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Foto: Helmut Paulus Talkrunde bei der ersten kirchengrenzenüberschreitenden Synode im Saarland mit den Referenten Ulrike Wagner-Rau, Stefan Reinke, Reinhard Bingener und Steffen Schramm sowie Moderator Oliver Schwambach (links).

Saarbrücken

Erstmals überschreitet eine Synode im Saarland Kirchengrenzen

„Wir haben für die Arbeit der Kirche viele wichtige Anregungen erhalten“, sagte Christian Weyer, Superintendent im Kirchenkreis Saar-West. Die kirchengrenzenüberschreitende Synode im Saarland sei ein großer Erfolg.

„In den Workshops wurde sehr interessiert und engagiert gedacht und diskutiert“, betonte Weyer als Sprecher der Steuerungsgruppe, die das Reformationsjubiläum im Saarland geplant hat. Fast 350 Vertreterinnen und Vertreter aus den evangelischen Kirchengemeinden des Saarlandes und interessierte Christinnen und Christen waren am 11. März zum ersten Mal zu einer gemeinsamen Synode zusammengekommen.

Zur Synode hatten die Kirchenkreise Saar-Ost und Saar-West aus der Evangelischen Kirche im Rheinland sowie die Dekanate Homburg und Zweibrücken aus der Evangelischen Kirche der Pfalz in Kooperation mit der Fachrichtung Evangelische Theologie an der Universität des Saarlandes eingeladen. Anlässlich des Reformationsjubiläums ging es unter dem Titel „ecclesia semper reformanda“ auf dem Campus der Universität um die Frage, wie sich die evangelische Kirche verändern muss, um wieder mehr Menschen zu erreichen. 

Grußworte der Ministerpräsidentin und des katholischen Dechanten 

In ihrem Grußwort zu Beginn der Synode dankte die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer den Kirchen, dass das Jubiläum nicht als Folklore-Veranstaltung gefeiert werde. Wichtig sei es, den Blick nach vorne zu richten. Dazu gehöre etwa, sich mit der Frage zu befassen, was es heißt unter den Herausforderungen einer globalisierten Welt  Christ zu sein.

Kirche sei auf eine liberale und säkulare Gesellschaft noch nicht gerüstet, stellte der katholische Dechant von Saarbrücken, Benedikt Welter in seinem Grußwort fest. Umso wichtiger seien solche Veranstaltungen, wie diese Synode.  

Plädoyers für persönlichen Kontakt und differenzierte Gottesdienste

Gearbeitet wurde in vier Workshops, unter anderem mit Reinhard Bingener, Journalist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er sprach sich dafür aus, die Gemeinden vor Ort und auch das Amt des Gemeindepfarrers zu stärken. Wichtig sei, es die Menschen persönlich anzusprechen und nicht nur über Gemeindebriefe. Kirche müsse sich wieder auf ihre Botschaft besinnen, so Bingener. In diesem Workshop wurde auch die Bedeutung von Funktionspfarrstellen etwa in Schulen und Krankenhäusern betont. Thema war auch der Umgang mit den vielen kirchlichen Gebäuden.

Der Musikwissenschaftler Dr. Stefan Reinke aus Itzehoe sprach sich in seinem Workshop für differenzierte Gottesdienstformen aus, um wieder mehr Menschen zu erreichen. Er traf dabei auf offene Ohren bei den Synodalen. In der Diskussion wurde deutlich: Es gibt nicht das eine Modell. Jede Gemeinde müsse dabei für seine Gemeindemitglieder das richtige entwickeln. Mut zur Veränderung sei nötig.   

Regionale Vernetzung und starke Theologie

Der Leiter des Instituts für kirchliche Fortbildung in Landau, Dr. Steffen Schramm, befasste sich mit der Zukunft der Kirche in Staat und Gesellschaft. Wichtig sei eine regionale Vernetzung der Gemeinden mit den Akteuren vor Ort.  „Wir können uns auch als klein gewordener Akteur selbstbewusst zu Wort melden“, betonte Schramm. Dafür müsse Kirche allerdings wissen, wozu sie stehe. Eine Diakonische Kirche mit den Menschen sei gefragt. Nachgedacht wurde auch über alternative Finanzierungsmöglichkeiten neben der Kirchensteuer.

Kirche brauche eine starke Theologie, um in der Kooperation mit anderen gesellschaftlichen Gruppen bestehen zu können. So der Tenor aus dem Workshop zur Zukunft der Theologie mit der Marburger Theologie-Professorin Dr. Ulrike Wagner-Rau. Dabei dürften Zweifel, Fragen und Unsicherheit im Blick auf den Glauben in der Kommunikation der Kirche nicht verschwiegen werden. In der Diskussion wurde dann deutlich, wie wichtig die Freiheit im Umgang mit der Bibel ist. Pfarrerinnen und Pfarrer müssten mit ihren Gemeindegliedern auf Augenhöhe sprechen.

Zum Abschluss der Synode wurden die Ergebnisse aus den Workshops zusammen getragen. Sie sollen nun in die Beratungen der Synoden in den Kirchenkreisen und Dekanaten einfließen. Dort soll dann entschieden werden, auf welchen Ebenen der Kirchen Veränderungsprozesse eingeleitet werden müssen.

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ekir.de / Text und Foto: evks/Helmut Paulus / 13.03.2017



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