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ACK Südwest

Flüchtlingsfrage als Herausforderung für die Kirchen

Dreißig Delegierte der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in der Region Südwest kamen zu ihrer Frühjahrsversammlung in Neustadt an der Weinstraße zusammen. Neben Berichten aus den Mitgliedskirchen stand die Flüchtlingsthematik zur Beratung.

Sowohl die Flüchtlinge, die einer Kirche des Ostens angehören, als auch die große Zahl von Musliminnen und Muslimen, die nach Deutschland fliehen, stellen die Kirchen vor neue Herausforderungen, so die ACK Südwest.

Schätzungen zufolge gehören 10 bis 20 Prozent der Flüchtlinge, die zurzeit in Deutschland Schutz suchen, einer östlichen Kirche an. Grund genug für die Delegierten der ACK-Südwest, sich mit der koptisch-orthodoxen Kirche zu beschäftigen. „Die koptische Kirche als eine der ältesten Kirchen überhaupt ist eine Kirche der Märtyrer“, so der koptisch-orthodoxe Subdiakon Dr. Bishoy Soliman im Blick auf die Verfolgungen von Christinnen und Christen in Ägypten in Vergangenheit und Gegenwart.

Durch die Entstehung des Mönchtums und durch bedeutende Theologen aus ihren Reihen übe die koptische Kirche trotz der Kirchenspaltung im 5. Jahrhundert einen bleibenden Einfluss auf die anderen christlichen Kirchen aus. Seit drei Jahrzehnten nimmt die Zahl koptischer Christinnen und Christen zu, die aufgrund von Repressalien in ihrem Heimatland Ägypten nach Deutschland fliehen.

„Inzwischen gibt es in Deutschland zwei koptisch-orthodoxe Bischöfe und etwa 20 Gemeinden“, fasste Soliman die aktuelle Situation hierzulande zusammen. Der Ansprechpartner für koptische Christinnen und Christen rund um Kaiserslautern nutzte zugleich die Gelegenheit, sich für die große Unterstützung seiner Gemeinde durch andere Kirchen zu bedanken. Für die kommende Zeit wurden weitere Gespräche vereinbart mit dem Ziel einer Vollmitgliedschaft der koptisch-orthodoxen Kirche in der ACK-Südwest.

Theologische Überlegungen zum christlich-islamischen Dialog

In den Beratungen ging es u.a. auch um die Arbeitshilfe der Evangelischen Kirche im Rheinland „Weggemeinschaft und Zeugnis im Dialog mit Muslimen“. Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Leiterin der Ökumene-Abteilung der Evangelischen Kirche im Rheinland, erklärte: „In unserer globalen Welt werden die Religionen zunehmend als Problemfaktor angesehen. Die Arbeitshilfe will jedoch zeigen, dass die Religionen ein Lösungsweg für unsere globalen Probleme sein können.“

Im Zentrum der Broschüre stehe die biblische Botschaft von Gott als dem Vater aller Menschen, der jedem das Leben in Fülle schenken möchte. Bei der Begegnung mit nichtchristlichen Religionen gelte es, „weder das christliche Zeugnis zu verstecken, noch eine strategische Islammission zu betreiben“. Für den Dialog rief Rudolph zu einer „großen Demut“ und zur „Bereitschaft, den eigenen Glaubensmuskel hinterfragen und so stärken zu lassen“, auf.

Für den Vorsitzenden der ACK-Südwest Pastor Dr. Jochen Wagner besteht eine breite Übereinstimmung aller Kirchen darin, Menschen anderen Glaubens „nicht wie früher als Bekehrungsobjekte, sondern als Menschen zu sehen“.

Rückblick auf Busan

Pfarrerin Marianne Wagner, stellvertretende Leiterin des Missionarisch Ökumenischen Dienstes der Pfälzischen Landeskirche und ehemalige Geschäftsführerin der ACK-Südwest, gab persönliche Einblicke in die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) im Herbst 2013. Damals kamen mehr als 4.000 Delegierte der ÖRK-Mitgliedskirchen in der südkoreanischen Stadt Busan zusammen.

Mit dem Motto „Gott des Lebens, weise uns den Weg zu Gerechtigkeit und Frieden“ habe man die Kirchen aus ihrer Selbstgenügsamkeit herausreißen und zum gemeinsamen Zeugnis in einer pluralen Welt motivieren wollen. „Das gelingt aber nur in der Kraft des Gebetes und mit der Bereitschaft, sich selbst verändern zu lassen“, so Wagner.

Eine Frucht dieser Versammlung sei der Klimapilgerweg 2015 gewesen, mit dem sich Christinnen und Christen aller Konfessionen im Vorfeld des Weltklimagipfels in Paris aufgemacht hatten, um für die Bewahrung der Schöpfung einzutreten.

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ekir.de / vis, neu / 16.03.2016



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