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Gruppenarbeit im Garten des Hackhauser Hofs in Solingen während des Vorbereitungsseminars für Auslandsfreiwilligendienste. Gruppenarbeit im Garten des Hackhauser Hofs in Solingen während des Vorbereitungsseminars für Auslandsfreiwilligendienste.

Auslandsfreiwilligendienst

Etwas anderes sehen

Die eine schreibt in dieser Woche in Wuppertal ihre Abiturklausuren, die andere sitzt am Bachelor-Abschluss Materialwissenschaften in Aachen. Im September beginnen die 18- und die 21-Jährige ihren Auslandsfreiwilligendienst in St. Petersburg.


Anne Myrell (l.) und Maria Scheller werden im September für ein Jahr nach St. Petersburg gehen. Anne Myrell (l.) und Maria Scheller werden im September für ein Jahr nach St. Petersburg gehen.

Ein Jahr Russland. Ein Jahr Arbeit mit Menschen mit Behinderung. "Aus Neugier. Weil ich es noch nie gemacht habe." So erläutert Abiturientin Maria Scheller, warum sie sich für diese Arbeit beworben hat. Sie habe in Deutschland noch kaum Berührungspunkte mit Menschen mit Behinderung gehabt. "Da dachte ich, das ist interessant."

Nein, die Abiklausuren füllen ihr Leben nicht aus. Als Anfang Februar klar war, sie geht ein Jahr nach Russland, hat sie sofort einen Volkshochschulkurs Russisch begonnen. Jetzt kann sie "bis Hundert zählen, Hallo und Tschüss sagen, und ein bisschen Essenssachen".

Anne Myrell, unter den 30 Teilnehmenden des aktuellen Vorbereitungsseminars für den Auslandsfreiwilligendienst im Hackhauser Hof die älteste, studiert an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, wohnt im ESG-Wohnheim. Auch sie hat bisher noch keine Erfahrung in der Behindertenarbeit. Aus einem Job im Krankenhaus bringt sie die Erlebnisse mit Menschen mit Einschränkungen mit. Sie sagt: "Ich habe nun ein paar Jahre studiert und möchte jetzt etwas anderes sehen und mehr mit Menschen zu tun haben."

Ulrike Sandner und Thomas Franke (r.) von der Arbeitsstelle Auslandsfreiwilligendienste mit Kirchenrat Dr. Stefan Drubel. Ulrike Sandner und Thomas Franke (r.) von der Arbeitsstelle Auslandsfreiwilligendienste mit Kirchenrat Dr. Stefan Drubel.

Bindung über das Jahr hinaus

Der für den Auslandsfreiwilligendienst zuständige Kirchenrat Dr. Stefan Drubel sagt: „Er ist ein wichtiges Glied in unserer evangelischen Bildungskette als Angebot für junge Menschen nach der Jugendarbeit.“ Er schaffe „langfristige Bindung über das Jahr im Ausland hinaus, nicht nur der jungen Freiwilligen, sondern auch von deren Familien und Freundeskreisen, die sie für den Auslandsaufenthalt aufbauen“.

Die Arbeitsstelle für Auslandsfreiwilligendienste entsendet 60 junge Menschen jährlich: 30 über das Programm „Internationale Jugendfreiwilligendienste“ nach West- und Osteuropa, Israel und in die USA, weitere 30 über „weltwärts“ nach Argentinien, Chile und Nicaragua.

So sei der Auslandsfreiwilligendienst gelebte Partnerschaftsarbeit mit den Partnerkirchen der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) vor allem in den USA, aber auch in Frankreich, England oder Rumänien, so Drubel, Leitender Dezernent für außerschulische Bildung in der Bildungsabteilung des Landeskirchenamts. Seit diesem Monat ist die Evangelische Arbeitsstelle Auslandsfreiwilligendienste, hervorgegangen aus der Arbeitsstelle Kriegsdienstverweigerung, Zivildienst, Freiwillige Friedensdienste, neu in den Räumen der Evangelischen Jugendbildungsstätte Hackhauser Hof in Solingen angesiedelt.

Vorbereitungsseminar für den Auslandsfreiwilligendienst. Vorbereitungsseminar für den Auslandsfreiwilligendienst.

Genuin kirchliche Aufgabe

Die Entsendestelle der EKiR für internationale Freiwilligendienste hat zwei pädagogische Mitarbeitende, Thomas Franke, der die Dienststelle auch leitet, und Ulrike Sandner, sie leiten beispielsweise jetzt das dreitägige Seminar. Die jungen Leute bereiten sich hier auf ihre Zeit in den USA und Großbritannien, in Frankreich und Israel. Oder beispielsweise Russland.

Ein Freiwilligenjahr im Ausland. Das ist auch „ein aktiver Friedens- und Versöhnungsdienst, vor allem in Israel, aber auch an allen anderen Orten, in denen junge Menschen sich in sozialen Projekten engagieren“, so Drubel. Und so ist klar, Auslandsfreiwilligendienst ist „eine genuin kirchliche Aufgabe, da er unsere Vorgaben der Ökumene und des Engagements für den Frieden mit den Interessen junger Menschen zusammenbringt“.

Ukraine-Krise natürlich ein Thema

Maria Scheller und Anne Myrell – sie hatte zwischen Abitur und Studienbeginn einmal Russland bereist - sind grundoptimistisch, dass sie die derzeitige politische Großwetterlage nicht treffen wird. Auch wenn Russland und die Ukraine natürlich ein Thema sind.

Für die Auslandsfreiwilligendienst habe sie sich nur bei der rheinischen Kirche beworben, erzählt Maria Scheller. Die 18-jährige fand es „riskant“, nicht mehrere Eisen im Feuer zu haben. „Aber es hat funktioniert.“ Auch Anne Myrell weiß, dass es „unendlich viele Entsendeorganisationen“ gibt, wählte die rheinische Kirche, „weil ich gläubig bin und weil es Kirche ist“.

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ekir.de / neu / 28.04.2014



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