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 Gespräche im Landeskirchenamt: Die Weigle-Haus-Pfarrer Rolf Zwick (l.) und David Gabra (2.v.r.), Dr. Tharwat Kades aus Kairo (2.v.l.) sowie Oberkirchenrätin Barbara Rudolph und Kirchenrat Markus Schaefer. Gespräche im Landeskirchenamt: Die Weigle-Haus-Pfarrer Rolf Zwick (l.) und David Gabra (2.v.r.), Dr. Tharwat Kades aus Kairo (2.v.l.) sowie Oberkirchenrätin Barbara Rudolph und Kirchenrat Markus Schaefer.

Ökumene

Nach dem Anschlag in Kairo

Als Tat radikaler Muslime, die den Frieden, die Wirtschaft und den Dialog der Religionen stören wollen, hat der ägyptische Theologe und Islamwissenschaftler Dr. Tharwat Kades den Bombenanschlag auf eine Kirche in Kairo am Sonntag verurteilt. 

Bei dem Anschlag in der ägyptischen Hauptstadt auf eine koptisch-orthodoxe Kirche wurden Medienberichten zufolge 25 Menschen getötet, mehr als dreißig verletzt. Bei einem Besuch im Landeskirchenamt in Düsseldorf erklärte Kades, Leiter des Rates für Ökumene und Dialog der Evangelisch-Presbyterianischen Kirche von Ägypten / Nil-Synode, dass die verschiedenen christlichen Kirchen und die Mehrheit der Muslime heute gut zusammenleben. „Noch Mittwoch haben wir zusammen gefeiert: die Geburt Mohammeds und den Advent“, so Kades. Als Verantwortlicher für Ökumene und Dialog sagte er: „Sie können uns nicht voneinander trennen. Unser Ziel ist der Friede.“

Auf diesem Weg werde Unterstützung gebraucht. Mit radikalen Muslimen sei Dialog nicht möglich, sagte Kades im Gespräch mit Ökumene-Verantwortlichen der rheinischen Kirche. Er setzt auf die Mehrheit von 80 bis 90 Prozent der Menschen in Ägypten, die friedfertig sind.

Oberkirchenrätin verurteilt den Anschlag

„Wir verurteilen den Anschlag und sind sehr in Sorge angesichts der bevorstehenden Festtage“, sagte Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, Leiterin der Abteilung Theologie und Ökumene. Sie freute sich aber auch, von der mehrheitlichen Zahl der Friedfertigen zu hören. Rudolph verwies darauf, dass die im Januar tagende Landessynode, das oberste Entscheidungsgremium der rheinischen Kirche, für den christlichen Sender Sat7, bei dem die Nil-Synode Mitglied ist, sammeln wird.

Muttersprache Arabisch: Die Begegnung von rheinischer Kirche und Nil-Synode und der Besuch von Tharwat Kades im Landeskirchenamt beruhen auf persönlichen Verbindungen: Kades war beteiligt an der Einführung von David Gabra als Pfarrer der rheinischen Kirche am Sonntag in Essen. Kades war sein Mentor und Lehrer. Gabra stammt aus der Nil-Synode und arbeitet heute als Pfarrer im Weigle-Haus in Essen, ist verheiratet mit Pfarrerin Eva Gabra, das Paar hat zwei Kinder. 

Kanzlerin spricht von feigem Verbrechen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den Anschlag auf koptische Christinnen und Christen als "feiges Verbrechen". Auch die Kanzlerin sprach von einem Versuch, das friedliche Zusammenleben der Religionen in Ägypten zu stören und Zwietracht, Hass und Feindschaft in der ägyptischen Gesellschaft zu säen, so die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Montag in Berlin. Man vertraue darauf, dass sich die Bevölkerung nicht auseinanderdividieren lasse.

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Olav Fykse Tveit, verlangte, die Behörden in Ägypten und anderen Ländern müssten Sicherheit für alle Bürger vor grausamen Verbrechen wie in Kairo garantieren. Die Gewalt gegen Christen und auch andere religiöse Minderheiten im Nahen Osten müsse gestoppt werden. Tveit betonte, dass die Kirchen außerhalb des Nahen Ostens ihren bedrohten Glaubensbrüdern zur Seite stehen müssten.

Aufklärung gefordert

Eine entschiedene Reaktion der ägyptischen Regierung forderte der Bischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian. "Wir erhalten zwar viele Worte der Anteilnahme", sagte Damian dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wir erwarten aber, dass die Regierung alles dafür tut, dass der Anschlag aufgeklärt wird und die Täter bestraft werden." Dazu sei bislang nichts von der Regierung zu hören gewesen.

Kirchen und Christen in Ägypten seien immer wieder Opfer von Anschlägen, beklagte der Bischof. So waren in der Neujahrsnacht 2011 bei einer Explosion vor einer Kirche in Alexandria 23 Menschen ums Leben gekommen.

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ekir.de / neu, epd / 12.12.2016



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