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Autobahnkirche St. Paul in Wittlich Autobahnkirche St. Paul in Wittlich

Am 28. Juni ist Tag der Autobahnkirchen

Ein Rastplatz für die Seele

An manchen Rastplätzen gibt es nicht nur Benzin fürs Auto, etwas zu essen und eine Toilette – sondern auch eine Erfrischung für die Seele. Insgesamt 43 Autobahnkirchen gibt es im bundesdeutschen Autobahnnetz - Orte der Ruhe mitten im Unterwegssein.

Sie liegen nicht weiter als einen Kilometer von einer Autobahnausfahrt entfernt und laden ein zur meditativen Einkehr und zum Innehalten, zur Ruhe vorm Verkehrgetöse. Drei der Autobahnkirchen und -kapellen mit evangelischer Beteiligung liegen auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland. Am Sonntag, 28. Juni, ist Tag der Autobahnkirchen.

An der Raststätte Geismühle Ost bei Krefeld-Oppum finden Reisende einen dieser besonderen Orte zum Auftanken. Gleich hinter dem Rastplatz, ein wenig versteckt und von Buschwerk umgrenzt, liegt die Autobahnkapelle Geismühle. Ihr abfallendes Dach, die Dreiecksform des Innenraums und ein kleiner Teich vor der Fensterfront geben ein Gefühl der Ruhe und Geborgenheit.

"Die Kapelle hat den Charakter eines Raums der Stille", sagt Pfarrer Volker Hülsdonk, dessen Evangelische Kirchengemeinde Oppum die denkmalgeschützte Kapelle betreut. "Sie wird von Reisenden und Fernfahrern besucht, manchmal auch von Radtouristen, da sie auch an einer hiostorischen Windmühle liegt, die man von Oppum her anfahren kann", erzählt Hülsdonk weiter.

Besucherinnen und Besucher können hier Ruhe und Entspannung finden. Natürlich lädt der Ort zum Beten ein. Man kann eine Kerze anzünden oder Gedanken und Wünsche dem ausliegenden Fürbittenbuch anvertrauen.

Durchschnittlich zehn Minuten Aufenthalt

Durchschnittlich zehn Minuten dauert ein Aufenthalt in einer Autobahnkirche, fand eine Studie des Zentrums für kirchliche Sozialforschung an der Katholischen Hochschule Freiburg heraus. Wer sie betritt, ist eher männlich als weiblich, eher verheiratet mit Kindern als alleinstehend, eher katholisch als evangelisch und eher über 50 Jahre alt.

Für zwei von drei Urlauberinnen und Urlaubern ist der Stopp an der Autobahnkirche eine spontane Entscheidung, so die Studie. Zwei Drittel von ihnen beten oder zünden eine Kerze an, die übrigen kommen herein, um sich auszuruhen oder sich die Kirche anzuschauen.

Das geht auch an der Wittlicher Senke an der Ausfahrt "Wittlich-Mitte" auf der A1 von Köln in Richtung Saarbrücken. Auf einer kleinen Anhöhe steht hier am Rande eines Wäldchens die Autobahnkirche St. Paul. Daneben erstreckt sich sich die imposante ehemalige Klosteranlage der Steyler Missionare, deren Gottesdienststätte St. Paul einst war.

Maare-Mosel-Radweg führt hier auch entlang

Um die Kirche zu erhalten, wurde sie vor fünf Jahren zur ökumenischen Autobahnkirche umgewidmet. Seit September 2012 ist sie zudem die erste Radwegekirche auf dem Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland. An ihr führt der Maare-Mosel-Radweg entlang.

"Ein Team von 50 Ehrenamtlichen betreut die Kirche, schließt auf und zu, sorgt für Blumenschmuck und Sauberkeit", berichtet Wolfram Viertelhaus. er ist Vorsitzender des Fördervereins, der sich um die Autobahnkirche kümmert und regelmäßig kirchliche und kulturelle Veranstaltungen dort ausrichtet. "Wir haben geschätzt 10.000 Besucher im Jahr", sagt Viertelhaus. Das rechnet er hoch aus der Anzahl der verkauften Kerzen, die auf einem Kerzenbaum angezündet werden können.

"Auch das Anliegen-Buch wird häufig genutzt", erklärt der Lehrer im Ruhestand. Menschen wünschten sich darin eine gute Heimkehr, eine sichere Reise und Gottes Schutz vor Gefahren, aber auch, dass der Partner wieder gesund werde oder die Kinder gut lernen mögen. Häufig finde man auch Einträge auf Polnisch und Niederländisch.

Neue Orte des Glaubens

Urlauberfamilien aus den Niederlanden sind auch in der Autobahnkirche Waldlaubersheim an der A61 von Koblenz nach Bingen öfter mal zu Gast. Sie kommen in den Ferienmonaten zum vierzehntägigen Sonntagsgottesdienst in die neben einem Weinberg liegende Kirche, erzählt Presbyter Andrzej Theobald von der Evangelischen Kirchengemeinde Stromberg.

Auch Pendler, so zeige das Anliegen-Buch, machten hier öfters Station. Die historische Martinskirche ist seit 1991 Autobahnkirche mit evangelischer Beteiligung. Sie dient gleichzeitig noch als Gemeindekirche für Waldlaubersheim.

Für Wolfram Viertelhaus vom Förderverein St. Paul Wittlich sind Autobahnkirchen "neue Orte des Glaubens, wo Menschen anonym beten und Spiritualität erleben können". Ein Bedürfnis, das gegen den Trend wachse. Die Autobahnkirchen kommen dem entgegen, eröffnen sie doch einen Raum der Stille, der Besinnung und Begegnung mit Gott mitten im Unterwegssein. 

Tag der Autobahnkirchen

Am Sonntag, 28. Juni, ist bundesweiter Tag der Autobahnkirchen. Die drei Kirchen und Kapellen auf dem Gebiet der rheinischen Kirche mit evangelischer Beteiligung feiern zu folgenden Zeiten:
- Autobahnkapelle Geismühle: 14 Uhr, ökumenische Andacht mit Reisesegen
- Autobahnkirche St. Paul, Wittlich: 15 Uhr, ökumenischer Gottesdienst
- Autobahnkirche Waldlaubersheim: 10 Uhr, evangelischer Gottesdienst

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ekir.de / Ulrike Klös / 26.06.2015



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