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Die Ausstellung über die Barmer Theologische Erklärung ist am historischen Ort, der Gemarker Kirche, zu sehen. Die Ausstellung über die Barmer Theologische Erklärung ist am historischen Ort, der Gemarker Kirche, zu sehen.

Dauerausstellung in Wuppertal

Wer glaubt, übernimmt Verantwortung

Die Gemarker Kirche in Wuppertal-Barmen ist eine beliebte Adresse. Café und Eine-Welt-Laden in der Citykirche laden zum Verweilen ein. Andere kommen, um sich den Ort anzuschauen, an dem 1934 die Barmer Theologische Erklärung verabschiedet wurde.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind jetzt auf noch mehr Gäste eingestellt, denn seit Montag ist die große Daueraustellung zur Barmer Erklärung eröffnet. Der Weg zur Ausstellung führt durch Café und Eine-Welt-Laden und anders als erwartet erst einmal zu den Reformatoren Luther, Calvin, Melanchthon und Zwingli. Vom Nachbarraum flimmern dabei bereits großformatige Filmausschnitte mit Naziaufmärschen in das Blickfeld – ein Verfahren, mit dem Ausstellungsarchitektin Janet Görner Spannungsmomente erzeugt, um Interesse des Publikums zu halten.

„Gelebte Reformation“ ist der Titel der Ausstellung, weil in der Barmer Bekenntnissynode die Tradition der Reformation erfahrbar werde, sagt Projektleiter Pfarrer Martin Engels. Deshalb beginnt die Ausstellung mit den Reformatoren, deshalb führt sie über die deutsch-deutsche Nachkriegszeit, über Aktion Sühnezeichen und die Friedensbewegung bis hin zur Antiapartheitsbewegung in Südafrika. Deshalb fordert sie die Besucherinnen und Besucher zu aktuellen Kommentaren auf. Denn: „Wer glaubt, übernimmt Verantwortung – auch heute“, so steht es an einer Wand, die zu einem zeitgemäßen Thesenanschlag einlädt.

Drei vergilbte Blätter und die Torpedo-Schreibmaschine

Das Zentrum der Ausstellung selbst ist schmucklos und nüchtern: Drei vergilbte maschinenbeschriebene DinA-4-Blätter mit den Thesen der Barmer Erklärung in einer Vitrine. Daneben eine Reiseschreibmaschine des Typs Torpedo, mit der die drei Seiten vermutlich geschrieben wurden.

Mit diesem Material eine lebendige Ausstellung sowohl für eilige, als auch für gründliche Besucherinnen und Besucher gleichermaßen zu gestalten, dieser Herausforderung hat sich Ausstellungsarchitektin Janet Görner gerne gestellt. Sie habe noch nie mit einer derartigen Masse an Texten und einer vergleichsweise kleinen Zahl an Originalobjekten geplant, berichtet sie.

Textwalzen, Audiogeräte und Displays

Da haben die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um den Wuppertaler Theologieprofessor Dr. Hellmut Zschoch und Ausstellungsmacherin Dr. Antoinette Lepper-Binnewerg, auswählen und Schwerpunkte setzen müssen. Manche Texte sind hinter Klappen verborgen, die öffnen mag, wer sich Zeit für die Ausstellung nimmt. Weitere Informationen vermitteln Textwalzen, Audiogeräte und Displays. Wer nur eine halbe Stunde Zeit, lässt sich von den großen Tafeln und den Ausstellungstücken führen.

Die Ausstellung zeigt die großen Linien kirchlichen Denkens und Handelns. Sie blickt aber zugleich auch auf Einzelschicksale. Da ist etwa die einzige Teilnehmerin der Bekenntnissynode, Stephanie Mackensen von Astfeld. Sie war Mitglied der NSdAP und zeitweise auch bei den „Deutschen Christen“ aktiv, ging aber bald zur Bekennenden Kirche. Nach dem Krieg war sie in der westfälischen Kirche tätig. Oder Gustav Heinemann, der spätere Bundespräsident. Er trug die sechs Barmer Thesen bei wichtigen Anlässen immer in seiner Brusttasche.

"Blinde Flecken"

Die Ausstellung verschweigt auch das Schweigen der Bekennenden Kirche gegenüber dem Antisemitismus und der Judenverfolgung nicht. Diese "Blinden Flecken" verbergen sich hinter unbeschrifteten Klappen. Dort ist etwa ein Hilferuf der Reichsvertretung des Deutschen Juden an den Evangelischen Kirchenrat in Berlin 1933 zu finden – er wurde nicht erhört.

Die Dauerausstellung „Gelebte Reformation – Barmer Theologische Erklärung“ ist in eineinhalb Jahren von einem Team um Pfarrer Martin Engels konzipiert und aufgebaut worden. Die Kosten von rund 350.000 Euro sind aus Spenden und Fördermitteln des Bundes und der nordrhein-westfälischen Landesregierung gedeckt worden. Die Ausstellung ist ein Beitrag des Kirchenkreises Wuppertal und der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Themenjahr „Reformation und Politik“ in der Reformationsdekade.

Die Ausstellung ist nach Absprache und während der Öffnungszeiten des Cafés in der Barmer Citykirche zu besichtigen: dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 1. Juli 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 7. Juli 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Wolfgang Beiderwieden, Fotos Daniel Schmitt / 02.07.2014



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