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Barcamp Essen Das erste Barcamp der Evangelischen Landeskirchen im Rheinland, in Westfalen und Lippe fand jetzt in Essen statt.

Barcamp in Essen

Offenheit, Neugier und die Lust, etwas auszuprobieren

Wie können sich Gemeinden in Sozialen Medien präsentieren? Welche Software kann eingesetzt werden? Wie hält es die Kirche mit dem Datenschutz? Diese Fragen beschäftigten ein Barcamp in Essen.

Rund 60 Online-Profis und andere Interessierte haben sich von Freitag bis Sonntag, 26. bis 28. September, zum ersten Barcamp der Evangelischen Landeskirchen Rheinland, Westfalen und Lippe im Haus der Kirche in Essen getroffen. Die Veranstaltung in Kooperation mit dem Evangelischen Kirchenkreis Essen und dem Bistum Essen war wie bei Barcamps üblich eine offene Tagung ohne feste Referenten, dafür mit Workshops, die die Teilnehmenden selbst entwickelten und gestalteten.

Die Themen der Teilnehmenden kamen aus den aktuellen Herausforderungen der kirchlichen Online-Arbeit: Dazu gehörten Datenschutz, Einsatz freier Software, Engagement in Sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter, Medien und Demokratie, Blogs mit Wordpress, interaktives Fernsehen im Internet, Strategien für gemeindliche Websites und Online-Terminkalender.

Chancen und Risiken in Sozialen Netzwerken 

Eine große Rolle in den Workshops spielten Soziale Netzwerke. „Wir müssen lernen damit verantwortlich umzugehen“, sagte der Internet-Beauftragte der Evangelischen Kirche im Rheinland, Ralf Peter Reimann. Die Kirche könne an den Netzwerken nicht vorbeigehen, denn dort kommunizierten viele Menschen. Es gelte bei diesem Engagement die Chancen und die Risiken zu sehen.

Die Landeskirchen im Rheinland, Westfalen und Lippe haben vor zwei Jahren sogenannte Social Media Guidelines entwickelt. Die Leitlinien wurden in einem offenen Prozess erarbeitet und geben zusätzlich Tipps und Beispiele für konkrete Fälle. Ein Grundsatz lautet, dass die Teilnahme von ehren- und hauptamtlich Mitarbeitenden freiwillig sein muss.

Insbesondere am Netzwerk Facebook zeigte sich die differenzierte Sichtweise vieler Online-Fachleute aus den Kirchen. Kritisiert wurden unter anderem die fehlende Transparenz des Anbieters sowie die Sammlung und Verknüpfung persönlicher Daten. Doch der Auftrag der Kirche sei es gerade öffentlich zu sein. Facebook sei eine Ergänzung zur eigenen Website. Es gelte der Satz: „Nicht die Kirche bringt die Menschen zu Facebook – sie sind schon da.“

"Datenschutz ist ein Grundrecht"

Für viele Gemeinden ist es nach den Erfahrungen von Teilnehmern zunächst wichtig, eine ansprechende eigene Website aufzubauen. „Erst einmal muss in der Gemeinde die Homepage funktionieren“, hieß es im Workshop zur Strategie gemeindlicher Internetarbeit. Sie solle einfach zu bestücken sein und wirklich aktuell. Dann sei auch Weiteres möglich.

„Datenschutz ist ein Grundrecht, da gibt es nichts weiter zu begründen“, hieß es im Workshop zum entsprechenden Thema. In vielen Gemeinden müsse das Bewusstsein dafür noch deutlich verbessert werden. So reichten rechtlich zum Beispiel keine pauschalen Freigabe-Erklärungen für die Veröffentlichung von Konfi-Fotos im Internet. Es müsse ein konkreter Anlass genannt werden. „Gerade beim Thema Datenschutz vertraut man den Kirchen und Gemeinden“, sagte Reimann. Dem müsse die Praxis auch gerecht werden.

"Sichtbare und virtuelle Marktplätze"

Initiatoren und Teilnehmende zogen ein überwiegend positives Resümee der Tagung. „Eine Kirche, die ,ganz nah bei den Menschen' sein will, muss dorthin gehen, wo sich Menschen begegnen und miteinander sprechen, wo sie in Beziehungen zueinander treten und das miteinander teilen, was sie berührt und bewegt“, sagte Stefan Koppelmann, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Evangelischen Kirche in Essen. Und das geschehe heute auf „sichtbaren und virtuellen Marktplätzen".

„Eine Kirche, die den Menschen zugewandt ist, darf sich der Digitalisierung von Kommunikation nicht verschließen“, so Koppelmann. Leider begännen die Kirchen recht spät, das zu begreifen – und gerade deshalb seien Tagungen wie das Barcamp so wichtig. Das Barcamp zeige: „Offenheit und Neugier und die Lust, auch einmal etwas auszuprobieren, versprechen oft den größten Ertrag. Und sie beweisen nicht zuletzt, dass unsere Kirche die Sozialen Medien durchaus bereichern kann.“

Nächstes Barcamp 2015 in Essen

Yvonne Kälbli, Online-Redakteurin der Evangelischen Kirche von Westfalen, lobte die große Bandbreite bei Themen und Beteiligten. „Es ist eine ökumenische Gruppe aus unterschiedlichsten Bereichen zusammengekommen“, erklärte sie. Die Teilnehmerzahl könne aber durchaus gesteigert werden. Deshalb kündigten die Veranstalter schon jetzt frühzeitig ein neues Barcamp vom 18. bis 20. September 2015 in Essen an. Positiv bewertete Ralf Peter Reimann, dass schon zu diesem ersten Barcamp, eine Reihe von ehrenamtlich Mitarbeitenden, Presbyterinnen und Presbyter gekommen ist.

„Ich bin froh dabei gewesen zu sein und erstaunt, wie gut man sich hier mit IT auskennt“, sagte Mechthilde Stehmann. Das habe sie so in der Kirche nicht erwartet. Vom Medienanalphabetismus sei nichts zu spüren gewesen. Beruflich arbeitet sie mit Entwicklern und Sicherheitsexperten und engagiert sich außerdem auch privat für die Free Software Foundation und Apache Open Office.

Das Barcamp ist bei Twitter.com unter #bckrwl präsent.

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ekir.de / rtm / Foto: Kerstin Bögeholz / 28.09.2014



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