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100 Jahre Genozid an Armeniern

Präses versichert armenische Kirche des Mitleidens

Die Evangelische Kirche im Rheinland versichert die Armenische Kirche ihres Mitleidens. „Mit Ihnen gedenken wir des Beginns des Genozids an dem armenischen Volk“, schrieb Präses Manfred Rekowski an den Primas der Diözese der Armenischen Kirche in Deutschland.

Vor 100 Jahren, am 24. April 1915, begann der Genozid an Armenierinnen und Armeniern, begann auch die systematische Verfolgung syrischer und griechischer Christinnen und Christen. Die Folgen des Völkermords haben auch die Überlebenden traumatisiert, erinnert Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, weiter in seinem Brief an Erzbischof Karekin Bekdjian. Die Leugnung des Genozids laste „wie ein zweiter Genozid auf dem armenischen Volker und der armenischen Kirche“.

Die Kirchenleitung habe des Völkermords gedacht, so Rekowski. Sie sehe ihre Verantwortung darin, das Gedächtnis der Ermordeten wach zu halten und ihnen in christlicher Gemeinschaft nahe zu sein. Der Präses wird zusammen mit der NRW-Landtagspräsidentin den Erzbischof im November an seinem Amtssitz in Köln besuchen.

"Auch Kirchenleitungen und Missionsgesellschaften schauten weg"

„Wir feiern diesen Gottesdienst in ökumenischer Gemeinschaft, weil wir alle Glieder am einen Leib Jesu Christi sind und deshalb auch die Last der Trauer gemeinsam tragen", sagte am Vorabend des 100. Jahrestages des Beginns des Völkermords der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom. Dazu hatten die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), die armenische Apostolische Kirche und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) zur Erinnerung an den Völkermord an Armeniern, Aramäern, Assyrern und Pontos-Griechen eingeladen.

Der Landesbischof sprach auch von Deutschlands Verantwortung am Genozid. Die Mitschuld bestehe im WEgsehen der Diplomaten, Militärs und Politiker gegenüber den Tätern, den Verbündeten des Deutschen Reichs im Ersten Weltkrieg. Ebenso wenig dürfe verschwiegen werden, dass evangelische Kirchenleitungen und Missionsgesellschaften damals "genau Bescheid wussten, dass sie aber dennoch wegschauten und untätig blieben".

Der DBK-Vorsitzende Erzbischof Reinhard Kardinal Marx sprach im Gottesdienst in Berlin jetzt von einer "Chronik der Unmenschlichkeit". Das "große Verbrechen, wie die Armenier sagen, sei ein Menschheitsverbrechen gewesen, so Marx.

Bundespräsident Joachim Gauck erinnerte im Berliner Dom gleich nach dem Gottesdienst: "Unterschiedslos wurden Frauen und Männer, Kinder und Greise verschleppt, auf Todesmärsche geschickt, ohne jeden Schutz und ohne jede Nahrung in Steppe und in Wüste ausgesetzt, bei lebendigem Leibe verbrannt, zu Tode gehetzt, erschlagen und erschossen." Klar sei: "Das Schicksal der Armenier steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen, ja der Völkermorde, von der das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist."

Arbeitshilfe "Er hört auf mein Klagen"

Die ACK ruft alle Christinnen und Christen dazu auf, an diesem Tag der schrecklichen Ereignisse im Gebet zu gedenken und Zeichen der Solidarität mit der Armenisch-Apostolischen Kirche zu setzen. Die ACK Deutschland hat die Arbeitshilfe „Er hört mein Klagen (Psalm 55,18)“ mit Texten und Gebeten zum Gedenken an 100 Jahre Völkermord an den Armeniern veröffentlicht.

Schätzungen zufolge wurden 1,5 Millionen Menschen zwischen 1915 und 1922 im damaligen Osmanischen Reich ermordet. Viele Tausende wurden aus ihrer Heimat in der heutigen Türkei vertrieben. Zugleich wurden mehr als 2.000 Kirchen, Klöster, Friedhöfe, Schulen und Wohlfahrtseinrichtungen der in Armenien ansässigen Kirchen enteignet, beraubt und zerstört.

 

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ekir.de / neu / 23.04.2015



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