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„Schenke mir ein hörendes Herz“

Im Traum hört König Salomo die Stimme Gottes, die ihn auffordert: „Bitte mich um etwas, was ich dir geben soll.“ Was, wenn Gott uns die Frage stellt, die er dem Salomo nach der biblischen Überlieferung aus dem 1. Buch der Könige stellt? Mit dieser Frage lotste Claudia Janssen die Synodalen in ihre Andachtsgedanken.

 

Salomo, so berichtete die Professorin für Feministische Theologie/Theologische Geschlechterforschung an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel (KiHo), bat Gott: „Schenke mir ein hörendes Herz.“ Das wünschte er sich, um im Volk Recht sprechen und zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können.

Ein Herz, das hört? „Das Herz ist in der biblischen Anthropologie das Zentrum des Menschen, der Sitz des Denkens und Verstehens. Die Emotionen, die Gefühle, die wir heute mit dem Herz verbinden, sind im Bauch angesiedelt, in den Eingeweiden“, so Claudia Janssen. „Der Kopf wird eher kritisch gesehen, mit ihm verbinden sich keine intellektuell-rationalen Fähigkeiten, sondern vor allem die Begrenztheiten menschlichen Seins, Herrschaft und Macht. Salomo wünscht sich ein hörendes Herz, also einen wachen Verstand. Dazu gehören auch Mitgefühl  und die Bereitschaft auf die Nöte anderer zu hören.“

Salomo wünschte sich ein hörendes Herz. „Ist das eine so besondere Gabe, die nur wenigen herausragenden Gestalten der biblischen Geschichte zu eigen ist? Oder lässt es sich auch lernen, mit der ganzen Existenz ein Hörender, eine Hörende zu sein, mit wachem Verstand in die Welt zu gehen, Gottes Gebote zu befolgen und das umzusetzen, was aus dieser Perspektive nötig und gerecht ist?“ fragte Janssen.

Für sie selbst jedenfalls bedeute Theologie zu lehren, im umfassenden Sinne Herzensbildung zu vermitteln. Und wie das nicht nur zu Zeiten Salomos gut zu gebrauchen war, sondern es heute auch noch ist, legte sie anschaulich dar – am Beispiel einer Studienwoche an der KiHo im vergangenen Dezember.

 

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ekir.de / jpi / 09.01.2018



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