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Großer Einzug in die Jerusalmer Altstadt: Zur Einführung des neuen lutherischen Bischofs strömten palästinensische Christinnen und Christen sowie Gäste zur Erlöserkirche. Großer Einzug in der Jerusalemer Altstadt: Zur Einführung des neuen lutherischen Bischofs strömten palästinensische Christinnen und Christen sowie Gäste zur Erlöserkirche.

Evangelisch-lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land

Mit Dudelsäcken und Fanfaren

Ibrahim Azar (56) ist der neue lutherische Bischof von Jerusalem, Nachfolger von Munib Younan, der in den Ruhestand ging. Buchstäblich mit großem Tamtam wurde er in sein Amt eingeführt.

Bischof Ibrahim Azar Bischof Ibrahim Azar

Ein Dudelsack- und Fanfarenzug ging ihm vom Jaffa-Tor durch die Altstadt bis zur Erlöserkirche voran, und Massen von palästinensischen Christen und zahlreiche Gäste aus der Ökumene folgten ihm. Unübersehbar wurde so, dass Jerusalem nicht nur Juden und nicht nur Muslimen gehört. Seit 2000 Jahren lebt in ihren Mauern die christliche Kirche in ihren vielfältigen Gestalten.

Die lutherische Kirche hat ihre Wurzeln in der deutschen Kolonialgeschichte des 19. Jahrhunderts. Seit 1959 ist sie selbständig. Sie heißt „Evangelisch-lutherische Kirche in Jordanien und im Heiligen Land“, weil Gemeinden in der Region Jerusalem / Bethlehem und in Amman zu ihr gehören. In den nächsten Tagen empfangen den Bischof der jordanische König, der palästinensische und der israelische Präsident.

Ibrahim Azar, Sohn eines in Bethel ausgebildeten Diakons der Schnellerschule im Libanon, hat in München Theologie studiert. Er möchte Bischof seiner Kirche sein, wie er dreißig Jahre Pfarrer in Jerusalem war mit dem Schwerpunkt  auf der geistlichen Förderung seiner Kirche besonders in der Jugend- und Frauenarbeit. Den unterschiedlichen Prägungen der Gemeinden möchte er Rechnung tragen.

„Wenn Menschen spüren, was sie an ihrer palästinensischen Kirche haben, nämlich Stärkung in Glauben und Hoffnung, Solidarität und Ermutigung, dann werden sie eher bleiben statt auswandern“, so hofft Azar. Er möchte die Teamarbeit in den Gemeinden, unter den Pfarrern und in Synode und Kirchenleitung fördern. Ein Strategieplan für die nächsten fünf Jahre soll entstehen.

„Wir hoffen, für Dreiviertel unserer Kosten selber aufkommen zu können, damit unsere weltweiten Partnerkirchen wissen, um welche Unterstützung wir sie bitten werden“, sagt der Bischof freimütig. Das wird neben der Diakonie vor allem die Bildungsarbeit sein, in der diese Kirche immer schon stark engagiert war. Sie unterhält zahlreiche palästinensische Schulen, an denen mehrheitlich muslimische Jugendliche unterrichtet werden. Das wird weiter ein wichtiger Beitrag zu Gerechtigkeit und Frieden im Lande sein.

„Ich bin seit vierzig Jahren engagiert in der Friedensarbeit“, sagt Azar auf Nachfrage. „Die ist in Jerusalem, der Stadt der drei Religionen und zwei Völker, immer schon eine besondere Herausforderung gewesen. Ich möchte unterschiedliche Menschen zusammen bringen und Wege der Kooperation fördern.“ 

Azar ist verheiratet mit einer Englischlehrerin. Die Azars haben drei Töchter, eine studiert Theologie. Wahrscheinlich wird Bischof Azar demnächst seine eigene Tochter ordinieren. Die Synode hatte schon längst die Voraussetzungen dafür geschaffen, obwohl das in einer patriarchal geprägten Gesellschaft nicht selbstverständlich ist. Azars Tochter wird wahrscheinlich die erste palästinensische Frau sein, die in Jerusalem ordiniert wird.

Videogratulation von Präses Rekowski

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, gratulierte dem neuen Bischof per Video von der rheinischen Landessynode in Bad Neuenahr aus. Im Namen der Kirchenleitung wünschte er Azar Gottes Segen und versicherte, die Jahreslosung 2018 zitierend: "Wir schöpfen gemeinsam aus dieser Quelle." Das Geschenk des Präses an den Bischof wird der gemeinsame Besuch eines "guten Fußballspiels" sein.

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ekir.de / Rainer Stuhlmann / 15.01.2018



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