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Erklärung

“Mein Gott, wie schnell vergessen wir unsere Befreiung” (Psalm 78)

Wir halten Gedenken und tun dies gemeinsam als Christen aus Belgien, Großbritannien und
Deutschland. Wir reichen einander die Hand als Vertreter der Evangelischen Kirche im
Rheinland, der Anglikanischen Kirche in Belgien und der Vereinigten Protestantischen Kirche
in Belgien.
Wir gedenken miteinander.
An erster Stelle gedenken wir der Opfer. Wenn das Evangelium für etwas steht, dann ist es
für den Wert eines jeden Menschenlebens. Jeder Mensch ist einzigartig, gewollt und
gewünscht, und wird von Ihm, den wir Gott nennen, geliebt.
Die Zahlen übersteigen jede Vorstellungskraft und variieren, was umso mehr ein Zeichen für
die Unfassbarkeit des Geschehens ist: der Erste Weltkrieg kostete das Leben von mehr als 10
Millionen Soldaten, es gab 7 Millionen zivile Opfer, 20 Millionen Menschen wurden
verwundet. Und wir sprechen hier nur von den körperlichen Verletzungen und
Verstümmelungen; in vielen anderen Bereichen ist ebenfalls Leben zerstört worden – es
geschah unvostellbares Leid.
Wir gedenken insbesondere der zahllosen englischen, deutschen und belgischen Soldaten und
Bürger und bringen in unseren Gedanken die ausgelöschten Menschenleben vor ihn, den wir
Gott nennen.
Wir gedenken auch der Rolle unserer Kirchen, die wir vertreten. Ehrlich geben wir zu, dass
Kriege, auch der Erste Weltkrieg, oft theologisch legitimiert wurden. Darum rufen wir uns
selbst und andere religiöse Führer zu ständiger Reflektion und Selbstkritik auf. Das bedeutet
konkret, dass wir stets den Kontakt und den Dialog mit anderen suchen müssen und dass wir
uns zu hüten haben vor einer Schwarz-Weiß-Malerei der Wirklichkeit und vor absoluten
Wahrheitsansprüchen.
Für alle, die politische Verantwortung tragen, und dabei die Belange derer vertreten, die ihnen
diese Verantwortung anvertraut haben, beten wir, dass sie den Mut finden, sich für
gegenseitige Verständigung, Achtung und Respekt einzusetzen. Dies gilt für jeden der anders
ist, anders denkt oder sich anders verhält, für jeden mit einer anderen Kultur, Sprache,
Herkunft, Meinung, Weltanschauung, Hautfarbe, Geschlecht oder sexuellen Orientierung.
In unserer schnellebigen und rastlosen Zeit warnen wir vor dem Vergessen. Wir fordern, dass
in Schule und Unterricht mehr Wert auf den Geschichtsunterricht gelegt wird, da dieser hilft,
Mechanismen aufzudecken, die sich bis heute wiederholen und zu gewalttätigen Konflikten
führen.
Der Erste Weltkrieg sollte nicht der letzte Krieg Europas gewesen sein. Vor 75 Jahren begann
der Zweite Weltkrieg. Der Zerfall Jugoslawiens ab 1991 führte zu den Kriegen in Slovenien,
Kroatien, Bosnien und im Kosovo. Auch im Jahre 2014 gibt es Gewalt, Kriegsgewalt, auf
europäischem Boden. Freiheit und Frieden sind nicht selbstverständlich. Sie sind ein Auftrag,
der stets viel Zeit und Engagement erfordert.
In der Nachfolge des Mannes aus Nazareth engagieren wir uns für eine Gesellschaft, in der der
Reichtum der Vielfalt als Fest gefeiert wir und wir die Angst vor dem anderen immer wieder
überwinden. Wir treten ein für Gerechtigkeit und Frieden, in Europa und überall auf der Welt.
Wir halten Gedenken, und tun dies gemeinsam, damit über uns nicht gesagt werden kann:
“Die Geschichte lehrt, dass Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt
haben.” (Nach Georg Wilhelm Friedrich Hegel 1770-1831)
Belgien, Ypern, den 3. Oktober 2014
Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland
Jack McDonald, Präsident der Anglikanischen Kirche in Belgien
Steven H. Fuite, Synodalpräsident der Vereinigten Protestantischen Kirche in Belgien 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Sonntag, 5. Oktober 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Sonntag, 5. Oktober 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / 03.10.2014



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