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Presbyter Andrzej Theobald kümmert sich um die Martinskirche in Waldlaubersheim, Das Gotteshaus ist gleichzeitig Autobahnkirche und Gemeindekirche der Kirchengemeinde Stromberg im evangelischen Kirchenkreis An Nahe und Glan. Presbyter Andrzej Theobald kümmert sich um die Martinskirche in Waldlaubersheim. Das Gotteshaus ist gleichzeitig Autobahnkirche und Gemeindekirche der Kirchengemeinde Stromberg.

Autobahnkirche

Seelenrastplatz Nummer 8

Rund 100 Autobahnkirchen in Deutschland laden Reisende zu einer Atempause ein. Eine der ersten – im Verzeichnis der Autobahnkirchen mit der Nummer 8 aufgeführt –  ist die evangelische Martinskirche in Waldlaubersheim. Seit 25 Jahren machen hier Reisende halt, die auf der A 61 unterwegs sind. 

Die Martinskirche gehörte zu den ersten Gotteshäusern, die als Autobahnkirchen im bundesdeutschen Verkehrswegenetz ausgewiesen wurden. Sie war eine Pionierin und hatte zeitweise sogar einen eigenen Pfarrer oder eine Pfarrerin. Gleichzeitig dient sie auch als Gemeindekirche der Evangelischen Kirchengemeinde Stromberg. Pfarrer Joachim Deserno hält hier alle zwei Wochen Gottesdienst. Als die Gemeinde kürzlich das 25-jährige Bestehen des Gotteshauses als Autobahnkirche feierte, war das auch ein Fest für ein Erfolgsmodell.

„Hierher kommen Menschen, die sonst fast nie eine Kirche betreten“, erklärt Deserno. Eine Studie der Katholischen Hochschule Freiburg gibt ihm Recht. Nach deren Erkenntnissen suchen Reisende hier neben der Andacht vor allem Ruhe. Sie ist ihnen eine Unterbrechung ihrer Autofahrt für zehn Minuten wert. So lange – auch das haben die Wissenschaftler ermittelt – verbringen Besucher durchschnittlich in einer Autobahnkirche.

In der Martinskirche gibt's Stille ohne Grundrauschen

Die Stille im Kirchenraum wird von Besuchern der Autobahnkirche Waldlaubersheim besonders geschätzt. Die Stille im Kirchenraum wird von Besuchern der Autobahnkirche Waldlaubersheim besonders geschätzt.

„Vor 25 Jahren haben wir noch nicht gewusst, was wir den Besuchern anbieten können“, erinnert sich Joachim Deserno. „Aber wir haben intuitiv ins Schwarze getroffen.“ Er meint damit die Ausstattung des Kirchenraums mit einem Gästebuch, einer Meditationsecke und einem Kerzenständer. Die Anregung kam damals von Ulrich Schilling, seinerzeit Presbyter aus Waldlaubersheim, Winzer, Selbstvermarkter und Vielfahrer. „Er hatte die Idee, aus unserer Dorfkirche eine Autobahnkirche zu machen“, erläutert Deserno.

Die zwischen Weinbergen eingebettete Kirche hat besonderen Charme. Teile ihres Turms stammen aus dem Jahr 1190, sein Helm aus der Spätgotik und das dreischiffige Langhaus aus dem 19. Jahrhundert. Anders als in direkt an der Autobahn gelegenen Gotteshäusern, in denen sich der Verkehrslärm zu einem beständigen Grundrauschen vereinigt, herrscht hier Stille. 

Viele der Reisenden hinterlassen Spuren: Ihre Anliegen, Sorgen und Bitten in verschiedenen Sprachen füllen jedes Jahr einen dicken Band. Viele der Reisenden hinterlassen Spuren: Ihre Anliegen, Sorgen und Bitten in verschiedenen Sprachen füllen jedes Jahr einen dicken Band.

Viele der Reisenden, die sich eine Auszeit in der Martinskirche gönnen, hinterlassen Spuren. Ihre Anliegen, Sorgen, Nöte und Bitten füllen jedes Jahr einen dicken Band. In vielen Sprachen – polnisch, niederländisch, russisch, japanisch - sind sie meist in Gebetsform abgefasst, die Skala der Anreden reicht von „Allmächtiger Gott“ bis zu „Hallo Gott“ und stets folgt eine ganz besondere, freudige und manchmal auch erschütternde Botschaft.

Autobahnkirchen sind „Dankstellen“

„Man bezeichnet Autobahnkirchen auch als Tankstellen für die Seele“, sagt Pfarrer Deserno. „Man kann sie aber auch ‚Dankstellen‘ nennen, denn die meisten Einträge im Gästebuch sind Worte des Dankes.“ „Die Martinskirche wird von Menschen aller Konfessionen, Religionen und Kulturen besucht“, berichtet Presbyter Andrzej Theobald, der sich besonders um die Autobahnkirche kümmert.

Evangelische und katholische Christen heften Gebetsanliegen an das Kreuz im Seitenschiff nahe des Eingangs, orthodoxe entzünden Kerzen vor der Ikone in der Seitenkapelle und Theobald hat auch schon beobachtet, wie ein Fernfahrer aus Osteuropa muslimischen Glaubens hier einen Teppich entrollte und sein Gebet verrichtete.

Theobald und Küsterin Brigitte Paulus führen im Lauf des Jahres viele interessante Gespräche mit Besuchern. Ein besonderes Erlebnis hatte die Organistin der Gemeinde. Dr. Karin Althaus-Grewe schildert die Begegnung mit einer Bikergruppe, die um  Orgelbegleitung für einen Choral bat: „20 kräftige Männer sangen kraftvoll und schön und baten Gott um Bewahrung auf der Fahrt mit ihren Motorrädern.“

Die Autobahnkirche Waldlaubersheim ist täglich von 8 bis 21 Uhr geöffnet. Sie ist erreichbar von der A 61 zwischen Koblenz und Bingen über einen ausgeschilderten Weg durch das Dorf. 

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ekir.de / Marion Unger, Fotos: Marc Unger / 03.08.2016



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