland keine großen Erwartungen. Was würden Sie sich beim zweiten Mal wünschen?

Ich habe jetzt ein Jahr lang in einer einzigen Kirchengemeinde verbracht – und es war sehr hilfreich und bereichernd, dort ganz tief in das Gemeindeleben einzutauchen. Ich würde aber auch gerne mehr von anderen Gemeinden erfahren. In den letzten Monaten hatte ich dazu einige Gelegenheiten gehabt. Und bei einem eventuellen weiteren Aufenthalt, würde ich mir wünschen, weitere Kreise zu ziehen.  

Auf was freuen Sie sich an meisten, wenn Sie wieder zu Hause sind?

Wieder im Schoss meiner eigenen Gemeinde zu sein. Da habe ich viele enge Verbindungen mit den Gemeindegliedern. Und natürlich auf meine Familie.    

 

Zur Person: Larry Smith (71) ist Pastor der Mount Zion United Church of Christ in Pennsylvania, einer Gemeinde, die zur rheinischen Partnerkirche Penn Central Conference of the United Church of Christ gehört. Gemeinsam mit seiner Frau Karen hat er ein Jahr in der Gemeinde Königshardt-Schmachtendorf verbracht. Larry Smith ist auch ausgebildeter Arzt und hat viele Jahre neben seiner Arbeit als Pfarrer eine Familienpraxis betrieben.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

ekir.de / Christina Schramm / Foto: Andreas Köhring / 29.01.2016



© 2016, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung