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Leistungssätze für Asylbewerbende

Menschenunwürdig wenig

Asylsuchende erhalten 224,97 Euro pro Monat, die Summe gilt seit zwanzig Jahren. Viel zu wenig für ein menschenwürdiges Leben, findet der Leiter der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn.

Dr. Hidir Celik leitet die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn / Integrationsagentur. Dr. Hidir Celik leitet die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn / Integrationsagentur.

Dr. Hidir Celik im ekir.de-Interview über den 20. Juni, den Weltflüchtlingstag, und die gerichtliche Klärung des Asylbewerberleistungsgesetzes.

Wie sieht die momentane Lage aus?

Schon vor zwei Jahren hat die Bundesregierung angekündigt, das Asylbewerberleistungsgesetz zu überprüfen, aber geschehen ist nicht viel: Eine rechtskräftige Entscheidung liegt noch immer nicht vor. Es sind verschiedene Klagen gegen das Asylbewerberleistungsgesetz anhängig. Und morgen – passend zum Internationalen Tag des Flüchtlings - findet die mündliche Verhandlung über die Höhe der Leistungssätze für Asylsuchende vor dem Bundesverfassungsgericht statt.

Was fordern Sie?

Wir erwarten die Erhöhung der Leistungen auf Hartz-IV-Niveau. Dazu sollen die Flüchtlinge den neu festgelegten und höheren Satz alle in bar erhalten. Heute ist es so, dass je nach Kommune die Flüchtlinge ein geringes Taschengeld und daneben entweder Gutscheine für Lebensmittel oder auch noch Lebensmittelpakete erhalten.

Was sind die größten Probleme für die Asylsuchenden?

Familien mit Kindern trifft es am schlimmsten. Da gibt es kein Geld für einen Sportverein, die Bibliothek oder irgendeine Veranstaltung, das können sich diese Familien einfach nicht leisten. Dass niemand krank werden darf beziehungsweise krank nicht zum Arzt geht, weil die Praxisgebühr nicht bezahlt werden kann, ist leider auch Alltag.

Warum brauchen Asylsuchende mehr Geld?

Um ihnen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Dabei hat das immer noch wohlhabende Deutschland auch eine Verantwortung. Wir sollten die Flüchtlinge als Potenzial sehen für unsere alternde Gesellschaft. Wir sollten sie als Chance betrachten. Integration ist mit 224 Euro nicht zu leisten. Aber Integration ist auch eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 19. Juni 2012. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 19. Juni 2012. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / pas / 19.06.2012



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