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Barcamp Kirche Online Planung der Sessions beim Barcamp Kirche Online am Morgen

Barcamp Kirche Online

„Aber erst einmal: Wozu ist das überhaupt gut?“

Barcamp Kirche Online - ein Barcamp nennt sich auch „Unkonferenz“, eine offene Tagung mit Workshops und Ideen-Impulsen, ohne feste Referenten und Programm, ohne förmliches „Sie“ und Nachnamen. Bekannt vor allem in der Computer-Szene - doch jetzt auch in der Kirche. 

Morgens nach dem gemeinsamen Frühstück mit Kaffee, Brötchen und Rührei startet das Barcamp Kirche Online im Essener Haus der Kirche mit den Themenangeboten und -wünschen – und der Organisation des Programms. Einige der rund 60 Teilnehmenden gehen im großen Saal nach vorne, stellen zwei Dutzend Themen vor. Vom Terminkalender und Gemeindebriefen online, von Community-Management und Rechtsfragen, bis zur Datenverschlüsselung und sozialen Netzwerken. „Wer hat Interesse daran?“,  das wiederholt sich immer wieder als Frage und zwischen drei bis 30 Barcamper wollen jeweils ein Thema angehen.

„Kein Tauschvorschlag? Dann bleibt alles so stehen“

Die graue Wand füllt sich mit Kärtchen für fünfmal vier Sessions von 45 Minuten am Samstag in den Seminarräumen auf den verschiedenen Etagen des Kirchenhauses. „Jeder darf umsortieren“, heißt es schnell. Die „Session Twitter für Anfänger möglichst früh und im Raum mit 40 Plätzen“, „kann das zweimal laufen?“, „Kirchen-App bitte mit Gemeindewebsite tauschen“, „gerade sind sehr viele Renner in einer Zeitleiste“ und zum Schluss: „Kein Tauschvorschlag? Dann bleibt alles so stehen!“.

Twitter für Anfänger. Ein Seminarraum mit rund 50 Quadratmetern, Klavier, Garderobe, Flipchart, Leinwand, einem Blick auf das benachbarte Bürogebäude – und vor allem einem Router, dem technischen Gerät, das den Weg ins weltweite Netz ermöglichen soll.

„Ich kann immer noch nicht ins Internet, ein Killerkriterium“, sagt Wolfgang, nachdem er bereits erklärt hat, dass Twitter ein Dienst ist, bei dem mit bis zu 140 Zeichen Nachrichten in die Welt geschickt werden und die sogenannten Hashtags (#) vor einem Begriff aus der Not geboren wurden, dass der Dienst anfangs keine Suchfunktion hatte. So können Diskussionen zu einem Thema zum Beispiel mit #bckirche für das Barcamp Kirche Online nachverfolgt werden.

„Printmedien sind nicht tot, sondern nur teuer“

Letztlich geht es dann doch ins Netz und beim Twitter-Dienst wird ein konkretes Konto neu eingerichtet. Name, E-Mail und Nutzername werden eingetragen, bevor jemand fragt: „Aber erst einmal: Wofür ist das überhaupt gut?“. Eine Funktion wird für die Barcamper schnell deutlich beim zweiten Hashtag-Begriff des Tages: #twigo. Der Begriff ist verabredet für den abendlichen Twittergottesdienst im sogenannten Unperfekthaus in Essen: „Schreibt eure Fürbitten mit dem Hashtag, damit sie im Gottesdienst aufgenommen werden können“.

In der nächsten Session vom sozialen Medium im Online-Zeitalter zum klassischen sozialen Medium der gemeindlichen Kommunikation: der Gemeindebrief. „Printmedien sind nicht tot, sondern nur teuer“, stellt Thomas als These in den Raum. Der Besuch im Gottesdienst gehe in beiden großen Kirchen zurück und um die Leute am Ort zu erreichen, „sind direkt verteilte Medien nicht zu schlagen“. Gemischte Erfahrungen in der kleinen Gruppe der Teilnehmenden zur Verbindung der Printmedien mit den neuen Medien: Jugendarbeit, die nur noch über soziale Medien online kommuniziert, oder Gemeinden, in denen selbst die Homepage „eher nicht bespielt wird“.

„Juhu, jetzt habe ich eine Website, was nun?“

So bestätigt es sich auch im Workshop „Social Media in Gemeinden“: Einen strategischen Ansatz gibt es kaum in einer Gemeinde für Facebook oder Twitter. „Loslegen und nachher den Segen der Gremien holen“, ist dann auch eine Vorgehensweise. Auch bei den jungen Pfarrerinnen und Pfarrern seien nur drei von zwanzig in Social Media aktiv, gab ein Teilnehmer aus seiner Erfahrung in der Theologenausbildung wieder. Immerhin die Social Media Guides der rheinischen und westfälischen Landeskirchen sind eine Hilfe. „Dauerhaft ist das Angebot nur attraktiv, wenn ich Menschen dahinter erkennen kann“, gibt David in die Runde.

Unter dem Motto „Juhu, jetzt habe ich eine Website, was nun?“, erläutert Nadja in einer weiteren Session, was Gemeinden bei ihrem Online-Engagement auf jeden Fall bedenken sollten: „Warum eine Website, welches Angebot, wen möchte ich erreichen und wie möchte ich wahrgenommen werden?“.

Sie präsentiert in der Runde von Pfarrern, Öffentlichkeitsreferenten und Redakteuren den Vergleich mit einem Restaurant. Die Gäste wollen wissen, ob es chinesische, italienische, vegetarische oder vegane Küche gibt – und ohne Chefkoch kann man gleich wieder schließen. Daneben gibt es ganz praktische Tipps: Was muss im Impressum stehen? – und tut einmal im Jahr so, „als ob ihr umzieht – und entrümpelt“.

„Say it loud, say it clear #RefugeesWelcome #TwiGo”.

Highlight am Samstagabend: der Twittergottesdienst zu #RefugeesWelcome im Unperfekthaus, live übertragen auf Bibel-TV. Eine Bühne, Musik aus der spanischsprechenden Gemeinde Duisburgs, Kameraleute,  Fernsehtechnik und das Thema, das überall in Europa bewegt. Ralf Peter ruft in der Predigt zur Willkommenskultur auf, mit Twitter beteiligt sich die Gemeinde im Netz. „Normalerweise heißt es im Gottesdienst: Phone und Tablet aus. Wäre im #Twigo blöd:-)“, sendet die Twitter-Reporterin des Gottesdienstes als Tweet. Und es gehen Tweets ein wie: „say it loud, say it clear #RefugeesWelcome #TwiGo”.

Am Ende des Treffens steht der Termin für das nächste Barcamp Kirche Online vom 23. bis 25. September in Köln fest. Und Themen verbinden sich: „Freifunk“ ist eine Initiative für kostenloses Internet, für viele Flüchtlinge eine wichtige Unterstützung für die ersten Schritte in Deutschland. Barcamp-Teilnehmende wollen „Freifunk“ voranbringen für Flüchtlingsunterkünfte: Ein Tweet dazu: "Freifunk ist wie das presbyterial-synodale System der Rheinischen Kirche, hier ein gallisches Dorf, da ein gallisches Dorf #bckirche.“

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ekir.de / rtm / Foto: Anna Neumann / 21.09.2015



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