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Bethanien in Namibia

„Zu Besuch bei unserer Familie auf einem anderen Kontinent“

Die Missionsgeschichte und die Partnerschaft der Kirchen, aber auch deutsche Verbrechen und der Alltag in Namibia standen im Zentrum eines Besuches von Mitgliedern der EKiR-Delegation in Bethanien.

Namibische Christinnen und Christen mit Vizepräses Petra Bosse-Huber vor der Kirche in Bethanien LupeNamibische Christinnen und Christen mit Vizepräses Petra Bosse-Huber vor der Kirche in Bethanien

"Wir sind zu Besuch bei unserer Familie auf einem anderen Kontinent, weit weg und zugleich ganz nah in unserer Verbundenheit als Kinder Gottes." Das sagte die rheinische Vizepräses Petra Bosse-Huber bei einem Besuch von Mitgliedern der Kirchenleitung in der Gemeinde Bethanien in Namibia. Bis zum Ende der Woche ist eine zwölfköpfige Delegation der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) zu Besuch bei ihrer Partnerkirche, der Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Republik Namibia (ELCRN).

Beim Zusammensein im Gemeindehaus erzählten vor allem ältere Frauen und Männer aus Bethanien von ihrem Leben. Die Armut habe ihre dörflichen Strukturen zerstört. Bei mehr als 80 Prozent Arbeitslosigkeit gingen die Jungen in die Stadt und es blieben die Alten und die Kinder zurück. Damit löse sich das traditionelle soziale Netzwerk auf, das in Namibia vor allem auf der Großfamilie beruhe.

Darüber hinaus zerstört die Krankheit Aids die Lebensgrundlage der Menschen, so die Gemeindeglieder. Ein Mann in der Gemeinde stand auf und fragte uns: "Könnt Ihr Euch eine christliche Gemeinde vorstellen, wo seit Jahren Eltern ihre eigenen Kinder beerdigen müssen?" Und er ergänzte: "Nach der Beerdigung gehen wir nach Hause und versuchen ohne Geld die Kinder unserer Kinder groß zu ziehen. Unsere Enkel brauchen Bildung und wir können sie ihnen nicht geben. Wir haben keine Arbeit und kein Geld.“ Immer wieder wurden auch in der Gemeinde Stimmen laut, die fragten: "Und wo seid Ihr? Was tut Ihr für uns?"

Segensreiche Missionsgeschichte und blutige Kolonialgeschichte

Ein älterer Mann erinnerte an die Verbrechen, die Deutsche in Namibia an den Einheimischen verübt haben. Er erzählte davon, wie Männer in einer Missionskirche zusammengetrieben, entwaffnet und grausam von Soldaten niedergemetzelt wurden. Und er endete: "Nicht nur die segensreiche Missionsgeschichte verbindet uns. sondern auch die blutige Kolonialgeschichte. Beide zusammen bilden den Hintergrund unseres gemeinsamen Zeugnisses von Jesus Christus".

Die Delegation aus dem Rheinland wurde begrüßt durch Tanz und Gesang eines Schulchores. Anschließend schauten sich die Besucherinnen und Besucher die Missionskirche und das Schmelenhaus an, das älteste noch existierende Steingebäude in Namiba. Altbischof Hendrik Frederick erinnerte in einem Grußwort an die Verbundenheit der beiden Kirchen durch die Missionsgeschichte und die Partnerschaft. Frederick war von 1979 bis 1993 Bischof der ELCRN. Nach einer fast zehnjährigen Tätigkeit für die namibische Regierung kehrte er als Ruheständler nach Bethanien zurück.

 

ekir.de / rtm / 26.01.2012



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