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Am 31. Oktober wird an die Erneuerung der Kirche erinnert

Reformation: Allein durch Gottes Gnade ist der Mensch errettet

Pressemitteilung Nr. 107/2011

Ob Martin Luther am 31. Oktober 1517 tatsächlich eigenhändig seine 95 Thesen zum Ablasswesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche hängte, weiß niemand. Unbestritten ist aber, dass mit der Veröffentlichung der Thesen eine Erneuerungsbewegung der Kirche begann, die grundlegend von Martin Luther geprägt und bestimmt wurde. Daran erinnert jährlich der Reformationstag am 31. Oktober. Die Erneuerung des theologischen Denkens und vor allem der Kirche war das Anliegen Luthers und seiner Mitstreiter. Diese Männer des 15. und 16 Jahrhunderts nennen wir heute Reformatoren. Sie stellten die Autorität der Konzile und Päpste auf den Prüfstand des Evangeliums. Sie kritisierten alle Lehren, die sich von den Grundsätzen des Glaubens entfernt hatten, besonders den Verkauf und die Weitergabe von Ämtern, die Erpressung von Abgaben, das wenig fromme Leben des Klerus oder den Verkauf der Sündenvergebung (Ablass).

 
Luther stellte in seinen Thesen unter anderem heraus, dass die Reue des sündigen Menschen ausreiche, damit Gott die Sünden vergibt. Der Erzbischof von Mainz meldete Luthers Ansichten nach Rom, und leitete ein Verfahren gegen ihn ein. Vier Jahre später, im Januar 1521, wurde Martin Luther exkommuniziert, was auch die Reichsacht zur Folge hatte.

In der Zwischenzeit jedoch hatte Luther sich bei etlichen akademischen Disputationen verteidigen müssen und zudem im Jahre 1520 die drei so genannten „Reformatorischen Hauptschriften“ verfasst, in denen er sich an die weltliche Obrigkeit wandte, die Sakramentenlehre kritische untersuchte und die Freiheit eines Christenmenschen bedachte. Luther forderte von den weltlichen Regenten, die Reform der Kirche und sozialpolitische Neuerungen voranzutreiben. Außerdem verlangte er die Abschaffung des Kirchenstaates und das Priestertum aller Getauften sowie die Verringerung der Sakramente auf Taufe, Abendmahl und Buße. Diese Bücher, die Grundlage der späteren lutherischen Kirchen, verbreiteten sich schnell und fanden an vielen Orten Zuspruch. Im weiteren Verlauf der Geschichte musste sich Luther als als Vogelfreier auf der Wartburg verstecken. Hier übersetzte er ab 1521 das Neue Testament aus dem Griechischen und verfasste zahlreiche Predigten und Schriften.

Wittenberg war aber nicht der einzige Ort, an dem reformatorische Ideen entstanden. In ganz Europa gab es viele Reformanstrengungen. Ein weiterer bedeutender Standort war die Schweiz. Die bedeutendsten Reformatoren dort waren Ulrich Zwingli und Johannes Calvin, sie legten die Grundsteine für die späteren reformierten Kirchen. Auch sie beriefen sich auf die Bibel als einzig unfehlbare Instanz und lehnten andere Traditionen ab; Unterschiede zu Luther bestehen vor allem im Verständnis des Abendmahls.
Entscheidende theologische Entdeckung der Reformation, die alle Reformatoren teilten, war die so genannte Rechtfertigungslehre: Gott spricht den Sünder gerecht, ohne dass dieser etwas dafür tun oder bezahlen muss. Die reformatorische Theologie hat diese Lehre mit vier Spitzensätzen beschrieben, die sich jeweils auf ein „Allein“ (lat. sola) gründen:

Allein aus Gnade (sola gratia): Der Gläubige wird durch Gottes Gnade errettet, nicht durch eigene Taten.
Allein aus Glauben (sola fide): Der Mensch ist durch seinen Glauben gerechtfertigt, nicht durch gute Werke.
Allein die (Heilige) Schrift (sola scriptura): Die Heilige Schrift ist Basis allen Handelns, nicht die Tradition.
Allein Christus (solus Christus): Nur das Wirken Christi ist Grundlage für die Errettung des Menschen.

Die reformatorischen Mitglieder des Reichtags (Reichsstände) protestierten 1529 beim Reichstag in Speyer gegen die Acht gegen Luther. Sie forderten die ungehinderte Verbreitung seiner Lehre. Aufgrund dieser Protestaktion nennt man die evangelischen Christen auch Protestanten.

Präses Schneider zum Reformationsfest

Das Reformationsfest gebe allen Grund zum Feiern, sagt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider: „Die Erkenntnisse Martin Luthers haben den Menschen ein neues Verhältnis zu Gott und zu sich selbst ermöglicht. Freiheit ist das entscheidende Stichwort. Gottes Handeln befreit Menschen, indem er uns in Jesus Christus ein menschliches Angesicht gezeigt hat, das wir begreifen können.“ Das hat Konsequenzen, wie Schneider erläutert: „Menschen müssen nicht durch ihre Leistungen mit Gott auf Augenhöhe kommen. Das ist Befreiung aus dem Stress, den wir uns selbst auferlegen. Wer sich an Christus orientiert, der wird aber auch von dem Zwang frei, anderen Stress aufzuerlegen. Denn wer meint, aus eigener Kraft mit Gott auf Augenhöhe verkehren zu können, stellt sich automatisch über seine Mitmenschen.“

So könnten reichen Luthers Erkenntnisse bis zu uns, sagt Schneider: „ Die Orientierung an Jesus Christus ermöglicht, das menschliche Maß zu akzeptieren: die Begrenztheit und die Vergänglichkeit alles Irdischen; die Fehlbarkeit menschlichen Denkens, Planens, Entscheidens und Handelns. Dagegen hilft kein Risikomanagement! Es hilft aber die Fähigkeit zu Umkehr und Neuanfang.“
Ausgewählte Termine aus der Landeskirche
Hinweise zu den Gottesdiensten und Veranstaltungen finden sich auf den Internetseiten vieler Kirchenkreise und -gemeinden. Hier eine Auswahl aus dem Rheinland:

Militärbischof Dr. Martin Dutzmann predigt über Menschenfurcht und Gottesfurcht in der Bonner Reformationsfeier 2011. Dutzmann ist Lippischer Landessuperintendent und Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Gottesdienst wird am 31. Oktober um 19.30 Uhr in der Kreuzkirche am Kaiserplatz in Bonn gefeiert. Das Motto lautet "Achtung, Mensch“. Der Festgottesdienst zum Thema Menschenrechte wird musikalisch gestaltet von Vox Bona, dem Kammerchor der Kreuzkirche unter Leitung von Karin Freist-Wissing.

Martin Luthers Frage „Wie werde ich frei?“ nimmt die zentrale Reformationsfeier in der Johanneskirche, Martin-Luther-Platz 39, in Düsseldorf auf. Unter dem Motto: „Freiheit – ein Erbe der Reformation“ beginnt die Feier um 19 Uhr mit einem Gottesdienst. Superintendentin Henrike Tetz hält die Predigt. Musikalisch gestalten Mitglieder des Aachener Sinfonieorchesters unter der Leitung von Kantor Wolfgang Abendroth mit festlicher Musik für Blechbläserquintett und Orgel den Gottesdienst.

Der Kirchenkreis Duisburg feiert am Reformationstag um 19 Uhr in der Salvatorkirche in der Innenstadt einen zentralen Gottesdienst unter dem Motto „Es gilt ein frei Bekenntnis“. In einem gespielten Dialog wird der Reformator zu seiner „Schrift an die Ratsherren“ befragt, in der dieser den „jämmerlichen Verfall des Bildungswesens“ beklagt. Es predigt Superintendent Armin Schneider.

Außer der klassischen Feier gibt es am Reformationstag von 18 bis 22 Uhr im Kirchenkreis Koblenz auch eine „Churchnight“ für Jugendliche in der Emmelshausener Kirche, Kirchstraße 8. Das Motto lautet „reforMOTION – Evangelische Jugend in Bewegung…“. Gegen 21 Uhr, kurz vor dem Abschlusskonzert, werden feierlich die „95 Emmelshausener Thesen“ mit kirchlichen Reformvorschlägen der Jugend an die Tür der Kirche geschlagen.

"Wege zum Glauben" lautet das Thema der zentralen Reformationsfeier des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region am 31. Oktober ab 18 Uhr in der Trinitatiskirche, Filzengraben 2-4. Die Predigt hält Pfarrer Hans-Hermann Pompe, Leiter des Zentrums "Mission in der Region" der EKD. Pompe wird an den Luther-Satz "Der Gerechte lebt aus dem Glauben" erinnern und ihn in Beziehung zum 21. Jahrhundert setzen. Der Abend in der Trinitatiskirche wird Menschen vorstellen, die ihren Weg zum Glauben und im Glauben gehen.

Die Evangelische Militärseelsorge feiert ihren traditionellen Reformationsgottesdienst in Nordrhein-Westfalen bereits am Donnerstag, 27. Oktober, im Altenberger Dom um 10 Uhr. „Reformen als Zukunftschance nutzen“: Unter diesem Motto steht die Predigt von Dr. Günther Beckstein, ehemaliger Bayerischer Ministerpräsident und Vizepräses der Synode der EKD. Die Militärseelsorge erwartet rund 500 Soldaten aus 11 Standorten.

In die Martinskirche nach Köllerbach, Sprenger Straße 24, lädt der Evangelische Kirchenkreis Saar-West für Montag, 31. Oktober, um 18 Uhr zu einem zentralen Reformationsgottesdienst ein. Es predigt Superintendent Christian Weyer. In einer der ältesten Kirchen des Saarlandes ist dann auch das wachsende Altartuch der Köllerbacher Künstlerin Katharina Krenkel zu sehen. In einem Projekt des Kirchenkreises in der Reformationsdekade wandert das Kunstwerk noch bis Ende des Jahres durch die Gemeinden.

„Segensflieger“ als bundesweite Aktion

Bundesweit wird am Reformationstag unter dem Titel „Segensflieger“ zu einer Aktion eingeladen, um den Glauben ins Gespräch zu bringen. Von zentralen Orten sollen am 31. Oktober um 15.17 Uhr im Gedenken an das Jahr 1517 und den Thesenanschlag Martin Luthers Papierflieger mit Segensworten losgeworfen werden. Über das Internet können sich Menschen verabreden, um „dem Wort auf neue Weise Flügel zu verleihen“, erklärt Schirmherrin Katrin Göring-Eckardt, Präses der EKD-Synode. Vom Kirchturm, dem Rathaus, dem Feuerwehrturm oder einem anderen Ort aus können Menschen so einen geistlichen Gruß an ihre Mitmenschen fliegen lassen. „Wir wollen mit diesen ‚Flashmobs‘ das Evangelium auf überraschende, ansprechende Weise im öffentlichen Raum kommunizieren“, so Göring-Eckardt. Unter einem Flashmob versteht man eine scheinbar spontane, öffentliche Aktion, zu der sich Menschen über das Internet verabreden. Auf der Internetseite www.ekd.de/segensflieger finden sich Tipps für die Umsetzung.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 28. Oktober 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 28. Oktober 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

Düsseldorf / EKiR-Pressestelle / 28.10.2011



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