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Bequeme  Kleidung will Krankenschwester Bettina Hüttig-Reusch (rechts) nach ihrem Tod angezogen bekommen. Warme Socken müssen es sein, findet auch Hospizbewohnerin Martina Gemein. Bequeme Kleidung will Krankenschwester Bettina Hüttig-Reusch (rechts) nach ihrem Tod angezogen bekommen. Warme Socken müssen es sein, findet auch Hospizbewohnerin Martina Gemein.

Beerdigungen

Im Sarg mit der Lieblingsjeans

Die Pflegerin will warme Socken im Grab, der Theologe hält sein Porträt mit Trauerrand bereit, die Hospizbewohnerin wählte ihr Abschiedslied. Kaum jemand bereitet zu Lebzeiten so detailliert die eigene Beerdigung vor. Dabei sei der Tod eine ureigene christliche Angelegenheit, meint Pfarrer Holger Pyka. Und rät: Redet darüber!

Der Wuppertaler Pfarrer Holger Pyka regt seine Gemeindemitglieder zum Gespräch über die eigene Beerdigung an. Der Wuppertaler Pfarrer Holger Pyka regt seine Gemeindemitglieder zum Gespräch über die eigene Beerdigung an.

„Von guten Mächten wunderbar geborgen“ – das Lied mit dem Text von Dietrich Bonhoeffer tröstet und gibt Hoffnung, und bei Trauerfeiern gehört es damit wohl zu den am häufigsten gesungen Stücken. „Wenn ich mit Menschen über deren eigene Beerdigung spreche, dann setzen es die meisten ganz oben auf ihre Liederliste“, sagt der Theologe Holger Pyka. Bei den Älteren stände außerdem die Volksweise „Muss i denn zum Städtele hinaus“ hoch im Kurs, ergänzt der Pfarrer der Wuppertaler Evangelischen Kirchengemeinde Uellendahl-Ostersbaum.

Wen lade ich zu meiner Beerdigung ein?

Was trage ich im Sarg? Welcher Bibelvers begleitet mich durchs Leben und soll daher Thema bei meiner Trauerfeier sein? Und wer wird auf die Gästeliste meiner Bestattung gesetzt? Über das alles spricht Pfarrer Pyka mit seinen Gemeindemitgliedern, darüber lässt er sich unter anderem Konfirmandinnen und Konfirmanden, Seniorinnen und Senioren oder die Besucherinnen der Frauenhilfe austauschen.

Einen entsprechenden Fragebogen dazu hatte der Theologe bei einem kirchlichen Dienst in Schweden kennengelernt. „Dass Menschen offen über die eigene Endlichkeit sprechen, das war für mich eine völlig neue Erfahrung, die mich begeistert hat“, sagt er. Denn solch ein Gespräch biete immer einen guten Einstieg in den Gedankenaustausch über das Leben, den Glauben und die Hoffnung. „Der Tod ist ein ureigenes kirchliches Thema und sollte daher kein Tabu sein – auch wenn das Auseinandersetzen mit ihm oft schwerfällt“, meint Holger Pyka.

Wo will ich begraben werden?

Wie wichtig diese Auseinandersetzung ist, das erlebt derzeit die Gummersbacherin Martina Gemein. „Bis zu meiner schweren Erkrankung war der Tod für mich wie eine Mauer, die ich umgangen bin“, erzählt die 53-Jährige. Im November ist sie in das Johannes-Hospiz Oberberg der Johanniter im oberbergischen Wiehl eingezogen, um dort ihren letzten Lebensabschnitt zu verbringen. Begleitet von den Hospiz-Mitarbeitenden und im Gespräch mit ihren drei Kindern hat sie jetzt ihre Beerdigung bis ins Detail geplant: Sie klärte deren Kosten, wählte den Trauerredner ebenso aus wie den Ort für ihre Urne.

Menschen wollen ihre Angehörigen entlasten, weiß Bestatter Markus Lang. Menschen wollen ihre Angehörigen entlasten, weiß Bestatter Markus Lang.

Wie grüße ich die Kinder bei meiner Trauerfeier?

Im Hospiz fand Martina Gemein sogar eine Sängerin für ihre Trauerfeier. „Als neulich die Dozentin einer Pflegefachschule das Haus besuchte und am Klavier im Atrium spontan das ,Ave Maria‘ vortrug, war ich von den Socken und engagierte sie gleich für meine Beerdigung“, erzählt sie. „Denn das ist mein Lied, das mich in allen dunklen Stunden meines Lebens zuverlässig wieder aufgebaut hat.“ Es beruhige sie, dass sie diesen Trost bei ihrer Beerdigung als einen lieben Gruß an die Kinder weitergeben könne.

Dass Menschen erleichtert sind, wenn sie die eigene Beerdigung geplant haben, das erlebt auch Bestatter Markus Lang aus dem oberbergischen Nümbrecht. „Meine Kundinnen und Kunden wollen entfernt lebenden Angehörigen die Anreise zur Grabpflege ersparen und ihren Kindern nicht das Planen einer Beerdigung zumuten.“ Vor allem schwer erkrankte Menschen oder Seniorinnen und Senioren im Alter über 70 Jahren legten per Vertrag die Art ihrer Bestattung fest, berichtet Markus Lang. Wer jung und gesund sei, denke meist nicht über die eigene Beerdigung nach.

Durch ihre Arbeit denke sie auch über ihr eigenes Sterben nach, meint Hospizmitarbeiterin Bettina Hüttig-Reusch. Durch ihre Arbeit denke sie auch über ihr eigenes Sterben nach, meint Hospizmitarbeiterin Bettina Hüttig-Reusch.

Wer hält meine Trauerrede?

Anders ist das bei Hospizmitarbeiterin Bettina Hüttig-Reusch. „Es liegt wohl an meinem Beruf, dass ich viel über das Sterben nachdenke“, sagt die 53-jährige Krankenschwester. Im Johannes-Hospiz in Wiehl tauscht sie sich jetzt mit Martina Gemein über die passende Kleidung für den Sarg aus. „Im Sarg will ich selbst bequeme Sachen tragen“, stellt Bettina Hüttig-Reusch klar. Ihre Lieblingsjeans und die selbstgestrickten Socken aus bunter Wolle sollen ihr nach dem Tod unbedingt angezogen werden. „Mein Mann und meine Söhne wissen das und ebenso, welche Prädikantin bei meiner Trauerfeier sprechen soll“, erklärt sie.

Auch Pfarrer Holger Pyka hat bereits Vorkehrungen für seinen Tod getroffen: „Auf meinem Computer gibt es eine Datei mit den Passwörtern meiner Social Media-Accounts, außerdem ein Profilbild von mir mit Trauerrand für Facebook und Twitter sowie eine Liste der Menschen, die zur Trauerfeier eingeladen werden sollen“, berichtet der 35-Jährige.

Welche Kleidung tragen die Beerdigungsgäste?

Was immer ein Mensch zu Lebzeiten festgeschrieben habe: in solchen Fällen gelte das postmortale Persönlichkeitsrecht, erklärt Bestatter Markus Lang. „Der Wille des Verstorbenen hat Vorrang, wenn etwa jemand eine Feuerbestattung wünschte, kann das niemand anders handhaben.“ Auf der anderen Seite könne man Menschen natürlich nicht den Mantel für die Trauerfeier vorschreiben. Da helfe dann eine freundliche Formulierung wie „Unser Vater hätte sich gefreut, wenn sie bunte Kleidung anziehen“. Seine Kundinnen und Kunden fordert der Bestatter daher immer wieder auf: „Reden sie schon zu Lebzeiten mit ihren Angehörigen über ihre Wünsche!“

Wie leben meine Angehörigen mit ihrer Trauer weiter?

Das rät auch Pfarrer Holger Pyka. Denn wenn er zum Beispiel mit den Jugendlichen der Konfirmandengruppe über deren Beerdigung spricht, stehen bei den jungen Menschen meist die Angehörigen im Fokus. „Ihnen ist klar, welche unsägliche Trauer ihr Tod hinterlassen würde.“ Ein Grund mehr, um in den Familien oder im Freundeskreis darüber zu reden, findet der Pfarrer.

Solch ein offenes Gespräch hat auch Hospizbewohnerin Martina Gemein geholfen. „Ich weiß jetzt, dass meine Tochter eine Grabstelle mit meinem Namen als Packende für ihre Trauer braucht“, sagt sie. Und obwohl sie selbst lieber eine anonyme Bestattung wollte, ist sie auf diesen Wunsch eingegangen. Die Plakette mit ihren Namen ist bereits gebucht.

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ekir.de / Text: Sabine Eisenhauer, Fotos: Sabine Eisenhauer, privat / 22.11.2017



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