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Schulwechsel Robert (10) verlässt die Grundschule. Er freut sich auf Physik und hat Respekt vor älteren Mitschülern.

Schulwechsel

„Das wird bestimmt so richtig spannend“

Neuer Lehrstoff, fremde Mitschülerinnen und Mitschüler und ein unbekanntes Gebäude: Der Wechsel auf die weiterführende Schule ist für Grundschüler wie Robert ein großer Schritt. Die evangelischen Kirchen in NRW begleiten die Kinder daher mit dem Projekt „Unterwegs in Gottes Welt“.

Macht Mut: Das Projekt "Unterwegs in Gottes Welt" Macht Mut: Das Projekt "Unterwegs in Gottes Welt"

Robert hat sich bereits einen Eindruck von seinem zukünftigen Klassenzimmer verschaffen können. „Da ist es viel ordentlicher als in meiner alten Schule“, hat der Zehnjährige bei einem Schnuppertag des Aggertal-Gymnasiums im oberbergischen Engelskirchen festgestellt. „Es gibt Regale mit Büchern in einer Reihe und sogar Computer“, erzählt der angehende Fünftklässler. „Bei uns in der Grundschule lagen dafür immer Malsachen herum, überall hingen bunte Bilder, und es gab viel Gebasteltes“, vergleicht er. Und für ihn steht fest: „An der neuen Schule wird jetzt richtig gelernt.“ Robert hat auch mitbekommen, dass er nach den Sommerferien einige neue Schulfächer bekommen wird. „Aber ich weiß noch gar nicht, welche das genau sind, und da bin ich schon ein bisschen aufgeregt.“

Neuer Lehrstoff, andere Mitschülerinnen und Mitschüler und ein unbekanntes Gebäude: Der Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule sei für die Kinder ein sehr großer Schritt, weiß Pfarrerin Hanna Sauter-Diesing, Schulreferentin des Evangelischen Schulreferats Duisburg-Niederrhein und für den Schulamtsbezirk Kleve zuständig. „Es ist dann schön, wenn ihr Weg in den weiteren Lebensabschnitt mit einem Gottesdienst beginnt, bei dem sie Schutz und Segen erfahren.“ Die Schulreferentin wird daher in der ersten Woche des neuen Schuljahrs an zwei weiterführenden Schulen ihre Gottesdienste mithilfe der Materialien des Projekts „Unterwegs in Gottes Welt“ gestalten. Diese Arbeitshilfe der evangelischen Kirchen in Rheinland, Westfalen und Lippe hat sie auch an einige Lehrkräfte in ihrem Kirchenkreis weitergegeben.

Unsicher sind auch die Erwachsenen

Das Projekt „Unterwegs in Gottes Welt“ ist erstmals 2015 für die Einschulung in die Grundschule angeboten worden. In diesem Jahr gibt es nun außerdem Materialien für die Gottesdienste und den Religionsunterricht für die rund 150.000 Kinder, die in Nordrhein-Westfalen auf eine weiterführende Schule wechseln. Im Mittelpunkt steht dabei die biblische Geschichte von Rut und Noomi. Das alttestamentliche Geschehen um eine junge Frau, die ihre Schwiegermutter begleite, um ihr beim Verlassen der bisherigen Heimat beizustehen, scheine nur auf den ersten Blick nicht zur Situation von Fünftklässlern zu passen, meint Hanna Sauter-Diesing. Doch die Geschichte sei kindgerecht aufbereitet. „Sie erzählt von Menschen, die Altbekanntes verlassen, die einen Weg beschreiten, auf dem es kein Zurück mehr gibt und die schließlich an einen Ort gelangen, an dem bereits ein festes Gefüge existiert.“

Der zehnjährige Robert ahnt, dass es ihm ähnlich gehen wird: „Meine neue Schule ist sehr, sehr viel größer als meine Grundschule. Es gibt da viele ältere Schüler, die sind ja eigentlich schon erwachsen.“ Und er vermutet: „Die Großen werden uns Kleine wahrscheinlich gar nicht beachten.“ Der Schulwechsel riefe nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei Eltern und Lehrkräften ein Gefühl der Unsicherheit hervor, sagt Schulreferentin Sauter-Diesing. Das werde bei den Gottesdiensten rund um Rut und Noomi ebenso thematisiert, wie die Gewissheit, dass keiner den neuen Weg alleine gehe. Als Symbol dafür gibt es beim Projekt „Unterwegs in Gottes Welt“ kleine Rücksäcke, die den Kindern beim Gottesdienst überreicht werden.

Gottes Segen im Rucksack

„Es ist eine entzückende Idee, dass diese Taschen gefüllt werden mit dem, was ich auf meinem Weg brauche: Gottes Zuspruch und Segen und ein Edelstein als Symbol für all das Gute, das ich mitnehme und das kommen wird“, sagt Hanna Sauter-Diesing. Sie schlägt vor, dass Eltern, Großeltern oder Paten den Kindern außerdem auf Zettel geschriebene Mutmach-Sprüche hinzugeben. Solchen Beistand bräuchten Kinder gerade auch in einer Gesellschaft, in der nur ein höchstmöglicher Schulabschluss die persönliche Zukunft zu sichern scheine. „Unsere christliche Grundhaltung besagt jedoch, dass jedes Kind – auch wenn es keine oder nur schwache Leistung erbringen kann – als geliebtes Kind Gottes und somit als wertvoller Mitmensch seinen Wert hat.“

Bei Gottesdienst und Religionsunterricht werde den Kindern daher auch aufgezeigt werden, wie sie mit Druck umgehen und ihn sogar manchmal umgehen könnten, sagt Hanna Sauter-Diesing. „Denn wir wollen ihnen ja schließlich die Freude am Lernen erhalten.“ Die bringt auch Robert mit in die fünfte Klasse: „Ich freue mich vor allem auf Physik und die Experimente“, sagt er. Und er ist sich sicher: „Das wird bestimmt so richtig spannend.“

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ekir.de / eis / Foto: Sabine Eisenhauer / Logo: Projekt "Unterwegs in Gottes Welt" / 22.08.2016



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