Hospizarbeit Ein-Euro-Jobs gibt es in vielen Arbeitsfeldern. Ihr Gewinn besteht auch in sozialer Teilhabe.

Studie "Endstation Arbeitsgelegenheit!?"

Weil Arbeit zum Mensch-Sein gehört

Nie standen die Chancen von Langzeitarbeitslosen schlechter, endlich wieder Arbeit zu finden. Dabei ist Arbeit Teilhabe.  Das wird in der wissenschaftlichen Studie "Endstation Arbeitsgelegenheit!?" deutlich, die heute veröffentlicht wurde.

Dabei hat der Arbeitsmarkt schon schlechtere Tage gesehen, die Arbeitslosenquote ist im europäischen Vergleich besonders niedrig. Dagegen aber steht die verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit. "Arbeit gehört zum Mensch-Sein", fordert Präses Manfred Rekowski. Gemeinsam mit dem Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann stellte er heute die Studie über Teilhabeperspektiven in "Ein-Euro-Jobs" vor. Die Studie stammt vom Institut für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz (ibus), in Kooperation mit der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), der Evangelischen Kirche der Pfalz, der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau und der Aktion Arbeit des Bistums Trier.

Nötig ist ein "inklusiver Arbeitsmarkt", dieser Perspektive von ibus-Direktor Professor Dr. Stefan Sell schließen sich Präses und Bischof in ihrem gemeinsamen Vorwort zur Studie an. Gebraucht werden also auch sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Vermittlungshemmnissen. Präses und Bischof fordern die Politik auf, Langzeitarbeitslose zu fördern.

Hemmnisse überwinden

Damit eine sog. Arbeitsgelegenheit, ein Ein-Euro-Job, eben keine Endstation ist, gibt es einfache Möglichkeiten, macht die Studie deutlich. Die "Vermittlungshemmnisse" lassen sich benennen: Beispiel Lese-, Schreib- und Ausdrucksfähigkeit. Nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund brauchen Jobs, durch die sie schriftlos durchkommen - oder eben die Chance, an dieser Stelle nachzulernen. Beispiel Qualifikation: Ein "Holzbearbeiter" ist kein Tischler, da fehlt der Gesellenbrief.

Fehlende und veraltete Qualifikationen, aber auch fehlende Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsausbildungen und -erfahrungen hemmen Zugänge zu Arbeit, so die Studie. Chronische Erkrankungen wie Rheuma und ein fehlender Führerschein sind weitere Beispiele. Nicht zuletzt die Langzeitarbeitslosigkeit selbst wird zum Verhängnis: Wer nicht arbeitet, gerät quasi automatisch in einen "Dequalifizierungsprozess", verlernt berufliches Wissen und Können durch Nichtanwendung.

Tagesstruktur wiedererlernen, Chancen ergreifen

"Vermittlungshemmnisse" sind überwindbar. Die Studie belegt das an Beispielen: Eine 30-jährige Frau, depressiv erkrankt, sechs Jahre ohne Arbeit, tut sich in der Arbeitsgelegenheit anfangs schwer, kommt wiederholt zu spät oder schwänzt. Doch die Mitarbeiter des Trägers "suchen das Gespräch mit ihr", bieten Unterstützung, erinnern auch an die Pflicht zu regelmäßiger und pünktlicher Teilnahme. Sie Sache gelingt, die junge Frau schafft es, wieder ins Leben einzusteigen.

Noch ein Beispiel: Eine Mittfünfzigerin schließt an die Arbeitsgelegenheit im Pflegebereich sogar eine Zeit der ehrenamtlichen Mitarbeit beim Träger an, darauf folgt wiederum ein Qualifizierungsangebot als Demenzbetreuerin, dann Minijob und schließlich Aufstockungsangebot. Arbeitsgelegenheiten ebnen neuen beruflichen Perspektiven den Weg, so die Studie. Und: "Teilnahme an Arbeitsgelegenheiten kann Teilhabe in verschiedenen Dimensionen vermitteln."

Rettungsanker aus dem tristen Alltag der Arbeitslosigkeit

Ein-Euro-Jobs wurden nicht zum ersten Mal untersucht. Allerdings, stellt diese Studie klar, geht es hier nicht darum zu messen, ob sie als Sprungbrett in normale, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze funktionieren. Nein, hier ist sehr wohl auch im Blick, dass Ein-Euro-Jobber ohne grundlegende Arbeitnehmerrechte dastehen, keinen Lohn erhalten und auch nur befristet beschäftigt werden. "Für die Teilnehmer hat die Arbeitsgelegenheit aus subjektiver Sicht jedoch eine ganz andere Bedeutung", wie es in der Studie heißt. Danach ist der Ein-Euro-Job ein Rettungsanker. Dem tristen Alltag der Arbeitslosigkeit entkommen. Soziale Teilhabe erleben.

Stichwort Inklusion: Für die meisten werde der reguläre Arbeitsmarkt unerreichbar bleiben, so die Studie, die zugleich dafür plädiert, öffentlich geförderte Beschäftigung neu zu gestalten, durch individuelle Förderung mittel- und langfristige Teilhabechancen zu eröffnen.

Präsentierten die Studie Präsentierten die Studie "Endstation Arbeitsgelegenheit!?" (v.r.): Bischof Ackermann, Prof. Sell, seine Mitarbeitenden Tim Obermeier und Kathrin Schultheis sowie Präses Rekowski.

"Wir können es uns als Gesellschaft nicht leisten, dass Menschen  dauerhaft ,abgehängt' werden", betonte Präses Manfred Rekowski bei der Präsentation der Studie in Trier. Prof. Sell verlangte Beschäftigungsangebote "ganz unten" und "ganz außen". Außerdem forderte er eine systematische Nachbetreuung beim Übergang in die Erwerbstätigkeit. Die Befristung müsse "konsequent einzelfallbezogen" gehandhabt werden. Bischof Ackermann sagte über das Projekt, bei dem Betroffene systematisch interviewt worden sind: "Hier wird den Menschen ins Gesicht geschaut."

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 22. Mai 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 23. Mai 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 22.05.2013



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