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Panorthodoxes Konzil

Fragen an Metropolit Augoustinos

Herr Metropolit, Sie sind als Delegierter zum Panorthodoxen Konzil berufen worden. Die meisten evangelischen Christinnen und Christen wissen sicher nicht viel bzw. gar nichts darüber. Können sie uns einen kurzen Einblick geben, wann und wo es stattfindet, wer daran teilnehmen wird und welche Bedeutung es für die Orthodoxie hat?

Das Panorthodoxe Konzil – wir nennen es das „Große und Heilige Konzil der Orthodoxen Kirche“ – wird seit vielen Jahrzehnten vorbereitet. Die Idee zur Abhaltung dieses Konzils, das die Herausforderungen für die Kirche in einer sich wandelnden Welt aufgreifen soll, geht eigentlich sogar schon auf den Beginn des 20. Jhs. zurück. Nun haben sich nach einem langwierigen präkonziliaren Abstimmungs- und Vorbereitungsprozess Anfang des Jahres 2016 die Vorsteher der 14 autokephalen Kirchen darauf verständigt, es vom 16.-27. Juni 2016 auf der Insel Kreta stattfinden zu lassen. Teilnehmen werden bischöfliche Vertreter sowie Berater aus diesen 14 orthodoxen Kirchen, also aus den Patriarchaten Konstantinopel, Alexandrien, Antiochien, Jerusalem, Moskau, Belgrad, Bukarest, Sofia und Georgien sowie den Kirchen von Zypern, Griechenland, Polen, Albanien, Tschechien/Slowakei. (Dass im Augenblick die Teilnahme einiger dieser Kirchen wieder unsicher erscheint, ändert nichts an der Beschlusslage vom Januar und am Auftrag des Ökumenischen Patriarchen, das Konzil einzuberufen.)

Für die weltweite Orthodoxe Kirche ist dieses Konzil in ganz besonderer Weise ein Ausdruck ihrer synodalen Struktur, die eine kollegiale und kollektive Leitung vorsieht.

 

Welche Themen werden verhandelt? Wie wurden Sie vorbereitet?

6 Themen sind von einer ursprünglich längeren Themenliste ausgewählt worden, für die Textvorlagen vorbereitet und einstimmig verabschiedet wurden, die in Kreta diskutiert werden sollen. Es sind dies:

1- Der Auftrag der Orthodoxen Kirche in der heutigen Welt

2- Die Orthodoxe Diaspora

3- Die Autonomie und die Art und Weise ihrer Verkündigung

4- Das Mysterium (Sakrament) der Ehe und die Ehehindernisse

5- Die Bedeutung des Fastens und seine Beachtung heutzutage

6- Die Beziehungen der Orthodoxen Kirche zur übrigen christlichen Welt

(Lediglich beim 4. Thema über die Ehe konnte bislang keine – eigentlich erforderliche – Einstimmigkeit erreicht werden.)

Da sich die Orthodoxe Kirche als eine Kirche mit einem gemeinsamen Glauben, aber auch einer gemeinsamen Kirchenordnung und einem gemeinsamen Kirchenrecht versteht, sind dies Themen, die auch letzteren Bereich betreffen. Die Einheit der Orthodoxie ist uns wichtig, deswegen wollen wir auch in diesen vielleicht vermeintlich organisatorischen oder rechtlichen Fragen einen gemeinsamen Weg gehen.

 

Wie werden sich die Ergebnisse auf die orthodoxen Gemeinden in Deutschland auswirken und was bedeutet das Panorthodoxe Konzil für die Ökumene?

Die „Beziehungen der Orthodoxen Kirche zur übrigen christlichen Welt“ betreffen natürlich unsere Gläubigen in Deutschland, die hier mit Christinnen und Christen aus den anderen Kirchen Tür an Tür und Wand an Wand leben. Eine der Aufgaben des Konzils wird es sein, die literarische Gattung eines solchen Dokuments zu klären: Handelt es sich sozusagen um ein überfälliges Ökumenismus-Dekret der Orthodoxen Kirche oder eher um eine programmatische Absichtserklärung für die Ökumene (oder gar gegen die Ökumene, wie dies manche Hardliner fordern)?

 

Haben Sie besondere Interessen, die sie in die Verhandlungen einbringen wollen?

Natürlich ist das 2. Thema („Die Orthodoxe Diaspora“) etwas, was mich als Vorsitzenden der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD), einer Institution also, die über 1,5 Millionen Gläubige in Deutschland umfasst, besonders interessiert. 2010 wurde die OBKD als Provisorium gegründet mit der Hoffnung bis zum Konzil eine dauerhafte und kirchenrechtlich wasserdichte Lösung für das Miteinander orthodoxer Christinnen und Christen mit unterschiedlicher Herkunft zu schaffen. Nun hat sich aber gerade das Provisorium als gangbare Lösung erwiesen, gerade auch in Deutschland. Ohne den Ergebnissen der Konzilsberatungen vorgreifen zu wollen, glaube ich deshalb, dass man das Erfolgsmodell der Orthodoxen Bischofskonferenzen, die es in vielen Regionen der Welt gibt nicht ohne weiteres aufgeben wird.

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ekir.de / vis / 17.06.2016



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